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Mit Clothianidin gebeiztes Saatgut ist Ursache für aktuelle Bienenschäden in Baden-Württemberg

19.05.2008
Aus den bisherigen Auswertungen des Julius Kühn-Instituts kann eindeutig geschlossen werden, dass eine Vergiftung der Bienen durch Abrieb des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Clothianidin von Maissaatgut vorliegt.

Bis auf eine Ausnahme konnte bei allen 30 bisher an der Untersuchungsstelle für Bienenvergiftungen des JKI in einem Biotest untersuchten Proben eine Kontaktgiftwirkung nachgewiesen werden.

Die ersten elf chemischen Analysen auf Clothianidin bestätigen in allen Fällen einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den gefundenen toten Bienen und dem Beizmittel. Ob noch weitere Komponenten/Pflanzenschutzmittel eine Rolle spielen, muss in den sich anschließenden Untersuchungen geklärt werden.
Zum Schutz vor schädlichen Insekten wie Drahtwürmern und Fritfliegen wird Maissaatgut seit längerem mit Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Clothianidin gebeizt, aber nur auf einem kleinen Teil der Maisanbaufläche genutzt.

Anders sieht die Situation in den Teilen Baden-Württembergs und Bayern aus, in denen im vergangenen Jahr erstmal der laut Richtlinie 200/29/EG unter Quarantäne stehende Westliche Maiswurzelbohrer auftrat (siehe Presseinformationen der ehemaligen BBA vom 25.7. und 22.8.2007). Um die Fundstellen mussten in diesem Jahr eine Befalls- und eine Sicherheitszone eingerichtet werden. Dort wurde die komplette Maisanbaufläche mit Saatgut gedrillt, das mit einer wesentlich höheren als der üblichen Aufwandmenge an Clothianidin gebeizt war.

Die bisher am JKI eingegangenen Proben von Bienen und Pflanzenmaterial stammen ausschließlich aus der Rheinebene in Baden-Württemberg und wenige aus der Region um Passau in Bayern. Bisher gibt es keine Hinweise auf Schadensfälle in anderen Bundesländern.

In einem Fachgespräch, das heute am JKI stattfand und an dem Zulassungsinhaber, die zulassende Behörde BVL wie auch das JKI zusammen kamen, wurde die Ursachenanalyse der für diesen nach Einschätzung der Fachexperten extremen Schadensfall weiter vorangetrieben, um künftig derartige Fälle ausschließen zu können. Im Verdacht steht, dass die Beizung nicht immer mit der erforderlichen Qualität erfolgt sein könnte und dadurch während der Aussaat ein erhöhter Abrieb auftrat.

Der Landwirt erhält bereits gebeiztes Saatgut von den Saatgutfirmen, die zur Beizung unterschiedliche Haftstoffe verwenden. Weiter stehen bestimmte pneumatisch arbeitende Sämaschinen in Verdacht, die in Verbindung mit Wind dazu geführt haben können, dass weitaus stärker als bekannt benachbarte blühende Pflanzen wie Löwenzahn, Raps oder Obst mit Clothianidin belastet worden sind.

Der Wirkstoff Clothianidin ist sehr gut in Wasser löslich. Ob Honig mit dem Wirkstoff belastet worden sein kann, ist noch unklar. Derzeit laufen erste Untersuchungen dazu in Baden-Württemberg. Klar ist jedoch, dass die Bienen gleichzeitig an verschiedenen Stellen Pollen gesammelt haben und anhand der Pollenanalyse im JKI keine eindeutige Massentracht festgestellt wurde.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) als Zulassungsbehörde für Pflanzenschutzmittel in Deutschland hat am 15.5. mit sofortiger Wirkung angeordnet, dass die Zulassung von Saatgutbehandlungsmitteln für Mais und Raps mit dem Wirkstoff Clothianidin aufgrund möglicher weiterer Auswirkungen auf den Naturhaushalt aus Vorsorgegründen bis auf Weiteres ruht.

Hintergrundinformation zur Untersuchungsstelle für Bienenvergiftungen am JKI:

Die Untersuchungsstelle für Bienenvergiftungen am Julius Kühn-Institut (ehemals Biologische Bundesanstalt) untersucht Bienenproben, bei denen der Verdacht besteht, dass sie durch eine nicht sachgemäße Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zu Tode gekommen sind. Die toten Bienen und Pflanzenmaterial werden von den Imkern nach Braunschweig gesendet. Die Untersuchungen verlaufen in mehreren Teilschritten, die biologischen Tests und Pollenanalysen werden in Braunschweig durchgeführt. Die aufwändigen chemischen Untersuchungen mittels Massenspektrometrie werden von spezialisierten Chemikern in Berliner Standort des JKI (Institut für ökologische Chemie, Pflanzenanalytik und Vorratsschutz) durchgeführt.

Dr. Gerlinde Nachtigall | idw
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de

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