Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Keine Entwarnung beim globalen Artensterben

16.05.2008
"Living Planet Index 2008": Dramatischer Rückgang der biologischen Vielfalt
Die biologische Vielfalt unseres Planeten ist von 1970 bis 2005 um 27 Prozent zurückgegangen. Dies geht aus dem neuen "Living Planet Index 2008" hervor, den der WWF vor Beginn des Bonner UN-Umweltgipfels veröffentlicht hat. Erstmals seit Mitte der 1970er Jahre ist der Index allerdings nicht weiter gefallen.

"Es gibt jedoch leider keinen Grund zur Entwarnung. Nach einem dramatischen Einbruch der biologischen Vielfalt in den 1980er und 1990er Jahren erleben wir im Moment offenbar eine kurze Atempause beim Artensterben. Hier spiegeln sich sicher auch erste Erfolge im Naturschutz wider. Aber alle Anzeichen sprechen dafür, dass wir noch keine Trendwende erreicht haben. Das globale Tier- und Pflanzensterben geht weiter", so Christoph Heinrich, Leiter Naturschutz beim WWF Deutschland.

Die rasante Entwaldung, die ungebremste Überfischung, der wachsende CO-2-Ausstoß und der zunehmende Hunger nach Rohstoffen ließen derzeit wenig Raum für Hoffnung, so der WWF. Die internationale Staatengemeinschaft sei weit davon entfernt, ihr Ziel zu erreichen, den globalen Verlust der biologischen Vielfalt bis 2010 deutlich einzuschränken.

Mit dem "Living Planet Index" präsentiert der WWF einen international anerkannten Standard zur Messung der biologischen Vielfalt. Weltweit werden 4.000 Populationen von fast 1.500 unterschiedlichen Arten untersucht. Einzelne Arten wie die Grüne Meeresschildkröte in Costa Rica oder der Atlantische Lachs in Norwegen haben sich nach Angaben des WWF-Reports erholt. Aber in vielen Regionen ist die Entwicklung nach wie vor alarmierend. Ein besonders dramatischer Trend zeigt sich im asiatisch-pazifischen Raum, wo der Index für Land- und Süßwasserarten seit 1970 um über 70 Prozent gefallen ist. So ist der Jangste-Flussdelfin vermutlich ausgestorben.

Auch in Europa ist der "Living Planet Index" für an Land und im Süßwasser lebende Arten von 1990 bis 2005 um über 35 Prozent eingebrochen. Dabei hat sich die EU sogar noch höhere Ziele als die UN-Konferenz gesetzt - Brüssel will den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2010 stoppen. Angesichts der neuen Zahlen sei es zweifelhaft, ob Europa dieses Ziel noch erreichen könne, so der WWF.

Arten wie der Iberische Luchs, der Braunbär, das Europäische Bison oder der Fischotter seien stark bedroht.

Die Beanspruchung natürlicher Ressourcen habe seit Anfang der 1960er Jahre bis 2003 um 250 Prozent zugenommen, so der WWF-Report.
"Die Menschheit lebt auf Pump. Wir bräuchten derzeit 1,25 Planeten, um unseren Hunger nach Energie, Rohstoffen und Land nachhaltig zu decken und die Belastungen durch Treibhausgase und Zivilisationsabfälle zu neutralisieren. Und der Trend setzt sich fort", erläutert WWF-Experte Heinrich. Am schwersten wiege dabei die wachsende Nachfrage nach klimaschädlichen fossilen Energieträgern wie Kohle und Öl. Jedem Erdenbewohner stehen durchschnittlich 1,8 Hektar produktive Fläche zur nachhaltigen Deckung seiner Bedürfnisse zur Verfügung. Tatsächlich betrug der Bedarf im Jahr 2003 etwa 2,23 Hektar pro Person. Deutschland steht im weltweiten Ländervergleich auf Platz 23 mit 4,5 Hektar pro Person.

Der WWF fordert die Staatengemeinschaft auf, in Bonn ein wirksames Programm gegen den Verlust der biologischen Vielfalt zu beschließen, um das 2010-Ziel doch noch zu erreichen. Die Regierungen müssten den Arten- und Naturschutz zur Chefsache machen. Alle relevanten Ressorts - Wirtschaft, Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Finanzen und Gesundheit - müssten den Biodiveritäts-Schutz zur Leitlinie ihres Handelns machen. "Die Umweltminister allein können das 2010-Ziel nicht stemmen", erläutert Heinrich.

Zudem fordert der WWF eine neue Initiative, um den globalen Waldverlust von derzeit 13 Millionen Hektar pro Jahr bis 2020 zu stoppen. Bis 2050 soll dann die Waldqualität und die Waldfläche wieder das Niveau des Jahres 2000 erreichen.

* Die WWF-Studie "2010 and Beyond" unter www.wwf.de/beyond-2010

* Zu dieser Meldung bieten wir TV-Footage (Beta SP), Fotos und Interviewpartner (Kontakt s.u.)

* Weitere Informationen zum UN-Gipfel unter www.wwf.de/cbd und www.wwf.de/cbd-presse

Ralph Kampwirth | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.wwf.de

Weitere Berichte zu: Artensterben Naturschutz Planet

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zellen auf Wanderschaft: Falten in der Zellmembran liefern Material für nötige Auswölbungen
23.11.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Neues Verfahren zum Nachweis eines Tumormarkers in bösartigen Lymphomen
23.11.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung