Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nah verwandte Mausmaki-Arten nutzen unterschiedliche Rufe zur Partnerwahl

09.05.2008
Partnersuche im Tropenwald: der richtige Ruf ist wichtig

Wie erkennen die auf Madagaskar lebenden Grauen Mausmakis nachts im Tropenwald einen Partner zur Fortpflanzung? Zur Dunkelheit kommt erschwerend hinzu, dass es neben der eigenen eine weitere eng verwandte Art im gleichen Lebensraum gibt, mit der eine Paarung nicht in Frage kommt.

Wissenschaftlerinnen des Instituts für Zoologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover konnten jetzt zeigen, dass die Mausmaki-Art Microcebus murinus (Grauer Mausmaki) artspezifische Werbe-Rufe nutzt, um einen Geschlechtspartner zu finden. Die TiHo-Forscherinnen haben die Ergebnisse ihrer Arbeit jetzt im Online-Fachmagazin BMC Biology unter http://www.biomedcentral.com/1741-7007/6/19/abstract veröffentlicht.

Der Graue und der Goldbraune Mausmaki (Microcebus ravelobensis) leben gemeinsam im selben Gebiet an der Westküste Madagaskars und wurden lange für eine Art gehalten. Erst genetische Vergleiche der Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Elke Zimmermann und Dr. Ute Radespiel offenbarten, dass es sich um zwei nebeneinander lebende Arten handelt. Da bei Paarungen über die Artengrenze hinweg oft keine oder unfruchtbare Nachkommen gezeugt werden, ist es für die Tiere wichtig, einen Geschlechtspartner derselben Art zu finden. Wie Prof. Dr. Elke Zimmermann, PD Dr. Sabine Schmidt und Pia Braune jetzt zeigen konnten, haben die Mausmakis arteigene Kommunikationslaute entwickelt, mit denen es ihnen möglich ist, den richtigen Partner zu finden. Mit spezifischen Rufen werben die Männchen um die Weibchen, die lediglich an zwei bis vier Tagen am Ende der Trockenzeit empfangsbereit sind.

... mehr zu:
»Mausmaki-Art »Microcebus

"Für unsere Untersuchungen haben wir die Werbe-Rufe der beiden Arten sowie einer weiteren Mausmaki-Art aufgezeichnet und den Grauen Mausmakis vorgespielt. Wir wollten testen, wie sie auf die unterschiedlichen Rufe reagieren", erklärt Pia Braune. Bei der dritten Art handelt es sich um den Goodman-Mausmaki (Microcebus lehilahytsara). Er lebt in einer anderen Gegend. Seine Werbe-Rufe können dem Grauen und dem Goldbraunen Mausmaki folglich nicht bekannt sein. Bei den Tests zeigten die Grauen Mausmakis auf die Rufe ihrer Artgenossen sehr viel stärkere Reaktionen als auf die Rufe der Goldbraunen Mausmakis, also der Art, die mit ihnen im selben Areal lebt. Wurden ihnen die arteigenen Rufe vorgespielt, liefen sie beispielsweise zu den Lautsprechern, bei den Rufen der goldbraunen Mausmakis reichte es höchstens zu einer Ohrenbewegung. Die TiHo-Forscherinnen schließen daraus, dass die Tiere die arteigenen Rufe erkennen. "Interessanterweise", ergänzt Professorin Zimmermann "reagierten die Tiere auf die Rufe der ihnen unbekannten Art ebenfalls etwas stärker. Wir vermuten dahinter einen Neuigkeitseffekt."

"Einen Geschlechtspartner derselben Art zu finden, ist für den Fortpflanzungserfolg überlebenswichtig. Dieser hohe Selektionsdruck muss zur Entwicklung der arteigenen Paarungslaute geführt haben", vermutet Pia Braune, die ihre Doktorarbeit zu diesem Thema verfasst hat. "Die Kommunikation der Grauen Mausmakis scheint gut zu funktionieren. Bisher haben wir keine Mausmakis gefunden, die aus einer Kreuzung der beiden Arten entstanden sind."

Für weitere Informationen steht Ihnen gern zur Verfügung:
Pia Braune, Institut für Zoologie
Tel.: (0 51 71) 98 87 20
E-Mail: pia.braune@tiho-hannover.de

Sonja von Brethorst | idw
Weitere Informationen:
http://www.tiho-hannover.de

Weitere Berichte zu: Mausmaki-Art Microcebus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie