Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Ballast tut gut

28.06.2002


Mit Zweistufenverfahren wird der Ballaststoffanteil von Apfelsaft erhöht



Wird Apfelsaft hergestellt, so verbleibt im Trester der überwiegende Teil an gesundheitsfördernden fruchteigenen Inhaltsstoffen. Zu diesen gehören zum einen die für den Menschen unverdaulichen Ballaststoffe, zum anderen die in einer Vielzahl im Apfel vorkommenden pflanzlichen Phenole. Ballaststoffe wie Cellulose und das aus dem Gelierzucker bekannte Pektin können von uns im Dünndarm zwar nicht verdaut werden, sie sind jedoch eine wichtige Nahrungsquelle für unsere Dickdarmflora. Die dort lebenden Bakterien bauen die Ballaststoffe zu verschiedenen Produkten wie den kurzkettigen Fettsäuren ab. Diese sind wiederum eine wichtige Energiequelle für die Dickdarmschleimhaut und zugleich für ihre gesunde Aufrechterhaltung von Bedeutung. Bei der anderen Gruppe von gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen des Apfels, den pflanzlichen Phenolen, handelt es sich um so genannte sekundäre Pflanzenstoffe. Unter ihnen befindet sich auch das im Apfel vorkommende Flavonoid Quercetin. Pflanzliche Phenole haben u.a. anticancerogene und antisklerotische Eigenschaften.



Durch ein enzymatisches Zweistufen-Verfahren lassen sich aus Apfeltrester diese wertvollen Inhaltsstoffe in den Saft überführen. Dabei werden die zermahlenen Äpfel (Apfelmaische) zunächst wie üblich mit pektinabbauenden Enzymen (Pektinasen) behandelt, um den anschließenden Pressvorgang zur Saftgewinnung zu erleichtern. Nach dem Abpressen des herkömmlichen naturtrüben Apfelsaftes bleibt als Pressrückstand der Trester übrig, der jedoch noch sehr reich an den gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen des Apfels ist. In der zweiten Verfahrensstufe wird der Trester nun nach Zugabe von Wasser erneut mit Enzymen behandelt. Dieses Mal kommen entweder wieder Pektinasen und/oder celluloseabbauende Enzyme (Cellulasen) zum Einsatz. Nach dieser enzymatischen Tresterextraktion wird erneut trüber Saft abgepresst, der so genannte Tresterextraktionssaft. Der auf diese Weise von der hessischen Forschungsanstalt Geisenheim hergestellte Extraktionssaft verfügt über einen bis zu ca. 10mal höheren Ballaststoffgehalt als der aus der ersten Verfahrensstufe, ferner ist der Tresterextraktionssaft 4-5mal reicher an Quercetin.

Die mit Ballaststoffen und pflanzlichen Phenolen angereicherten Tresterextraktionssäfte wurden am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE, ein Institut der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz) erstmals ernährungsphysiologisch in vitro und in vivo charakterisiert. Die Ergebnisse von in-vitro-Untersuchungen bestätigten eine gute Abbaubarkeit der Apfelballaststoffe zu kurzkettigen Fettsäuren durch die menschliche Dickdarmflora. In einem Fütterungsversuch an Ratten konnten positive physiologische Wirkungen der Apfelballaststoffe gezeigt werden. Sie bewirkten u.a. eine stärkere Wasserbindung des Speisebreis, eine geringere Gewichtszunahme der Tiere und eine vermehrte Verwertung durch die Darmbakterien, wodurch auch vermehrt kurzkettige Fettsäuren gebildet wurden. Die Zusammensetzung der Bakterienpopulation im Darm wurde durch die Anwesenheit der Ballaststoffe positiv beeinflusst. Die Ballaststoffe wirkten sich auch positiv auf die Ausscheidung von Gallensäuren aus.

In einem weiteren in-vivo-Versuch, bei dem ein mit Ballaststoffen und pflanzlichen Phenolen angereicherter Tresterextraktionssaft von gesunden Probanden über einen längeren Zeitraum getrunken wurde, konnten dessen günstige physiologische Wirkungen vom Fütterungsversuch bestätigt werden. So konnte auch gezeigt werden, dass das im Saft enthaltene Quercetin vom Körper aufgenommen wurde.

Einer Praxisüberführung des vorgestellten Verfahrens steht derzeit noch im Wege, dass Cellulasen bisher nur bei der Herstellung von Gemüsesäften zugelassen sind.

Kontakt:
Dr. Sabine Sembries
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Bergholz-Rehbrücke
Tel.: 033200/88-386
E-Mail: sembries@www.dife.de

Dr. Jörg Häseler | idw

Weitere Berichte zu: Apfel Apfelsaft Ballaststoffe Enzym Fettsäure Phenolen Quercetin Saft Trester Tresterextraktionssaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Eine Karte der Zellkraftwerke
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung
18.08.2017 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie