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Wespenart hat Sex mit Orchideen

30.04.2008
Ungewöhnliche Liebesbeziehung ist Teil der Überlebensstrategie

Dass einige Orchideenarten weibliche Insekten nachahmen, um deren männliche Artgenossen anzulocken, ist mittlerweile keine wissenschaftliche Neuigkeit mehr. Nun haben Forscher der Macquarie University in Sydney aber herausgefunden, dass eine bestimmte Wespenart (Lissopimpla excelsa) in dieser Hinsicht noch einen Schritt weiter geht.

Wie das Fachmagazin LiveScience berichtet, gelang es der australischen Evolutionsbiologin Anne Gaskett diese Wespenspezies beim sexuellen Akt mit einer Zungenorchidee zu beobachten. Dieser sei laut der Schilderung der Biologin nicht vom vergleichbaren Verhalten mit einer Artgenossin zu unterscheiden gewesen. "Als ich diese Wespen bei der Paarung mit der Zungenorchidee beobachtete, sah das keineswegs nach einem Pseudoverhalten aus", stellt Gaskett fest. Laut der Wissenschaftlerin sei es vielmehr zu einer tatsächlichen Kopulation zwischen dem Insekt und der Blume gekommen. Die Wespe habe sichtlich den sexuellen Höhepunkt erreicht und ihr Sperma über der Pflanze vergossen.

Unmittelbar nach dieser Entdeckung machte sich Gaskett an die Erforschung des beobachteten Phänomens. Gemeinsam mit einem Team aus Kollegen untersuchte sie über Wochen hinweg Zungenorchideen nach nachweisbaren Spuren der Wespenbegattung. Unter Zuhilfenahme von UV-Licht wurden die Forscher daraufhin tatsächlich fündig und es gelang ihnen der Nachweis von Spuren von Wespensperma auf den Blumen. Gleichzeitig mit der Freude über die Entdeckung machten sich aber auch Bedenken bei der Forscherin breit. "Wenn männliche Wespen all ihr Sperma an Orchideen verschwenden, was bleibt dann noch für ihre weiblichen Artgenossen übrig", fragt sich Gaskett. Der sexuelle Akt beraube die Insekten ihrer kostbaren Körperflüssigkeit und einer Unmenge an Energie, die sie eigentlich in die Fortpflanzung und somit in die Erhaltung ihrer Art investieren sollten.

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Das Geheimnis hinter der ungewöhnlichen Liebesbeziehung könnte zumindest zum Teil darin liegen, dass die Weibchen dieser Wespenart es auch ohne männliches Sperma schaffen, für Nachwuchs zu sorgen. "Wenn man sich auch ohne männliche Hilfe fortpflanzen kann, ist es nicht so tragisch, dass alle Männchen, die einem begegnen, ihr Sperma bereits für Orchideen vergeudet haben", meint Gaskett. Untersuchungen unter rund 200 Insektenspezies, die sich in ähnlicher Weise von Orchideen hinters Licht führen lassen, würden diese Vermutung bestätigen. Sie hätten gezeigt, dass an die 90 Prozent der betroffenen Arten über Weibchen verfügen, die sich auch ohne männliches Sperma fortpflanzen können.

Orchideen gehören zu den artenreichsten Pflanzenfamilien überhaupt. Entsprechend groß ist auch die Vielfalt im Bereich der Blüten und der spezifischen Bestäubungsmechanismen. Einige davon haben sich denn auch darauf spezialisiert, die Weibchen bestimmter Insektenarten nachzuahmen.

Das Ziel dieser bewussten Täuschung ist die Verbreitung der eigenen Pollen, die für die Fortpflanzung der Orchideen erforderlich ist. Insekten wie Wespen fungieren somit als Kuriere, die aufgenommene Pollen von einer Pflanze zur nächsten tragen.

Markus Steiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.mq.edu.au
http://www.livescience.com

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