Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf dem Weg zu wirksameren und risikoärmeren Immuntherapeutika

29.04.2008
Der Bauplan ist entschlüsselt: Ein Wirkstoff gegen autoaggressive Erkrankungen, der bisher aus menschlichem Serum gewonnen werden musste, kann künftig im Labor hergestellt werden.

Diesen wesentlichen Fortschritt in der Entwicklung neuer Immuntherapeutika hat die Gruppe von Prof. Dr. Falk Nimmerjahn an der Medizinischen Klinik 3 des Universitätsklinikums Erlangen zusammen mit Forschungspartnern in New York, Kalifornien und England erreicht.

Die Wissenschaftler kamen den letzten noch fehlenden Einzelheiten in der molekularen Struktur auf die Spur, die für die Wirksamkeit des Medikaments ausschlaggebend sind. Die Behandlung von Autoimmunkrankheiten verspricht dadurch besser und sicherer zu werden.

Eine steigende Anzahl von Menschen ist von chronischen Autoimmunerkrankungen betroffen, bei denen es zur Zerstörung von gesundem Gewebe durch das eigene Immunsystem kommt. Eine hocheffiziente Therapieform für eine Vielzahl von Autoimmunerkrankungen ist die intravenöse Gabe von hochdosierten Immunglobulinen (kurz IVIG-Therapie). Dieses Medikament wird aus dem Serum vieler tausend gesunder Blutspender gewonnen. Aufgrund der großen Nachfrage kommt es jedoch häufig zu Engpässen in der Verfügbarkeit. Weiter besteht bei der Gewinnung eines Medikamentes direkt aus menschlichem Serum immer eine geringe Gefahr an Verunreinigungen mit bisher unbekannten Erregern.

Aktive Komponenten bestimmt

Da der genaue Wirkmechanismus dieses Medikamentes bisher unbekannt war, konnten keine im Reagenzglas hergestellten analogen Substanzen produziert werden. Wie im August 2007 berichtet, ermittelte die Gruppe von Prof. Nimmerjahn, Inhaber einer durch das Bayerische Genomforschungsnetzwerk geförderten Professur für Experimentelle Immunologie und Immuntherapie in Erlangen, in Zusammenarbeit mit der Gruppe um Prof. Ravetch an der Rockefeller Universität in New York die aktiven Komponenten dieses Therapeutikums. Obwohl dies ein wichtiger Fortschritt war, blieben einige grundlegende Details unklar, die unabdingbar für eine Herstellung dieses Medikaments im Reagenzglas waren.

In einer kürzlich in dem Fachmagazin Science veröffentlichten Studie konnten die Gruppen von Prof. Nimmerjahn und Prof. Ravetch in Zusammenarbeit mit Teams der Durham University und des Scripps Forschungszentrums in Kalifornien nun erstmalig die genaue molekulare Zusammensetzung - sozusagen den Bauplan dieser aktiven Komponente - identifizieren und rekonstruieren. Es gelang ihnen, im Reagenzglas ein aktives Therapeutikum herzustellen, das im Tierversuch genauso effektiv wie klassisch gewonnenes IVIG in der Lage war, Autoimmunerkrankungen zu unterdrücken. Diese Versuche lassen hoffen, dass Engpässe in der Verfügbarkeit dieses wichtigen Medikamentes in Zukunft vermieden werden können und dass bisher vorhandene Nebenwirkungen, die mit der Verwendung primären menschlichen Serums einhergehen, in Zukunft vermieden werden können. In weiterführenden Studien sollen nun effiziente Verfahren entwickelt werden, um große Mengen dieses Medikamentes zu gewinnen, die für die Anwendung in einem klinischen Vorversuch geeignet sind.

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 26.200 Studierenden, 550 Professoren und 2000 wissenschaftlichen Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in enger Verknüpfung mit Jura, Theologie, Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

Weitere Informationen für die Medien:

Prof. Dr. Falk Nimmerjahn
fnimmerj@molmed.uni-erlangen.de

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de/

Weitere Berichte zu: Autoimmunerkrankung Immuntherapeutikum Serum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kupferhydroxid-Nanopartikel schützen vor toxischen Sauerstoffradikalen im Zigarettenrauch
30.03.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung
30.03.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE