Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer SFB an der Uni Heidelberg: Katalysator-Moleküle steuern und beschleunigen chemische Reaktionen

27.06.2002


Forschungsziele sind innovative, umweltschonende Syntheseverfahren der Chemie - Fördersumme insgesamt 4,2 Millionen Euro


Ein von langer Hand vorbereitetes Forschungsprogramm der Chemie der Universität Heidelberg kann im Juli 2002 starten: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Einrichtung eines neuen Sonderforschungsbereichs (SFB) an der Ruprecht-Karls-Universität beschlossen, der die Aktivitäten auf einem der Hauptarbeitsgebiete der Fakultät für Chemie massiv stärken und bündeln wird. "Der neue SFB 623 ’Molekulare Katalysatoren: Struktur und Funktionsdesign’ wird breit und interdisziplinär angelegte Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Katalyse betreiben und dazu beitragen, die Spitzenposition der Universität Heidelberg in der Forschung auszubauen", kommentierte Rektor Prof. Dr. Peter Hommelhoff. 21 Wissenschaftler mit ihren Arbeitsgruppen werden in 18 Projekten zusammenarbeiten.

"Wir freuen uns außerordentlich über die Entscheidung der DFG, die uns durch ihre hohen Mittelzuwendungen erlauben wird, mit über zwei Dutzend zusätzlichen Wissenschaftlerstellen und modernster Geräteausstattung international konkurrenzfähige Katalyseforschung zu betreiben", so Prof. Dr. Peter Hofmann, Geschäftsführender Direktor des Organisch-Chemischen Instituts, der Initiator und Sprecher des neuen Sonderforschungsbereichs ist. "Die bewilligten Mittel erkennen die hervorragende Stellung Heidelbergs im nationalen und internationalen Wettbewerb an und werden Heidelberg für Lehrende und Studierende noch attraktiver machen." Zusätzliche Fördermittel erhält der Sonderforschungsbereich aus Forschungskooperationen mit der BASF, die unter anderem die Finanzierung des am 27. Juni 2003 wieder stattfindenden internationalen Symposiums "Heidelberg Forum of Molecular Catalysis" übernimmt.


Sonderforschungsbereiche ermöglichen die Durchführung personell und finanziell aufwändiger, langfristig angelegter Forschungsvorhaben an den Hochschulen. Sie bestehen in der Regel - bei erfolgreichen Zwischenbegutachtungen - zwölf Jahre. Sie werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und flankierend durch Mittel des Landes, des Bundes und der Universität finanziert. Die Bewilligung eines SFB setzt den Nachweis wissenschaftlicher Exzellenz voraus, dient auch der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und integriert Forschung und Lehre. Träger eines Sonderforschungsbereiches ist die Universität.

"Mit diesem SFB wird die hohe Qualität der Forschung in Heidelberg unter Beweis gestellt. Damit bietet sich die Gelegenheit, die Exzellenz dieser Forschung weiter auszubauen. Gerade im Hinblick auf die Entwicklung des europäischen Forschungsraums hat sich Heidelberg damit eine gute Ausgangsposition gesichert", freute sich Rektor Prof. Dr. Peter Hommelhoff über die gute Nachricht der DFG.

Molekulare Katalysatoren: effiziente Synthesemaschinen auf atomarer Ebene

Die Entwicklung von Katalysatoren gehört zu den entscheidenden Zukunftstechnologien des 21. Jahrhunderts. Katalysatoren sind Substanzen, die - ohne selbst verbraucht zu werden - chemische Reaktionen gezielt beschleunigen, den Energieverbrauch minimieren, unerwünschte Neben- und Abfallprodukte verhindern (s. "Autoabgas-Kat") und so eine ressourcenschonende, umweltfreundliche, ökonomisch wie ökologisch optimierte Synthesechemie ermöglichen.

Molekulare Katalysatoren kann man sich vereinfacht als Moleküle mit "maßgeschneiderten" Werkzeugeigenschaften vorstellen. Gute Katalysatoren vermitteln in Sekundenschnelle durch ein einziges Katalysatormolekül die Entstehung von vielen Tausenden von Molekülen eines gewünschtes Produktes. Im lebenden Organismus sind es die Enzyme, die auf diese Weise biochemische Umwandlungen rasch, effizient und mit hoher Selektivität schon bei Körpertemperatur bewirken.

Interdisziplinäre, institutsübergreifende Grundlagenforschung

Der neue Sonderforschungsbereich bindet Arbeitsgruppen aus dem Anorganisch-, Organisch- und Physikalisch-Chemischen Institut, aus der Theoretischen Chemie, aus der Pharmazie, der Technischen Chemie und aus dem Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) in seine Aktivitäten ein. Durch die enge Verzahnung experimenteller und theoretischer Expertise aller Beteiligten soll vor allem ein tiefgreifendes Grundlagenverständnis von Katalyseprozessen auf molekularer und atomarer Ebene erreicht werden.

Die im SFB 623 bearbeiteten Themen erstrecken sich von Fragestellungen zu katalytischen Vorgängen in der lebenden Zelle (Biokatalyse) bis hin zu Design und Optimierung der Molekülstrukturen von großtechnisch wichtigen Katalysatoren. Sie umfassen Forschung über innovative katalytische Verfahren zur Herstellung von Medikamenten und Wirkstoffen ebenso wie die Entwicklung neuartiger Lasermethoden zur Untersuchung der Arbeitsweise von Katalysatoren oder den Einsatz von Computern zur Vorhersage und Planung der optimalen Struktur von Katalysatoren.

Rückfragen bitte an:
Prof. Dr. Peter Hofmann
Geschäftsführender Direktor
Organisch-Chemisches Institut
Lehrstuhl für Organische Chemie III
Ruprecht-Karls-Universitaet Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 270, 69120 Heidelberg
Tel. 06221 548502 (-8415 Sekr.), Fax 544885 
ph@phindigo.oci.uni-heidelberg.de

allgemeine Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317 
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de/presse/index.html

Weitere Berichte zu: DFG Exzellenz Katalysator Katalysator-Moleküle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Ultradünne CIGSE-Solarzellen: Nanostrukturen steigern den Wirkungsgrad
24.03.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Preiswerte Katalysatoren finden und verstehen: Auf das Eisen kommt es an

24.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Hoffnung für Leberkrebspatienten

24.03.2017 | Medizintechnik

Innovationslabor für neue Wege in die digitale Zukunft

24.03.2017 | Förderungen Preise