Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Bakterien ihre Wirtszellen beeinflussen

22.04.2008
Neisserien und Chlamydien gehören zu den Bakterien, die dem Menschen gefährlich werden können.

Die ersteren lösen Krankheiten wie Hirnhautentzündungen und Tripper aus, die anderen sind für Lungenentzündungen, Erblindungen und möglicherweise sogar für Krebs verantwortlich. Mit diesen beiden Bakteriengattungen befasst sich Thomas Rudel (45). Er hat als Nachfolger von Werner Goebel den Lehrstuhl für Mikrobiologie im Biozentrum der Uni Würzburg übernommen.

Professor Rudel interessiert sich für Chlamydien und Neisserien, weil die zwei Erregergruppen eine Gemeinsamkeit haben: Beide beeinflussen im Menschen die so genannten Apoptose. Darunter versteht man eine natürliche und kontrollierte Form des Zelltodes, auf die der Organismus nicht verzichten kann, weil er damit infizierte und geschädigte Zellen entfernt.

Neisseria gonorrhoeae, der Verursacher der Geschlechtskrankheit Tripper, gehört zur Gruppe der Bakterien, die in ihren Wirten die Apoptose in Gang setzen. "Wir vermuten, dass diese nur im Menschen vorkommenden Bakterien dadurch das Immunsystem schwächen, mit dem Ziel, sich dauerhaft etablieren zu können", sagt Rudel. Wenn Zellen durch Apoptose zugrunde gehen, tritt die Immunabwehr auf den Plan, um die Überreste zu beseitigen. Diese "Aufräumarbeiten" lenken sie möglicherweise von den Neisserien ab.

... mehr zu:
»Apoptose »Mikrobiologie »Wirtszelle

Chlamydien dagegen entgehen dem Immunsystem, indem sie die Apoptose ihrer Wirtszellen verhindern. Sie können ausschließlich im Inneren der Zellen existieren, sind also auf deren Wohlergehen angewiesen. Der Erreger Chlamydia pneumoniae, der in den Labors von Rudel erforscht wird, befällt die Atemwege des Menschen und kann akute Lungenentzündungen auslösen. In manchen Fällen überdauert er für lange Zeit im Körper und begünstigt dann möglicherweise chronische Erkrankungen wie Arteriosklerose, Alzheimer und Krebs.

Der neue Lehrstuhlinhaber erforscht, welche Auswirkungen solche bakteriellen Infektionen auf die Apoptose menschlicher Zellen haben. Seine Arbeit hat einen engen Bezug zur Krebsforschung, denn auch Tumorzellen sind widerstandsfähig gegen die Apoptose. "Wir wollen am Beispiel der mit Bakterien infizierten Zellen die molekularen Grundlagen der Apoptose-Resistenz verstehen. Im Idealfall lässt sich unser Wissen später für die Krebstherapie nutzbar machen", glaubt Rudel.

In der Lehre beabsichtigt der Professor, neben der klassischen auch Inhalte der zellulären Mikrobiologie zu vermitteln. Dieses Gebiet hat sich in den vergangenen Jahren zu einer eigenständigen Disziplin innerhalb der Mikrobiologie entwickelt. Die zelluläre Mikrobiologie verfolgt das Ziel, die Wechselwirkungen von Bakterien mit ihren Wirtszellen noch besser zu verstehen.

Thomas Rudel, geboren 1962 in Winnenden bei Stuttgart, studierte Biologie an der Universität Tübingen. Dort promovierte er auch; seine Doktorarbeit fertigte er am Max-Planck-Institut für Biologie an. Danach forschte er am Scripps Research Institute in San Diego in den USA. Nach Deutschland zurückgekehrt, leitete er ab 1997 eine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. Von dort wechselte er nun an die Universität Würzburg.

Kontakt: Prof. Dr. Thomas Rudel, T (0931) 888-4400, thomas.rudel@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Apoptose Mikrobiologie Wirtszelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Eine Karte der Zellkraftwerke
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung
18.08.2017 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie