Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unterkuehlter Artenschutz

21.04.2008
Spermien "On the Rocks" - Amphibienschutz durch Gefrierkonservierung

Die Gefrierkonservierung von Amphibien-Spermien wird in einem aktuellen Forschungsprojekt des Wissenschaftsfonds FWF optimiert. Das Ziel ist die erfolgreiche Züchtung gefährdeter Amphibienarten aus tiefgekühlten Spermien, die zur Befruchtung verwendet werden können. Der afrikanische Krallenfrosch und der mexikanische Axolotl dienen als Modellorganismen.

Nahezu 2.000 Amphibienarten weltweit gelten als gefährdet. Der Artenschutz in ihrer natürlichen Umgebung ist wenig erfolgreich und Alternativen werden dringend gesucht. Eine Möglichkeit bietet die langfristige Lagerung des genetischen Materials, das später dann zu Züchtungszwecken verwendet werden kann. Für Spermien, die zur Lagerung des genetischen Materials praktische Vorteile bieten, wird nun im Rahmen eines Projekts des Wissenschaftsfonds FWF die Gefrierlagerung - Kryo-Konservierung - optimiert.

EIZELLEN & SPERMIEN
Zu den Vorteilen, die Spermien bieten, führt der Projektleiter Prof. Robert Patzner von der Paris-Lodron-Universität Salzburg (Fachbereich Organismische
... mehr zu:
»Amphibien »Artenschutz »Eizelle »Sperma

Biologie) aus: "Prinzipiell können anstatt Spermien natürlich auch Eizellen gelagert werden, doch bereiten sie auf Grund ihrer Größe, Form und Inhaltsstoffe bei der Gefrierlagerung Probleme. Der Temperaturaustausch erfolgt unvorteilhaft und schädigt die Zelle. Spermien hingegen können wir vom lebenden Tier erhalten und auf Grund ihrer Kompaktheit unter idealen Bedingungen gefrierlagern."

Doch bei allen offensichtlichen Vorteilen, die Spermien für die Kryo-Konservierung bieten, ist noch viel Optimierungsbedarf bei der Methode vorhanden. Genau diesem widmen sich Prof. Patzner und sein Mitarbeiter Dr.

Nabil Mansour. Zu den von ihnen zu untersuchenden Parametern gehören die optimale Verdünnung der Spermien; die Konzentration an Frostschutzmitteln, das den Gefrierpunkt des Wassers in den Spermien senkt; die genaue Gefriertemperatur und Details des später folgenden Auftauvorgangs.

Das Ziel ist es Spermien zu erhalten, die optimal für die so genannte Androgenese genutzt werden können, also der Entwicklung eines Lebewesens aus ausschließlich väterlichen Erbanlagen. Dafür werden weibliche Eizellen, deren genetisches Material entfernt wurde, mit den zuvor gefriergelagerten Spermien befruchtet. In der Folge werden die befruchteten Eizellen einem Hitzeschock ausgesetzt, der zur Verdoppelung des männlichen - im Spermium angelieferten - genetischen Materials führt. Damit liegen in der Eizelle wieder zwei Chromosomensätze vor, die zur Entwicklung eines lebensfähigen Amphibiums notwendig sind.

STATE OF THE ART
Dem Artenschutz wird diese Methode dann gerecht, wenn die verwendeten Eizellen von gezüchteten, nicht gefährdeten Arten stammen. Werden diese zur Befruchtung mit kryo-konservierten Spermien von gefährdeten Arten verwendet, entwickeln sich ausschließlich Nachkommen der gefährdeten Art.

Um den Erfolg der Methode festzustellen, erläutert Prof. Patzner, werden folgende Werte untersucht: "Die Überlebensrate der sich entwickelten Amphibien ist natürlich der ultimative Indikator für den Erfolg - der sich naturgemäß erst am Ende unserer Bemühungen feststellen lässt. Wir kontrollieren daher auch schon frühzeitig die Zusammensetzung des genetischen Materials in den befruchteten Eizellen. Das erlaubt Aussagen über den späteren Erfolg. Aber ganz wichtig ist natürlich auch die Qualität der kryo-konservierten Spermien. Da checken wir nach dem Auftauen den Anteil an abgestorbenen Spermien sowie die Beweglichkeit und Zellstruktur der überlebenden. Ist die Qualität der Spermien hoch, dann ist der Züchtungserfolg wahrscheinlicher."

Bei all seinen Bemühungen sind sich Prof. Patzner und Dr. Mansour bewusst, dass die Kryo-Konservierung die weltweite Zerstörung der natürlichen Habitate der Amphibien nicht wett machen kann. Doch sind viele Amphibienarten auch durch andere Gefahren bedroht wie z. B. eine erst vor kurzem identifizierte Pilzinfektion, die bis zu 100 Prozent einer betroffenen Population töten kann. In genau solchen Fällen bietet die Kryo-Konservierung und Androgenese aus diesem FWF-Projekt einen wirkungsvollen Artenschutz.
Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Robert Patzner
Universität Salzburg
Organismische Biologie
5020 Salzburg
T +43 / 662 / 8044 - 5619
M 0669/ 11947812 (Dr. Mansour)
E robert.patzner@sbg.ac.at
Der Wissenschaftsfonds FWF:
Mag. Stefan Bernhardt
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 - 8111
E stefan.bernhardt@fwf.ac.at
Redaktion & Aussendung:
PR&D - Public Relations für Forschung & Bildung Campus Vienna Biocenter 2 1030 Wien T +43 / 1 / 505 70 44 E contact@prd.at

Michaela Fritsch | PR&D
Weitere Informationen:
http://www.fwf.ac.at/de/public_relations/press/pv200804-de.html

Weitere Berichte zu: Amphibien Artenschutz Eizelle Sperma

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Antibiotikaresistente Erreger in Haushaltsgeräten
16.02.2018 | Hochschule Rhein-Waal

nachricht Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt
16.02.2018 | Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics