Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstmals ganzheitliches Modell für den Artenschutz auf Madagaskar

11.04.2008
Braunschweiger Wissenschaftler: Amphibienvielfalt ist besonders gefährdet.

Die Tier- und Pflanzenwelt Madagaskars sind weltweit einzigartig, aber auch stark gefährdet: Die Zerstörung ihres tropischen Lebensraumes schreitet rapide und ungebremst voran. Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von deutschen Wissenschaftlern aus Braunschweig und München hat jetzt erstmals die wichtigsten Gebiete berechnet, die zur Rettung tausender spektakulärer Tier- und Pflanzenarten unter Schutz gestellt werden müssen.

Das berichtet das Wissenschaftsmagazin "Science" in seiner heutigen Ausgabe (www.sciencemag.org/).

Die 22 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben die Verbreitungsgebiete von tausenden dieser einzigartigen Tiere und Pflanzen analysiert. Ihr Ziel ist es, Politiker und Wissenschaftler bei der Planung künftiger Artenschutzgebiete zu unterstützen. Die Basis dafür waren jahrelange beschwerliche Expeditionen in den tropischen Regenwäldern, Bergregionen und Dornwüsten Madagaskars, um die Verbreitung dieser Arten festzustellen.

... mehr zu:
»Lebensraum

Computermodelle für die Landkarte der schützenwerten Arten

Mit einem neuartigen computergestützten Verfahren wurden dann die genauen Verbreitungsgebiete jeder einzelnen Art modelliert und mit einer eigens entwickelten Software gemeinsam analysiert. Die Analyse zeigte, dass keine der verschiedenen Organismengruppen alleine ausreichte, um als Modell für alle anderen Gruppen zu dienen und deren Schutz sicherzustellen. Allein bei der gemeinsamen Analyse aller Gruppen konnte ein Modell entwickelt werden, welches bei einer minimalen Ausweitung der Schutzgebietsfläche einen Schutz aller Arten sicherstellte.

Die nun durchgeführte Prioritätensitzung von Schutzgebieten ist die bislang weltweit umfangreichste Analyse dieser Art. Für kein anderes tropisches Land liegt eine ähnlich detaillierte Datenbasis vor. Die hier entwickelten Methoden können als Modell dienen, um Naturschutzplanung in anderen Ländern zu betreiben.

400 Froscharten, die Hälfte bisher unbekannt

Prof. Dr. Miguel Vences von der Technischen Universität Braunschweig stellte dabei zusammen mit seinem Kollegen Dr. Frank Glaw (Zoologische Staatssammlung München) die Daten zu den Amphibien zusammen. Sie sind, so Vences, eine besonders kritische Gruppe. Etwa 400 Froscharten haben die deutschen Forscher bislang auf Madagaskar inventarisiert. Zum Vergleich: In Deutschland leben auf einer vergleichbaren Fläche nur zwölf Arten.

Besonders spektakulär: "Nach unseren Forschungsergebnissen sind beinahe de Hälfte dieser 400 Arten in Madagaskar der Wissenschaft bislang unbekannt gewesen. Sie besitzen noch keinen wissenschaftlichen Namen und keine von ihnen kommt außerhalb Madagaskars vor", erläutert Vences.

Die computerbasierte Landkarte ist ohne den extremen Einsatz der Forscher vor Ort nicht möglich: "Es ist nur schwer vorstellbar, welche Strapazen es bedeutet, während der Regenzeit diese Arteninventare auf Madagaskar durchzuführen", berichtet er. "Die verbleibenden natürlichen Lebensräume auf der Insel sind häufig weitab jeglicher menschlicher Siedlungen. Das bedeutet: Fußmärsche von über 30 Kilometern durch oft wegloses Terrain."

Um die gefundenen Arten fehlerfrei bestimmen zu können, geht es danach noch weiter: Die Braunschweiger Forscher verwenden molekulargenetische Methoden, um eine eindeutige Zuordnung der gesammelten Proben zu erzielen.

Artenvielfalt auf Madagaskar:

Madagaskars Landesfläche entspricht in etwa derjenigen von Deutschland. Etwa 20 Millionen Menschen leben auf dieser Insel, die zu den ärmsten Ländern weltweit gehört. Der größte Teil der Bevölkerung Madagaskars lebt von der Landwirtschaft. Zur Gewinnung neuer Ackerflächen sowie Bau- und Brennholz werden die verbleibenden natürlichen Lebensräume - tropische Regenwälder, Bergwälder, Trockenwälder und trockene Dornbuschwüsten - immer weiter zerstört.

Bereits im Jahr 2003 hat Madagaskars Präsident Ravalomanana eine Erweiterung der Schutzgebiete seines Landes um zwei Drittel (auf insgesamt 10 Prozent der Landesfläche) angekündigt. Dieser vorbildliche Plan hat bereits eine große Zahl zusätzlicher Gebiete identifiziert, die bereits in diesem Jahr als Schutzgebiete ausgewiesen werden sollen.

Geschützt werden dabei nicht nur die berühmten und allseits bekannten Lemuren - die beliebten Halbaffen mit katzenartiger Schnauze und einem häufig langen, buschigen Schwanz - sondern auch eine Vielzahl von Fröschen, Geckos, Insekten, Orchideen und sukkulenten Pflanzen (zum Beispiel aus der Gruppe der Pachypodien). Es wird geschätzt, dass im Schnitt 80 Prozent der Arten in allen diesen Tier- und Pflanzengruppen nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen.

Kontakt:

Prof. Dr. Miguel Vences
Zoologisches Institut, Abteilung Evolutionsbiologie
Technische Universität Braunschweig
Tel.-Nr.: +49 - 531 391 3237
E-Mail: m.vences@tu-braunschweig.de
Weitere Informationen:
http://www.zoologie.tu-bs.de/evolution/forschung - Zoologisches Institut, Abteilung Evolutionsbiologie
http://www.mvences.de - Prof. Miguel Vences
http://www.sciencemag.org/ - Science
http://www.eurekalert.org/jrnls/sci/ - weiteres Pressematerial (Registrierung erforderlich)

http://www.fonozoo.com/eng/madagascar.php - Spannende Originaltöne der Amphibien Madagaskars

Dr. Elisabeth Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-braunschweig.de

Weitere Berichte zu: Lebensraum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise