Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

CSI-Methoden revolutionieren Regenwald-Forschung

10.04.2008
Ökologen nutzen forensische Ermittlungsmethoden der Polizei

Forensische Ermittlungsmethoden à la CSI gewinnen auch für die wissenschaftliche Forschung zunehmend an Bedeutung. So greifen laut einem aktuellen Bericht des US-Fachmagazins New Scientist Wissenschaftler der University of Joseph Fourier in Frankreich auf genetische Analysemethoden zurück, die ursprünglich im polizeilichen Bereich zum Einsatz kommen.

Die Forscher leisten Pionierarbeit auf dem neuen so genannten Bereich der forensischen Ökologie. Die übernommenen Techniken sollen dabei eine Reihe von Vorteilen gegenüber traditionellen Forschungsmethoden bringen. So hoffen die Wissenschaftler dadurch früher als bisher sich abzeichnende ökologische Einbrüche erkennen und dementsprechend vorbeugend reagieren zu können. Aber auch für das Aufspüren seltener Tierspezies erweisen sich die polizeilichen Analyseverfahren als hilfreich. Schon wenige Fragmente einer gefundenen DNA-Spur reichen den Forschern, um eine Spezies genau bestimmen zu können.

"Durch die eingesetzten forensischen Techniken ist es uns möglich, Ochsenfrosch-DNA in einem Teich nachzuweisen, der 50 Meter breit ist", verdeutlicht Pierre Taberlet vom Biologischen Insitut der University of Joseph Fourier die Möglichkeiten der neuen Methoden. Gemeinsam mit einem Team von Forscherkollegen hat er aus mehreren Teichen in Frankreich Wasserproben entnommen. Einige davon beherbergen Ochsenfrösche, andere aber nicht. Anschließend setzten die Forscher eine Verstärkungstechnik ein, die ursprünglich bei polizeilichen Ermittlungen dazu benützt wird, um DNA-Spuren aufzuspüren.

... mehr zu:
»Spezie

Mit Hilfe der übernommenen Methode waren die Wissenschaftler in der Lage, Aussagen über eine Besiedelung der Teiche durch die spezielle Froschart abgeben zu können, ohne mit diesen jemals persönlich in Berührung gekommen zu sein. "Diese Methode gibt zwar keinen Aufschluss über die tatsächliche Zahl der Frösche, die einmal in einem Teich gelebt haben. Sie ermöglicht es aber, zumindest grob das Ausmaß der Besiedelung bestimmen zu können", erklärt Taberlet.

"Eigentlich ging es uns dabei aber nicht um die Erforschung des Ochsenfrosches, sondern um die Erprobung eines neuen Forschungsansatzes", stellt Taberlet auf Anfrage von pressetext fest. Ausgangspunkt der Wissenschaftler sei dabei ein besonderes Problem gewesen, das häufig bei Studien auftritt, die sich mit der Artenvielfalt der Tierwelt auseinandersetzen. "Für Forscher ergab sich bislang oft das Problem, dass einige seltene Tierspezies nur sehr schwer ausfindig zu machen waren. Der neuartige Ansatz könnte es uns durch die Analyse noch so kleiner DNA-Fragmente ermöglichen, auch diesen Spezies auf die Spur zu kommen", erläutert Taberlet. Auf die Idee, sich an polizeilichen Ermittlungsmethoden zu bedienen, sei der Forscher bereits vor rund vier Jahren gekommen. "In der Praxis sind wir allerdings erst im vergangenen Jahr damit gestartet", schildert Taberlet. Inwieweit solche forensischen Methoden sich am Wissenschaftssektor etablieren werden können, sei zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch schwer abzuschätzen. "Wir befinden uns heute erst am Anfang der Entwicklung in diesem Bereich. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass dieser neue Ansatz in Zukunft vermehrt in der ökologischen Forschung zum Einsatz kommen wird", so Taberlet abschließend.

Markus Steiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.ujf-grenoble.fr

Weitere Berichte zu: Spezie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Reize auf dem Weg ins Bewusstsein versickern
22.09.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lebendiges Gewebe aus dem Drucker
22.09.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie