Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genetischer Barcode als Giftbarometer

27.03.2008
Karlsruher Forscher entwickeln Test mit Fisch-Embryos

Ein Forscherteam des Karlsruher Institute of Technology KIT hat ein innovatives Testsystem für Umweltgifte entwickelt. Ein Team vom Institut für Toxikologie und Genetik (ITG) verwendet dafür Fisch-Embryonen, bei denen sich Auswirkungen von Umweltgiften sehr spezifisch zu einem frühen Zeitpunkt genetisch nachweisen lassen. Mit dem System kann eine Vielzahl von Giften wie Dioxin, DDT, Cadmium oder Quecksilber ausgemacht werden.

Im frühen Entwicklungsstadium reagieren Lebewesen äußerst empfindlich auf chemische Einflüsse. "Bisher war allerdings kaum bekannt, ob und in welchen Dosen chemische Stoffe toxisch auf das sich entwickelnde Leben wirken", erklärt ITG-Institutsleiter Uwe Strähle gegenüber pressetext. Dies gelte nicht nur für Umweltgifte, sondern auch für zahlreiche Substanzen, die beispielsweise in Medikamenten verwendet werden. "Der von uns entwickelte Test ist mit einer großen Zahl an verschiedenen Giften zurechtgekommen", erklärt der Wissenschaftler. Die Forscher haben für die Testentwicklung Embryonen des Zebrabärblings verschiedenen Giften ausgesetzt und anschließend die genetische Reaktion analysiert.

"Wenn die Embryonen mit verschiedenen Giften in Kontakt gebracht werden, werden im Organismus mehrere hundert Gene aktiviert", so Strähle. Das Ergebnis sei ein bestimmtes typisches Genmuster, das wie ein genetischer Barcode abgelesen werden kann. "Mit der Methode kann man das eingesetzte Umweltgift mit hoher Treffsicherheit vorhersagen", erklärt der Forscher. Die Auswirkungen zeigten sich bereits bei einer Konzentration, die noch keine äußerlichen Veränderungen der Embryonen zur Folge hatte. Das Verfahren sei damit sensibler als die zurzeit üblichen Biomonitoring-Tests, bei denen morphologische Änderungen als Hinweis für einen toxischen Effekt dienen.

... mehr zu:
»Embryo »Genetik »Umweltgift

Das Pilotprojekt sei nun abgeschlossen, erklärt Strähle. "Was uns allerdings weit mehr interessiert, ist die molekulare Wirkung von Giften und vor allem welche Muster an Expressionen diese hinterlassen", erklärt der Forscher. In Zukunft soll dieses System nämlich als Vorabscreening für neue Wirkstoffe dienen. Damit ließe sich bereits frühzeitig das Gefährdungspotenzial verschiedener Substanzen einschätzen.

"Ein großer Vorteil der Fisch-Embryonen war, dass die Tests wesentlich leichter durchzuführen waren, als bei erwachsenen Tieren." Auch im Hinblick auf die EU-Chemikalienrichtlinie REACH könne das neue Verfahren eingesetzt werden. "Da sich die Zebrabärbling-Embryonen als gut handhabbares und ethisch vertretbares Wirbeltiermodell anbieten, um die zehntausenden von Risikoprüfungen zu bewältigen, kann das Modell einen wichtigen Beitrag zur schnellen Testung einer großen Anzahl von Substanzen leisten", so der Forscher. Das Verfahren könne mittelfristig auch automatisiert werden.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.kit.edu
http://itgmv3.fzk.de/itg/itg_home.html

Weitere Berichte zu: Embryo Genetik Umweltgift

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einzelne Rezeptoren auf der Arbeit
19.10.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Rasche Umweltveränderungen begünstigen Artensterben
19.10.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik