Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pathogene Pilze mit den eigenen Waffen schlagen

17.03.2008
PILZ GEGEN PILZ - FUNGIZIDE AUS DEM "HAUSE PENICILLIUM"

Ein Pilz-Protein, das gegen krankheitserregende Pilze wirkt, steht im Zentrum eines jetzt begonnenen Projektes des Wissenschaftsfonds FWF. Neben der Untersuchung der Struktur werden dabei insbesondere die physiologischen Veränderungen, die das Protein in Zellen der pathogenen Pilze verursacht, im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Gemeinsam mit Erkenntnissen aus einem Vorläuferprojekt können die neuen Daten eine Grundlage für einen wirkungsvollen Therapieansatz gegen bestimmte Pilzinfektionen darstellen.

PAF, NAF, AFP und ANAPF lautet der bunte Reigen einer neuen Klasse von Proteinen, die das Wachstum bestimmter so genannter Fadenpilze hemmen können - und dabei selbst das Produkt von solchen Pilzen sind. Über ihre biologische Funktion lässt sich nur spekulieren; doch ihr potenzieller Wert zur wirksamen Behandlung von Pilzinfektionen bei Pflanzen, Tieren und Menschen ist enorm. Am Biozentrum der Medizinischen Universität Innsbruck befasst sich Prof. Florentine Marx seit Jahren mit einem dieser Proteine - dem PAF, Penicillium Antifungal Protein. Nun setzt der Wissenschaftsfonds FWF seine seit dem Jahr 2001 kontinuierlich laufende Unterstützung für ihre Arbeiten fort.

LEUCHTENDES BEISPIEL
Dabei wird das Team um Prof. Marx einen modifizierten Stamm des PAF-sensitiven Pilzes Aspergillus nidulans als Modellorganismus nutzen. Dieser gibt ein messbares Leuchten ab, wenn in seinen Zellen die Konzentration an Kalzium-Ionen steigt. Zur Bedeutung des Kalziums in diesem Zusammenhang meint Prof. Marx: "Kalzium ist ein universaler Botenstoff, der auf bestimmte Prozesse in der Zelle regulierend wirkt. In den fadenförmigen Pilzzellen - den Hyphen - dient ein Gradient des Ions zur Steuerung des Wachstums. Tatsächlich führt schon die Exposition von geringen Mengen PAF in den Hyphen von A. nidulans zu einer deutlichen Erhöhung der Kalziumkonzentration und zu einem stark veränderten Wachstum. Ob und wie das zusammenhängt, werden wir nun auch im neuen Projekt untersuchen."
... mehr zu:
»FWF »PAF »Protein

Ein weiteres Ziel des Projektes ist die Identifikation von A. nidulans-Mutanten, die gegen PAF resistent sind. Bei den Mutanten werden dann jene Proteine charakterisiert, die verändert sind - und bei Wildtypen für die PAF-Sensitivität verantwortlich sein müssten. In einem weiteren Schritt werden veränderte Formen von PAF hergestellt und deren Wirkung in A. nidulans untersucht. Ergänzt durch Strukturanalysen der jeweilig veränderten Form des Proteins werden so Aussagen darüber möglich, welche Strukturmotive von PAF für welche seiner Wirkungen im Zielorganismus verantwortlich sind. Auf molekulargenetischer Ebene wird das Team um Prof. Marx Gene, die durch PAF reguliert werden, identifizieren.

RADIKALER TOD
Bereits im vorangegangenen Projekt konnten Prof. Marx und ihr Team ganz wesentliche Fragen zur Wirkung von PAF klären. Dazu Prof. Marx: "Eine hohe Dosis PAF bewirkt eine Apoptose, also den programmierten Zelltod, in den Hyphen von sensitiven Pilzen wie A. nidulans. Wesentlich dafür ist eine ganze Reihe von dramatischen Ereignissen auf Zellebene. Dazu zählen ein Anstieg des elektrischen Potenzials der Zellmembran, die Aktivierung von Kaliumkanälen und die Erhöhung der Konzentration schädlicher freier Radikale. Gerade Letzteres scheint ein ganz wesentlicher Grund für den dann folgenden Zelltod zu sein."
Das Projekt von Prof. Marx erfüllt den dringenden Bedarf für die Charakterisierung neuer, wirksamer Pilzmittel. Dieser ist insbesondere in den letzten Jahren stark angestiegen. Dafür ist neben den zunehmenden Resistenzen krankheitsverursachender Pilze gegen bestehende Therapeutika vor allem die wesentlich verbesserte Intensivmedizin verantwortlich. Denn diese geht oft mit einer Schwächung des Immunsystems einher, die dann die Infektion mit Pilzen, die normalerweise vom Körper leicht abgewehrt werden können, zur Folge hat. Mit der jetzt fortgesetzten Unterstützung der erfolgreichen Arbeiten von Prof. Marx und ihrem Team möchte der FWF einen weiteren Beitrag leisten, grundlegende Voraussetzungen zur Lösung dieses medizinischen Problems zu schaffen.

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Florentine Marx
Medizinische Universität Innsbruck
Biozentrum
T +43 / 512 / 9003 - 70207
E florentine.marx@i-med.ac.at
Der Wissenschaftsfonds FWF:
Mag. Stefan Bernhardt
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 - 8111
E stefan.bernhardt@fwf.ac.at

Michaela Fritsch | PR&D
Weitere Informationen:
http://www.i-med.ac.at
http://www.fwf.ac.at

Weitere Berichte zu: FWF PAF Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Geckos kommunizieren überraschend flexibel
29.05.2017 | Max-Planck-Institut für Ornithologie

nachricht Bauchspeicheldrüsenkrebs: Forschungsgruppe erprobt erfolgreich neue Diagnose- und Therapieansätze
29.05.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise