Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genvariante steigert Brustkrebsrisiko

12.03.2008
Ein internationales Forschungskonsortium unter Federführung von Wissenschaftlern aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum weist nach, dass eine häufige Genvariante das Risiko erhöht, an Brustkrebs zu erkranken.

Bei rund fünf bis zehn Prozent aller Fälle von Brustkrebs liegt eine familiäre Häufung der Erkrankungen vor - hier spielen Vererbung und damit genetische Faktoren eine Rolle. Veränderungen in den als "Brustkrebsgenen" bekannten Erbanlagen BRCAI und BRCAII sind eine der wichtigsten Ursachen für familiären Brustkrebs - sie sind für rund ein Viertel dieser Fälle verantwortlich.

"In Deutschland sind 75 Prozent der familiären Brustkrebsfälle nicht durch BRCAI- und BRCAII-Mutationen erklärbar. Wir gehen davon aus, dass diese Krankheitsfälle teils durch seltene Mutationen und teils durch eine unglückliche Kombination von Risikovarianten in verschiedenen Genen ausgelöst werden, von denen sich jede einzelne nur schwach auswirkt. Erst wenige davon sind bereits identifiziert - nach den anderen suchen wir", erklärt Privatdozentin Dr. Barbara Burwinkel aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum.

Mitglieder der AKAP-Proteinfamilie sind in der Zelle für die Weiterleitung wichtiger Signale zuständig. Wissenschaftler haben diese Proteine im Verdacht, an der Krebsentstehung beteiligt zu sein. Eine große internationale Studie unter der Leitung von Barbara Burwinkel brachte für Brustkrebs nun den Beweis.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Konsortium für familiären Brust- und Ovarialkrebs untersuchte das Forscherteam um Barbara Burwinkel sechs Genvarianten in der AKAP-Familie. Zwei davon, beide im Gen AKAP9 gelegen, stehen tatsächlich mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko in Verbindung. Die beiden Genvarianten werden stets gemeinsam vererbt, daher lässt sich ohne weitere Untersuchungen nicht beurteilen, ob eine der beiden oder beide Varianten in Kombination für den Risikoeffekt verantwortlich sind. Dieser Befund wurde in einer großen internationalen Studie in Zusammenarbeit mit Forschern aus Deutschland, Großbritannien, den USA und Australien bestätigt. Insgesamt wurden 9523 Brustkrebspatientinnen, darunter 2795 familiäre Brustkrebsfälle, und fast 14.000 gesunde Frauen untersucht.

Frauen, die die zwei Varianten in beiden Kopien ihrer AKAP9-Gene aufweisen, haben ein um 17 Prozent erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken. Bei Frauen aus Brustkrebsfamilien ist dieser Effekt noch deutlicher, ihr Risiko ist um 27 Prozent gesteigert. Ist nur eine der beiden Kopien von AKAP9 betroffen, so ist das Brustkrebsrisiko nur leicht erhöht: um etwa acht Prozent bzw. zwölf Prozent bei Frauen aus Brustkrebsfamilien.

"Das zeigt, dass die AKAP9-Varianten sich längst nicht so stark auf das Brustkrebsrisiko auswirken wie etwa die BRCA-Mutationen. Dafür kommen diese Varianten viel häufiger in der Bevölkerung vor. Wir wissen außerdem noch nicht, welche Regelkreise des Zellstoffwechsels beeinträchtigt werden und wie dies zu Krebs führen kann", schränkt Barbara Burwinkel ein. "Es gibt aber bereits Hinweise, dass die beiden Varianten auch das Risiko, an Lungen- oder Dickdarmkrebs zu erkranken, steigern."

Bernd Frank, Miriam Wiestler, Silke Kropp, Kari Hemminki, Amanda B. Spurdle, Christian Sutter, Barbara Wappenschmidt, Xiaoqing Chen, Jonathan Beesley, John L. Hopper, Australian Breast Cancer Family Study Investigators, Alfons Meindl, Marion Kiechle, Tracy Slange , Peter Bugert, Rita K. Schmutzler, Claus R. Bartram, Dieter Flesch-Jany , Elke Mutschelknauss, Katie Ashton, Ramona Salazar, Emily Webb, Ute Hamann, Hiltrud Brauch, Christina Justenhove , Yon-Dschun Ko, Thomas Brüning, Isabel dos Santos Silva, Nichola Johnson, Paul P. D. Pharoah, Alison M. Dunning, Karen A. Pooley, Jenny Chang-Claude, Douglas F. Easton, Julian Peto, Richard Houlston, Gene Environment Interaction and Breast Cancer in Germany Group, Kathleen Cuningham Foundation Consortium for Research into Familial Breast Cancer Investigators, Australian Ovarian Cancer Study Management Group, Georgia, Chenevix-Trench, Olivia Fletcher und Barbara Burwinkel: Association of a Common AKAP9 Variant With Breast Cancer Risk: A Collaborative Analysis. Journal of the National Cancer Institute, Band 100, Seite 1, 2008

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.

Diese Pressemitteilung ist abrufbar unter www.dkfz.de/pressemitteilungen

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
D-69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2854
F: +49 6221 42 2968

Dr. Stefanie Seltmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Berichte zu: Brustkrebs Brustkrebsrisiko Gen Genvariante

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise