Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Funktionelle Modelle des Herzgewebes für die Arzneimittelforschung

07.03.2008
Neue Testsysteme können zur Reduzierung von Tierversuchen beitragen

Mit Gewebekulturen aus menschlichen Herzzellen sollen neue Wirkstoffe zur Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen schneller gefunden und getestet werden. Das ist das Ziel des Forschungskonsortiums "Human Heart Models".

Das Verbundprojekt wird im Rahmen der Ausschreibung "Innovation in der Medikamentenentwicklung" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt nahezu 2,7 Millionen Euro gefördert.

Wissenschaftlicher Koordinator des Konsortiums ist Prof. Dr. Heinrich Terlau aus dem Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität Lübeck. Die Projektpartner sind das Institut für Neurophysiologie der Universität Köln, das Naturwissenschaftliche und Medizinische Institut der Universität Tübingen, das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik in Lübeck sowie das Pharmaunternehmen sanofi-aventis, Frankfurt am Main. Das Projekt soll über drei Jahre laufen.

Während der anatomische Aufbau des Herzens heute im Detail bekannt ist, werden die biochemischen Vorgänge in den Herzzellen immer noch erforscht. Der Verbund von fünf Forschergruppen aus Wissenschaft und Wirtschaft startet das gemeinsame Projekt mit dem Ziel, künstliche, aus menschlichen Herzzellen bestehende Gewebekulturen zu erzeugen und näher zu untersuchen.

Solche Labor-Kulturen existieren bislang nicht und können, so die Absicht der Wissenschaftler, als Modelle des Herzens dienen. Mit ihnen sollen neue Wirkstoffe zur Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen schneller gefunden sowie deren Wirksamkeit und Verträglichkeit früher und genauer eingeschätzt werden.

Die Erzeugung der gewebeartigen Testsysteme soll einerseits auf der Basis von Herzgewebe, das bei Operationen anfällt, andererseits aus Stammzellen geschehen. Die Herz-Modelle sollen auch dazu beitragen, die Zahl von Tierversuchen zu reduzieren, indem präklinische Untersuchungen vermehrt an solchen Modellen und nicht mehr an Tieren selbst unternommen werden.

Für gewöhnlich werden neue Wirkstoffe den gesetzlichen Vorschriften und wissenschaftlichen Notwendigkeiten entsprechend zuerst im Labor an einzelnen Zellen, später dann an Tieren getestet. Einzelne Zellen weisen jedoch andere Eigenschaften auf als Zellverbände, wie sie im Körpergewebe, zum Beispiel im Herzen, vorliegen. Sie sind deshalb für Medikamententests nur bedingt geeignet. Ein Wirkstoff kann in einer Zelle andere Reaktionen hervorrufen als in einem Organ, wo zahlreiche Zellen komplexe biochemische Wechselwirkungen eingehen.

Rüdiger Labahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-luebeck.de

Weitere Berichte zu: Herz-Kreislauf-Erkrankung Herzgewebe Herzzelle Tierversuch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie