Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Funktionelle Säfte: Forscher der Uni Kiel arbeiten mit Schwartauer Werken am optimalen Mix

26.02.2008
Sekundäre Pflanzenstoffe beugen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor und senken das Krebsrisiko. Forscher der Uni Kiel untersuchen jetzt, wie der gesundheitliche Nutzen dieser Wirkstoffe durch gezielte Kombination gesteigert werden kann. In Zusammenarbeit mit den Schwartauer Werken soll in einem vom Land Schleswig-Holstein und der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein geförderten Projekt ein funktioneller Saft entstehen, der auch Obst- und Gemüsemuffel eine gesunde Ernährung erleichert.

Fünf Portionen Obst oder Gemüse am Tag empfehlen Ernährungsexperten, das entspricht einer Tagesaufnahme von rund 600 Gramm. Davon seien die Deutschen mit im Schnitt nur 350 Gramm weit entfernt, sagt Prof. Dr. Gerald Rimbach, Direktor des Instituts für Humanernährung und Lebensmittelkunde der Uni Kiel. Dabei belegen zahlreiche Studien: Wer öfter zu Obst und Gemüse greift, erkrankt seltener an Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Warum das so ist, diesem Rätsel sind Forscher seit dem Auffinden sekundärer Pflanzenstoffe auf der Spur. Unter diesem Begriff fasst man eine Vielzahl an chemischen Verbindungen zusammen, die Pflanzen produzieren und die für ihren primären Stoffwechsel keine Bedeutung haben. Wohl aber für ihr Überleben: Denn im Boden verwurzelt können Pflanzen nicht weglaufen. Nicht vor intensiver Sonneneinstrahlung, nicht vor Schädlingen, Viren, Bakterien oder Pilzen. Also stellen sie beispielsweise ihren UV-Schutz selbst her oder produzieren Abwehrstoffe gegen Fressfeinde.

Mehr als 100.000 sekundäre Pflanzenwirkstoffe gibt es nach Schätzungen, von einigen ist der gesundheitsfördernde Effekt beim Menschen bereits bekannt. Die Palette der Wirkungen ist eindrucksvoll und reicht von antioxidativen Effekten über entzündungshemmende Eigenschaften bis hin zur Regulierung von Blutdruck, Blutzucker oder Cholesterinspiegel. Einen kleinen Haken hat die Sache jedoch: "Keine Substanz kann alles", sagt Rimbach. Deswegen raten Experten bisher allgemein dazu, Obst- und Gemüse stets bunt zu mischen statt fünf Äpfel am Tag zu verzehren.

Wie sich mit einer gezielten Kombination der pflanzlichen Helfer der gesundheitliche Nutzen für den Menschen steigern lässt, das untersucht das Team des Kieler Professors jetzt in einem Gemeinschaftsprojekt mit den Schwartauer Werken. "Sollte es gelingen, auf der Basis der geplanten Studie innovative Konzepte für gesunde Lebensmittel etablieren zu können, könnte ein wichtiger Beitrag zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen geleistet werden", sagt Rimbach. Diese Einschätzung hat das Kieler Wirtschaftsministerium und die Innovationsstiftung Schleswig-Holstein (ISH) überzeugt. Sie unterstützen das Vorhaben mit 120.000 Euro aus ihrem Förderprogramm "Hochschule - Wirtschaft - Transfer" (HWT).

Bei der Suche nach dem optimalen Mix richtet sich das Augenmerk nicht nur auf das präventive Potenzial der Wirkstoffe. Auch Fragen der Sensorik und Stabilität sind zu klären, wenn am Ende ein funktioneller und gut schmeckender Saft entstehen soll. Gerade in diesem Bereich wollen die Schwartauer Werke, mit rund 800 Beschäftigten Schleswig-Holsteins größtes Nahrungsmittelunternehmen, ihre Kompetenz einbringen.

Nicht zuletzt dank neuer Obstgetränke konnte das Unternehmen 2006 ein zweistelliges Umsatzwachstum verzeichnen. "Wir werden künftig noch stärker auf derartige Produkte setzen"", sagt Geschäftsführer Heinz von Kempen. "Für uns ist dieses Projekt sehr bedeutsam." Mit einer Humanstudie wollen die Forscher am Ende des Projektes belegen, dass die von ihnen zusammengestellte Mixtur sekundärer Pflanzenstoffe den erwünschten Beitrag zur Gesundheit leistet. Und wer weiß: Ein ernährungsphysiologisch optimierter Saft hilft vielleicht manchem Obst- und Gemüsemuffel auf die Sprünge.

Sabine Recupero | idw
Weitere Informationen:
http://www.foodsci.uni-kiel.de -
http://www.i-sh.org/hwt

Weitere Berichte zu: Herz-Kreislauf-Erkrankung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht "Wächter des Genoms": Forscher aus Halle liefern neue Einblicke in die Struktur des Proteins p53
09.12.2016 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

nachricht Forscher entschlüsseln, wie Pflanzen ihre Blätter abwerfen
09.12.2016 | Universität Hohenheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops