Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Methode zum Studium der Proteinsekretion entwickelt

25.02.2008
Wissenschaftler am Biozentrum der Universität Basel liefern neue Erkenntnisse zum Mechanismus der so genannten Proteinsekretion. Sie haben eine neue Screening-Methode entwickelt, mit der sich Proteininteraktionen im Sekretionsweg von lebenden Zellen erfassen lassen. Ihre Studie wurde in der neusten Online-Ausgabe des "Journal of Cell Biology" publiziert.

Zellen von Säugetieren sondern ständig hunderte von verschiedenen Proteinen wie etwa Antikörper, Hormone und Blutproteine ab. Diese Sekretion beginnt in einem bestimmten Zellorganell, in dem die Proteine gebildet, gefaltet und zum Transport in eine Art Bläschen verpackt werden.

Für eine effiziente Verpackung braucht es Hilfsproteine, so genannte Cargo-Rezeptoren. Beat Nyfeler und Hans-Peter Hauri vom Biozentrum haben diesen Verpackungsmechanismus anhand des Cargo-Rezeptors ERGIC-53 untersucht, einem Membranrezeptor, der für die Sekretion der Blutgerinnungsfaktoren V und VIII wichtig ist.

Mit dem Ziel, neue Cargo-Proteine von ERGIC-53 zu finden, entwickelten die Forscher eine genomweite Screening-Methode, basierend auf der Komplementierung des gelb fluoreszierenden Proteins YFP in lebenden Zellen. Aus einer menschlichen Leber-Genbank isolierten sie mit dieser Methode unerwarteterweise alpha1-Antitrypsin als neues Cargo-Protein von ERGIC-53. alpha1-Antitrypsin ist ein wichtiges Leberprotein, das ins Blut abgegeben wird und als Protease-Hemmstoff wirkt. Vererbbare Mutationen in alpha1-Antitrypsin können zu schweren Leber- und Lungenschäden führen.

... mehr zu:
»Cargo-Rezeptor »Protein

Durch Ausschalten des ERGIC-53-Gens bewiesen Nyfeler und Hauri, dass ERGIC-53 tatsächlich für die effiziente Sekretion von alpha1-Antitrypsin nötig ist. Interessanterweise kann dieser Cargo-Rezeptor aber falsch gefaltetes alpha1-Antitrypsin nicht erkennen, wie es beim angeborenen alpha1-Antitrypsin-Mangel beim Menschen gebildet wird. Die Autoren schliessen daraus, dass ERGIC-53 in einem Prozess der Qualitätskontrolle nur richtig gefaltetes alpha1-Antitrypsin transportiert. Die neue Komplementierungstechnik ist deshalb auch viel versprechend für eine systembiologische Suche nach Wirkstoffen, die falsch gefaltetes alpha1-Antitrypsin in die richtige, transportierbare Form bringen können.

Mit dieser Studie identifizierten Nyfeler und Hauri ERGIC-53 als intrazellulären Cargo-Rezeptor von alpha1-Antitrypsin und zeigten, dass mittels Komplementierung neue Proteinkomplexe im Sekretionsweg identifiziert werden können. Ihre Studie ist die erste erfolgreiche Screening-Methode, mit der sich Proteinkomplexe im Sekretionsweg von lebenden Zellen genomweit identifizieren lassen.

Weitere Auskünfte
Prof. Hans-Peter Hauri, Growth & Development, Biozentrum der Universität Basel, Klingelbergstrasse 50/70, 4056 Basel, Tel. 061 267 22 22, E-Mail: hans-peter.hauri@unibas.ch
Originalbeitrag
Beat Nyfeler, Veronika Reiterer, Markus W. Wendeler, Eduard Stefan, Bin Zhang Stephen W. Michnick and Hans-Peter Hauri
Identification of ERGIC-53 as an intracellular transport receptor of alpha1-antitrypsin

Journal of Cell Biology (JCB), published 25th February 2008, doi: 10.1083/jcb.200709100

Reto Caluori | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch
http://www.jcb.org/cgi/content/abstract/jcb.200709100v1

Weitere Berichte zu: Cargo-Rezeptor Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Blattkäfer: Schon winzige Pestizid-Dosis beeinträchtigt Fortpflanzung
26.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Akute myeloische Leukämie (AML): Neues Medikament steht kurz vor der Zulassung in Europa
26.07.2017 | Universitätsklinikum Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops