Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Evolutionäre Verwandtschaft des Gehirns bei Fliegen und Menschen

22.02.2008
Wissenschaftler am Biozentrum der Universität Basel haben im Gehirn der Taufliege Drosophila eine neue Art der Neurogenese, der Bildung von Nervenzellen entdeckt.

Im Vergleich zum Säugetier lassen sich dabei wichtige entwicklungsbiologische Parallelen in der Gehirnbildung nachweisen. Diese neu entdeckte Ähnlichkeit in der Neurogenese bei Fliegen und Säugern ist ein weiterer wichtiger Hinweis auf die erstaunliche evolutionäre Verwandtschaft aller Gehirne. Die Forschungsresultate sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Neural Development" veröffentlicht.

Die Nervenzellen im Gehirn der Taufliege Drosophila entstehen aus Vorläuferzellen, den so genannten Neuroblasten. Alle bisherigen Untersuchungen haben gezeigt, dass die Neuroblasten sich bei der Nervenzellbildung wie neuronale Stammzellen verhalten: Sie teilen sich in asymmetrischer Weise, erneuern sich dabei selbst und bilden kleinere Tochterzellen. Diese Tochterzellen teilen sich dann aber nur noch ein Mal, um schliesslich je zwei Nervenzellen auszubilden.

Bei Säugetieren entstehen die Nervenzellen des Gehirns ebenfalls aus stammzell-ähnlichen Vorläuferzellen in ähnlicher Weise. Im Gegensatz zu den Nervenzellen der Taufliege bilden die Vorläuferzellen im Säugergehirn aber eine viel grössere Anzahl von Nervenzellen. Die von ihnen produzierten kleineren Tochterzellen haben die Fähigkeit, sich mehrmals zu teilen, bevor sie zur abschliessenden Nervenzellbildung übergehen. Die Tochterzellen verhalten sich gewissermassen wie "Miniatur-Vorläuferzellen" und können viele Nervenzellen erzeugen, was zu einer bemerkenswerten Steigerung der Nervenzellanzahl im Säugergehirn führt.

Die Forschungsgruppe um Prof. Heinrich Reichert am Biozentrum der Universität Basel hat nunmehr nachgewiesen, dass gewisse Neuroblasten im Gehirn von Fliegen ebenfalls in der Lage sind, solche "Miniatur-Vorläuferzellen" zu produzieren. Dazu haben die Forscher Markierungsmethoden und Zellliniennachweismethoden im Gehirn der Drosophila eingesetzt. Sie konnten nachweisen, dass bestimmte Neuroblasten eine erstaunlich grosse Anzahl von Nervenzellen bilden können und dass dies ebenfalls durch die Ausbildung von "Miniatur-Vorläuferzellen" geschieht, wie im Gehirn der Säugetiere.

Das Labor von Prof. Reichert beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Entwicklung und Evolution des Gehirns und vergleicht dabei vor allem die zellulären und molekularen Mechanismen der Gehirnbildung in der Taufliege mit jenen, die bei der Entwicklung des Säugergehirns ablaufen. Die Gesamtheit dieser vergleichenden entwicklungsbiologischen Studien weist darauf hin, dass die Gehirne aller Tiere, inklusive jenes des Menschen, auf einem ähnlichen Bauplan beruhen und einen gemeinsamen evolutionären Ursprung haben.

Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Heinrich Reichert, Biozentrum der Universität Basel, Klingelbergstrasse 50-70, CH-4056 Basel, Tel. +41 61 267 16 12 / 11, E-Mail: Heinrich.Reichert@unibas.ch
Originalbeitrag
Bruno C Bello, Natalya Izergina, Emmanuel Caussinus, and Heinrich Reichert
Amplification of neural stem cell proliferation by intermediate progenitor cells in Drosophila brain development.
Neural Development 2008, 3:5. doi:10.1186/1749-8104-3-5,
Published: 19 February 2008

Reto Caluori | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zebras: Immer der Erinnerung nach
24.05.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Wichtiges Regulator-Gen für die Bildung der Herzklappen entdeckt
24.05.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten