Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gefahren von Gentech-Pflanzen bestätigt

12.02.2008
Baumwollschädling entwickelt Resistenzen gegen Pflanzenschutzmittel

Wissenschaftler der University of Arizona in Tucson haben in einer aktuellen Freiland-Untersuchung nachgewiesen, dass der Einsatz von Gentech-Bauwolle zu Resistenzbildungen beim Baumwollkapselbohrer führt.

Diese Raupe ist der Hauptschädling der Baumwollproduktion. Die Gentech-Baumwolle produziert das Toxin Bacillus-thuringensis (Bt), das eigentlich Schädlinge töten sollte. Die Studie wurde vom Entymologen Bruce Tabashnik vom College of Agriculture and Life Sciences durchgeführt.

"Die Evolution der Insektenresistenz bedroht den Erfolg der genetisch veränderten Pflanzen, die das Bt zur Abwehr gegen Schädlinge produziert", berichtet Tabashkin. In den Tests untersuchte das Forscherteam, welche Bt-Konzentration nötig war, um die Hälfte der Insekten zu töten. Dabei zeigte sich, dass einige in den Jahren 2003 und 2004 in den US-Bundesstaaten Arkansas und Mississippi gesammelte Baumwollkapselbohrer dafür viel mehr Bt-Toxin fressen mussten als jene Insekten, die noch nie damit in Berührung gekommen waren. Von Resistenzen sprechen Forscher dann, wenn zehn Mal mehr Gift nötig ist. Bei je zwei Kapselbohrer-Gruppen waren es mehr als 50 Mal soviel, mehr als 100 Mal so viel und mehr als 500 Mal so viel. In Tieren, die 2005 und 2006 im Feld gesammelt wurden, sogar 1.000 Mal mehr.

... mehr zu:
»Gift »Insekt »Resistenz »Schädling

"Unsere Analyse zeigt, dass Laborversuche mit Helicoverpa zea den ersten Fall einer in freier Natur entstandenen Resistenz gegen das Bt-Gift einer transgenen Pflanzen dokumentieren", so Tabashnik. Die Bt-Toxine, die von insektenresistenten Gentech-Pflanzen produziert werden, unterscheiden sich von den sonst in der Landwirtschaft eingesetzten Bt-Toxinen dadurch, dass sie ein breiteres Spektrum von Insekten treffen. "Aus dieser Erbanlage entsteht ein Protein, das Zellen im Darm der Schädlinge zerstören soll, in diesem Falle beim Baumwollkapselbohrer", erklärt der Gentechnik-Experte Werner Müller von EcoRisk http://www.eco-risk.at gegenüber pressetext. "Die Schädlinge sind permanent den von den Pflanzen produzierten Giften ausgesetzt und werden dagegen immun." Mit der Zeit könne dies zur massiven Ausbreitung der resistenten Exemplare führen.

"Wieder erweist sich der von der Biotech-Industrie versprochene Nutzen der Gentechnik in der Landwirtschaft als leeres Versprechen", so Jens Karg, Gentechnik-Sprecher von Global2000 http://www.global2000.at gegenüber pressetext. "Anstatt einem verringerten Einsatz von Pestiziden, wird die Resistenzbildung der Schädlinge es notwendig machen, immer mehr und stärkere Giftstoffe einzusetzen." Eine weit verbreitete Resistenz unter Schädlingen sei eine ernsthafte Bedrohung für eine nachhaltige und umweltfreundliche Landwirtschaft, da diese die Möglichkeit verlieren würde, das natürliche Bt-Mittel wie bisher im Sprühverfahren zu nutzen. "In seiner natürlichen Form wird Bt schon seit den 50er Jahren von Landwirten, die biologische und andere naturnahe Anbaumethoden betreiben, als Spray verwendet", so Karg. Der Spray töte Schädlinge, ohne dabei andere Tiere zu gefährden.

"Die im Labor schon vor mehreren Jahren nachgewiesene Resistenzbildung von Schädlingen wurde häufig als unproblematisch abgetan, weil es keine nachgewiesenen Resistenzen im Freiland gab", so Müller. Mit dieser Arbeit werde jedoch gezeigt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Resistenzen auch im Freiland entstehen. "Die heute veröffentlichten Untersuchungen beziehen sich auf Feldproben von 2005 und 2006. Das heißt, dass die Resistenz heute schon viel weiter fortgeschritten ist. Die Strategie der Biotech-Unternehmen, nun mehrfach Gifte in Gentechpflanzen einzubauen, ist insofern problematisch, da diese Pflanzen auch für Futtermittel zum Einsatz kommen und somit in die Nahrungskette gelangen." Dies treffe auch für den Agrosprit zu. "Dies ist nur der Vorgeschmack auf das Szenario, sollten großflächig Gentechnik-Agrospritpflanzen angebaut werden", erklärt Müller abschließend im pressetext-Interview.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ag.arizona.edu

Weitere Berichte zu: Gift Insekt Resistenz Schädling

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Treibjagd in der Petrischale
24.11.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Dinner in the Dark – ein delikates Wechselspiel der Mikroorganismen
24.11.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie