Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bakterien reinigen Abluft von Formaldehyd

17.09.2000


Technikumanlage des Biorieselbettreaktors

zur biologischen Reinigung formaldehydbelasteter

Abluft


Formaldehyd - eine unserer wichtigsten Chemikalien - kommt bei vielen Prozessen vor allem in der Produktionsabluft vor und stellt dort eine Gefahr für Mensch und Umwelt dar. Fraunhofer-Wissenschaftler haben
jetzt erstmals eine hocheffiziente und kostengünstige Technik entwickelt, mit der sich formaldehydbelastete Abluft biologisch reinigen lässt.

Zur Veredelung von Textilfasern wird es ebenso eingesetzt wie zur Beschichtung von Spanplatten oder zur Herstellung von Kunststoffen: Die Rede ist von Formaldehyd - ohne Zweifel eine unserer wichtigsten Grundchemikalien. So nützlich Formaldehyd auf der einen Seite ist, so schädlich ist es jedoch auf der anderen. Aufgrund seiner Flüchtigkeit kommt es nämlich bei vielen Prozessen vor allem in der Produktionsabluft vor und stellt dort nicht nur eine ernsthafte Umweltbelastung, sondern auch eine Gefahr für den Menschen dar, der die als krebserregend geltende Chemikalie über die Atemwege aufnimmt. Forschern des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, Stuttgart, gelang es jetzt, erstmals eine hocheffiziente und kostengünstige Technik für die biologische Reinigung formaldehydbelasteter Abluft zu entwickeln.

Bei der biologischen Abluftreinigung werden in Abluftströmen enthaltene Schadstoffe durch die Stoffwechselaktivität gezielt eingesetzter Mikroorganismen reduziert oder - wie in dem am Fraunhofer IGB entwickelten Verfahren - vollständig entfernt. Das neue Verfahren zur Reinigung
formaldehydbelasteter Abluft basiert auf dem von Wissenschaftlern des IGB isolierten Bakterienstamm Pseudomonas putida J3, der sich durch ungewöhnlich hohe Toleranz gegenüber Formaldehyd und einen hocheffizienten Formaldehydabbau auszeichnet. Zur Abluftreinigung wird der Bakterienstamm in einem sogenannten Bio-Rieselbettreaktor immobilisiert. Als Aufwuchsträger für die Mikroorganismen dient ein inertes Textilmaterial. Das Trägermaterial wird kontinuierlich berieselt, um die Mikroorganismen mit den nötigen Nährstoffen zu versorgen. Von unten wird die zu reinigende Abluft durch den Filter geleitet. Zwischen der durchströmenden Luft und dem Flüssigkeitsfilm, der die Mikroorganismen umschließt, findet ein ständiger Stoffaustausch statt. Die in der Luft enthaltenen Stoffe diffundieren in die Flüssigkeitsschicht und in den Biofilm.

Bei Erprobung der neuen Technologie erzielten die Fraunhofer-Forscher ausgezeichnete Abbauleistungen: So konnte beispielsweise ein Abluftstrom mit einer Formaldehyd-Konzentration von über 1000 ppm auf 10 ppm reduziert werden. Ziel ist nun, das ebenso effiziente wie wirtschaftliche Verfahren so bald wie möglich in den großtechnischen Maßstab umzusetzen.

Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:

Dr. Petra Koziollek
Telefon +49(0)711/970-41 99
E-mail pko@igb.fhg.de

Dr. Dieter Bryniok
Telefon +49(0)711/970-42 11
E-mail bry@igb.fhg.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. Claudia Vorbeck |

Weitere Berichte zu: Abluft Abluftreinigung Bakterien Formaldehyd Mikroorganismus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers
28.04.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Forschungsteam entdeckt Mechanismus zur Aktivierung der Reproduktion bei Pflanzen
28.04.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie