Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Exotische Lebewesen überschwemmen Europa

08.02.2008
Erwärmung fördert Ausbreitung wärmeliebender Bioinvasoren

Todgiftige Fische, exotische Marienkäfer und riesengroße Quallen sind nur einige der invasiven Arten, die in der Umwelt, aber auch der Wirtschaft Schäden verursachen. Im slowenischen Portoroz ist nun die erste Datenbank DAISIE über gebietsfremde biologische Arten, so genannte Neobiota, in Europa vorgestellt worden. Insgesamt befinden sich in der Datenbank 10.677 Arten. Neben den derzeit bekannten Spezies, sind auch jene berücksichtigt, die in Zukunft eventuelle Invasoren sein könnten.

"Wir sind zunächst erstaunt gewesen über die große Anzahl von Neobiota", so Franz Essl von der Naturschutzabteilung des Umweltbundesamts gegenüber pressetext. Die Datenbank, die vom EU-Rahmenforschungsprogramm finanziert wurde, decke die Zahl der nicht heimischen Lebewesen sehr gut ab. "Besonders interessant sind natürlich die Auswirkungen der Bio-Invasoren", erklärt der Experte. "Hier wurde dem Naturschutzgedanken, aber auch denökonomischen Folgen vor allem für die Land- und Fortwirtschaft, Rechnung getragen."

"Nicht alle fremden Arten sind zugleich auch Invasoren", erklärt David Roy vom britischen Centre for Ecology and Hydrology und DAISIE-Experte. Um als "Invasor" zu gelten, müsse eine Art einen wirtschaftlichen Schaden anrichten oder die lokale Biodiversität bedrohen. Von den insgesamt rund 11.000 Arten treffe dies auf ungefähr zehn Prozent zu. Die meisten eingeschleppten Arten gelangen auf dem Land- der Seeweg nach Europa. Auch der globale Flugverkehr sorgt dafür, dass immer häufiger fremde Tiere hierher kommen. "Die Verkürzung der Transportwege fördert eine Ausbreitung natürlich", fügt Essl hinzu. Ein Teil der Arten wurde zufällig eingeschleppt, mehr als 6.000 Spezies hingegen wurden absichtlich nach Europa gebracht.

... mehr zu:
»Spezie

Einige Tiere wie etwa der Harlekin-Marienkäfer wurden zur Bekämpfung von Blattläusen importiert, andere wiederum wie etwa das Sika-Wild aus Ostasien für die Jagd. Wie groß die Schäden sind, die einzelne Tiere in ihrer Neuen Heimat anrichten, wird am Beispiel des Harlekin-Marienkäfers deutlich, dessen Weibchen während der Reproduktionsphase täglich 50 Eier legt. Seit seiner Ankunft hat sich der Käfer extrem vermehrt und zudem seine Liebe für süße Früchte - unter anderem auch für Weintrauben - erkannt. Ein anderer Eindringling in Europa ist der mit den Kugelfischen verwandte Hasenfisch (Lagocephalus sceleratus), der ursprünglich im Roten Meer beheimatet war. Diese bis zu 50 Zentimeter großen Fische sind durch den Suez-Kanal ins Mittelmeer gelangt und wurden vor der Küste Israels bereits häufig gesehen. In der Zwischenzeit ist der Fisch auch in der gesamten Ägäis anzutreffen. Wie alle Arten dieser Fischfamilie enthält auch der Lagocephalus für Menschen sehr gefährliche Toxine, die im Fall des Verzehrs zu schweren Vergiftungserscheinungen führen. 2004 sind acht Menschen in Ägypten an einer solchen Fischvergiftung gestorben.

Auch über den Suez-Kanal ins Mittelmeer gekommen sind die großen Quallen Rhopilema nomadica, die bis zu einem Meter groß werden. Ende der 1970er Jahre tauchte vor der israelischen Küste ein einzelnes Exemplar auf. Heute treiben ganze Schwärme, oft über hundert Kilometer lang, im östlichen Mittelmeer. "Obwohl sie nicht tödlich sind, sind die Quallen sehr giftig und können Schwimmern schwere Verletzungen zufügen, die höllische Schmerzen verursachen", so Bella Galil vom ozeanographischen Institut in Israel. 2001 mussten die Behörden Tonnen von Quallen aus den Kühlbecken des Kraftwerks in Hadera entfernen. Die Kosten für diese Aktion beliefen sich auf 50.000 Dollar. Unbekannt ist den Forschern, warum sich die Tiere derart stark vermehren.

"Die Erwärmung des Klimas spielt bei der Ausbreitung vor allem bei wärmeliebenden Spezies eine zunehmende Rolle", so Essl. Der Klimawandel werde in Zukunft eine solche Ausbreitung überproportional fördern. "Daher gilt es Möglichkeiten einer Eindämmung des zufälligen Imports zu finden.", erklärt der Experte. "Zwei solcher Instrumente sind die Ballstwasser-Konvention und die Holzverpackungsverordnung."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.europe-aliens.org
http://www.umweltbundesamt.at
http://www.ceh.ac.uk

Weitere Berichte zu: Spezie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Krebsdiagnostik: Pinkeln statt Piksen?
25.05.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Kugelmühlen statt Lösungsmittel: Nanographene mit Mechanochemie
25.05.2018 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics