Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auch Fische tragen Pflanzensamen weiter

07.02.2008
Zu intensiver Fischfang im tropischen Brasilien bedroht Flora

Bisher galten nur Vögel und Säugetiere als Überträger von Samen in Wäldern. Brasilianische Forscher haben nun auch tropische Süßwasserfische als Erhalter der üppigen Vegetation entlarvt.

Das Forscherteam um Mauro Galetti von der Sao Paulo State University hat entdeckt, dass im Pantanal, dem weltgrößten Binnenfeuchtgebiet, Fische eine wichtige Rolle für den Weitertransport von Baumsamen spielen. Nicht nachhaltige Fischereimethoden bedrohen damit auch den Fortbestand der Wälder, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature in seiner Online-Ausgabe.

Die üblichen Methoden der Samen-Ausbreitung durch Tiere erfolgt über Samenkapseln, die sich mit Haken oder Dornen an das Fell der Tiere haften und damit weitertransportiert werden oder als Nahrung über den Verdauungstrakt, der die Samen erst keimfähig macht. In den vergangenen Jahren haben Ökologen aber auch in mehr als 100 Fischarten Samen im Verdauungstrakt gefunden. "Während der Regenzeit wächst die Wasserfläche in der Region auf ein Vielfaches an", erklärt der Biologe Matthias Schleuning von der Universität Mainz, gegenüber pressetext. Das gesamte Gebiet verändert dann sein gesamtes Aussehen. Dort, wo zuerst Weideland war, erstrecken sich weitläufige Wasserflächen, die zur Trockenzeit fast völlig verschwinden", so der Forscher.

... mehr zu:
»Samen »Verdauungstrakt »Ökosystem

Der häufigste Fisch in der Region, der bis zu 40 Zentimeter lang Pacu (Piaractus mesopotamicus), wandert während der Regenzeit in die Überschwemmungsgebiete um dort nach seiner Lieblingsspeise - verschiedenen Früchten - zu suchen. Das Forscherteam konnte nun feststellen, dass die Samen im Verdauungstrakt der Fische tatsächlich keimfähig bleiben. Doch das war nicht alles: Im Fischmagen fanden die Forscher mehr als 141 Samen der Tucum-Palme - damit waren die Fische jene Lebewesen, die die größte Zahl an Samen in sich trugen. In vierjähriger Forschungsarbeit hat das Team um Galetti insgesamt mehr als 50 Wirbeltiere beobachtet, die Samen übertragen. Anschließend untersuchten die Forscher den Tierkot, um festzustellen, welche Samen keimfähig waren. "Das Ergebnis war überraschend, denn für einige Pflanzenarten war der Pacu der wichtigste Samen-Überträger." Das einzige Problem daran ist, dass die Bestände des einst so häufigen Fisches rapide nach unten gehen. Naturschutzgesetze erlauben nämlich Fischern ausgerechnet große Exemplare zu fangen, während die kleineren unter Schutz stehen.

"Das Pantanal ist weit weniger artenreich als etwa Amazonien", erklärt Schleuning. Für Naturbeobachter eigne sich die Region allerdings deshalb so gut, weil große offene Flächen eine gute Möglichkeit der Tierbeobachtung ermöglichen. "Zudem findet man Arten, die auch im Regenwald selbst beheimatet sind. Damit ist das Pantanal eine Mischung von zwei verschiedenen Ökosystemen." Gut zu beobachten sind beispielsweise die großen Kolonien von Löfflern und Störchen, erklärt der Biologe.

Das Pantanal ist eine Überschwemmungssenke am oberen Lauf des Rio Paraguay. Die Region umfasst eine Fläche von rund 230.000 Quadratkilometer. Die Zahl der Vogelarten wird auf etwa 650 Arten geschätzt. In der Region leben zudem die selten gewordene Riesenotter, Jaguar, Puma und Ozelot sowie Sumpfhirsche, Nabelschweine und die größten Nagetiere der Welt, die Capybaras. Ökologen warnen vor der Zerstörung dieses einzigartigen Ökosystems durch illegalen Holzschlag und durch Monokulturen von Zuckerrohr und Soja und damit verbunden dem erhöhten Eintrag von Kunstdünger und Pestiziden.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.oekologie.biologie.uni-mainz.de

Weitere Berichte zu: Samen Verdauungstrakt Ökosystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen
20.11.2017 | Technische Universität München

nachricht Satellitenbilder zur Erfassung von Biodiversität nur bedingt tauglich
20.11.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie