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Krebsbekämpfung durch aktivierte Fresszellen

29.01.2008
Antikörper sind Eiweißstoffe im Dienst des Immunsystems, die zur Abwehr von Krankheitserregern dienen. Im Labor künstlich hergestellte Antikörper, die bösartige Zellen binden, sind bereits etablierter Bestandteil in der Behandlung von Tumorerkrankungen.

Ein wichtiger Wirkmechanismus besteht darin, spezialisierte Zellen des Immunsystems (sog. Natürliche Killerzellen und Makrophagen) zur Abwehr von Tumorzellen heran zu ziehen. Die über den Antikörper an die Tumorzelle gebundenen Immunzellen sind dann in der Lage, diese abzutöten.

Inwieweit durch neuartige Antikörpervarianten zusätzliche im Körper vorhandene Killerzellen (Granulozyten) gezielt zur Tumorzell-Abtötung herangezogen werden können, untersucht jetzt die Arbeitsgruppe um Roland Repp und Matthias Peipp am Dr. Mildred-Scheel-Haus in Kiel. Ziel ist es, antikörper-basierte Therapieansätze weiter zu entwickeln. Unterstützt wird diese Arbeit von der Wilhelm Sander-Stiftung.

Zielgerichtete Therapien, die vornehmlich Tumorzellen attackieren und gesundes Gewebe verschonen stellen neuartige potente Ansätze im Kampf gegen Tumorerkrankungen dar. Antikörper sind durch ihre hohe Bindegenauigkeit definierter Zielstrukturen für einen solchen Einsatz ideal geeignet. Eine ganze Reihe an therapeutisch wirksamen Antikörpern hat daher Eingang in den klinischen Alltag gefunden. Derartige Therapien sind in der Regel gut verträglich, jedoch ist in der Zukunft eine Verbesserung der Effektivität wünschenswert.

In den letzten Jahren wurde in Tierexperimenten sowie durch Daten klinischer Studien im Menschen Einblick in die Wirkungsweise therapeutischer Antikörper gewonnen. Das heranholen (rekrutieren) von spezialisierten Zellen des Immunsystems über bestimmte Oberflächenmoleküle (sog. Fc-Rezeptoren) spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die momentan in der Klinik zugelassenen Antikörper zielen bedingt durch ihr Konstruktionsprinzip und den damit verbundenen biologischen Eigenschaften vor allem auf die Rekrutierung von Natürlichen Killerzellen und Makrophagen ab. Um die Effektivität therapeutischer Antikörper zu erhöhen könnten deshalb Strategien erfolgreich sein, die weitere geeignete Zelltypen an den Tumor rekrutieren. Dabei kommen neben T-Zellen vor allem spezialisierte Fresszellen des Immunsystems (Granulozyten) in Frage. Dieser Zelltyp kommt in sehr großer Anzahl im Körper vor und ist in der Lage hocheffizient antikörperabhängig Tumorzellen zu binden und abzutöten.

Granulozyten werden jedoch durch den überwiegenden Anteil der momentan klinisch eingesetzten Antikörper nicht oder nur ungenügend aktiviert. In dem durch die Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt werden deshalb neuartige antikörperabgeleitete Moleküle generiert, die besonders zur Rekrutierung von Granulozyten geeignet sind. In Laborversuchen zeigen derartige Moleküle hochpotente Antitumoraktivität. Im Rahmen des Projekts werden diese Moleküle auf ihre Aktivität gegen frisch isolierte Tumorzellen aus Patienten und in verschiedenen Tier-Modellen untersucht. Langfristig können aus den gewonnenen Erkenntnissen möglicherweise neuartige Therapieansätze abgeleitet werden.

Kontakt: PD Dr. med. Roland Repp & Dr. rer. nat. Matthias Peipp
Sektion für Stammzell- und Immuntherapie
Dr. Mildred-Scheel-Haus
II. Medizinische Klinik
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Schittenhelmstr. 12
24105 Kiel
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 200.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

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