Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tauziehen an Biomolekülen

24.01.2008
Ausscheidungswettkämpfe in Kassel

Die vielen tausend verschiedenen Proteine einer Zelle können nur dann funktionieren, wenn sie am richtigen Ort vorliegen. Aus der Arbeit vieler Forscher, darunter des deutschstämmigen Nobelpreisträgers Günther Blobel, wurde klar, dass jedes Protein eine Codierung in der Art einer Postleitzahl trägt, die für seine korrekte Sortierung innerhalb der Zelle notwendig ist. Diesem Bild entsprechend gibt es auch molekulare Briefträger, die das Protein dann durch den "Briefschlitz" der richtigen Organelle einwerfen.

Christian Schmauch und Prof. Dr. Markus Maniak, Fachbereich Zellbiologie der Universität Kassel, stellten sich die Frage, welcher Briefträger nun der Stärkste sei. Dazu verbanden sie jeweils zweierlei Proteine, die verschiedene Sortiersignale (Postleitzahlen) trugen, miteinander und beobachteten das molekulare Tauziehen der Briefträger innerhalb der Zellen im Mikroskop. Im Experiment mussten Gewinner und Verlierer jeweils solange gegen andere Briefträgermannschaften antreten, bis die Rangfolge feststand.

Am Ende war eindeutig, dass der Zellkern über die stärksten Briefträger verfügt. Auf Platz zwei, mit geringem Abstand, liegen die Endosomen, gefolgt von den Peroxisomen. Das Schlusslicht stellen die Aktinfasern des Zellskeletts dar. Allerdings ist bei diesen auch noch nicht jede Hoffnung
... mehr zu:
»Protein »Zelle

verloren: Einer ihrer Spieler, das Protein Coronin, musste sich in der Einzelwertung lediglich den Briefträgern aus dem Zellkern geschlagen geben, während die Anderen für die insgesamt enttäuschende Gesamtleistung verantwortlich waren.

Für Prof. Maniak und seinen wissenschaftlichen Mitarbeiter Christian Schmauch sind diese Ergebnisse (Original in Eur. J. Cell Biol, Vol 87, pp57-68, 2008) beruhigend, da sie den Erwartungen entsprechen, die sie und andere Wissenschaftler hegten, die die Briefträger einzeln, außerhalb der Zelle, quasi im Kraftraum an der Hantelbank, beobachtet hatten. Eine weitere interessante, für die Wissenschaft aber neue Schlussfolgerung war, dass Schmauch und Maniak mit ihrem Ansatz auch die Leistungen einer bisher unsichtbaren Mannschaft der Endosomen vermessen konnten, die durch das angebotene Tau aus ihrem Versteck herausgelockt wurden.

Daraus ergibt sich nun für die Zukunft die Möglichkeit Sortiersignale quantitativ zu analysieren, auch wenn der eigentliche Sortiermechanismus noch unbekannt ist.

Infos
Prof. Dr. Markus Maniak
Universität Kassel
Fachbereich Naturwissenschaften
Fachgebiet Zellbiologie
tel (0561) 804 4798
fax (0561) 804 4592
e-mail maniak@uni-kassel.de

Prof. Dr. Markus Maniak | Universität Kassel
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/bilder/Tauz2.jpg
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/

Weitere Berichte zu: Protein Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien
19.09.2017 | Technische Universität Berlin

nachricht Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden
19.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie