Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Schritt bei der Tumorentstehung durch Adenoviren entdeckt

22.01.2008
Wissenschaftler des Heinrich-Pette-Instituts (HPI; http://www.hpi-hamburg.de ) entdeckten neue Mechanismen, die bei der Krebsentstehung durch Adenoviren beteiligt sind.

Sie zeigen erstmals, dass Proteinkomplexe, die normalerweise Brüche im Erbgut reparieren, während der Tumorbildung durch Adenoviren manipuliert werden. Diese Reparaturkomplexe werden durch das E1B-55K-Protein des Adenovirus Typ 5 (Ad5) verändert und dadurch inaktiviert. Fatale Folge: Wichtige Reparaturarbeiten am Erbgut der Zelle sowie Prozesse der natürlichen Zellalterung funktionieren nicht mehr und die Zelle entartet zur Krebszelle.

Die HPI-Wissenschaftler Barbara Härtl und Thomas Dobner, Leiter der Abteilung für Molekulare Virologie, veröffentlichten ihre Studie nun im Fachjournal Oncogene (online published ahead 21.01.2008; http://www.nature.com/doifinder/10.1038/sj.onc.1211039).

Infektionen mit Ad5-Viren in Nagetierzellen dienen seit vielen Jahren als wichtiges Modell zur Tumorentstehung. Die Grundlagenforschung an Adenoviren hilft, das Wachstumsverhalten normaler und entarteter Zellen zu verstehen. Forscher am HPI entwickelten nun eine neue Mutante des adenoviralen E1B-55K-Gens, die auf bisher unbekannte Mechanismen bei der Zellentartung durch Adenoviren schließen ließ.

... mehr zu:
»Adenovire »Mutant »Tumorentstehung »Zelle

Barbara Härtl: "Bisher wussten wir, dass E1B-55K von Ad5-Viren an zelluläres p53-Protein bindet und lahm legt." P53 kontrolliert normalerweise die Zellteilung und dient als zentraler Unterdrücker der Tumorentstehung; im Fachjargon als Tumorsuppressor bezeichnet. Die Inaktivierung von p53 wiederum galt als wichtigste Ursache für die Tumorentstehung durch Adenoviren. Barbara Härtl: "Durch unsere Mutante stellten wir jedoch fest, dass es noch einen zweiten unabhängigen Schritt bei der Krebsentstehung durch Adenoviren geben muss."

Die HPI-Wissenschaftler entdeckten, dass Ad5-Viren einen Proteinkomplex verändern, der bei der natürlichen Wachstumskontrolle von Zellen beteiligt ist. Dieser Komplex wird nach seinen Proteinbestandteilen Mre11/Rad50/NBS1 benannt. Er repariert Schäden in der DNA-Struktur des Erbguts und steuert wichtige Mechanismen von Körperzellen. Mre11, ein Teil dieses Reparaturkomplexes, ist zentrales Ziel der Ad5-Viren. Das Reparaturprotein wird durch das virale E1B-55K-Protein gebunden, in große Proteinaggregate am äußeren Rand des Zellkerns gepackt und dadurch inaktiviert. Das trägt zur unkontrollierten Vermehrung und Entartung der betroffenen Zellen bei. Die neu entwickelte Mutante hat diese Eigenschaften verloren: sie bindet zwar noch an den Tumorsuppressor p53, jedoch nicht mehr an Mre11 und hat ihr krebserregendes Potential verloren. Das Fazit der HPI-Wissenschaftler: Mre11 spielt bei der Krebsentstehung durch Adenoviren auch unabhängig von p53 eine zentrale Rolle.

Das Heinrich-Pette-Institut für Experimentelle Virologie und Immunologie an der Universität Hamburg (HPI) widmet sich der Erforschung der Biologie humaner Virusarten, der Pathogenese von Viruserkrankungen, der Abwehrreaktion des Organismus und damit zusammenhängender Probleme. Ziel ist es, neue Ansatzpunkte für verbesserte Therapien und Diagnoseverfahren bei Viruserkrankungen und virus-assoziierten Tumorerkrankungen zu erkennen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des HPI erforschen ein breites Spektrum an Viren, wie beispielsweise Hepatitis Viren (HPV, HCV), Herpesviren (HSV1, HSV2, EBV, KSHV), Leukämieviren (HTLV-1, MLV), Immundefizienzviren (HIV) und DNA Tumorviren (Adenoviren, SV 40). Dabei gewinnt die praktische Anwendung der Ergebnisse in Diagnostik und Therapie zunehmend an Bedeutung.

Das HPI ist als rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts eine gemeinnützige und selbstständige Forschungseinrichtung, die der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) angehört.

Dr. Angela Homfeld | idw
Weitere Informationen:
http://www.hpi-hamburg.de
http://www.nature.com/doifinder/10.1038/sj.onc.1211039

Weitere Berichte zu: Adenovire Mutant Tumorentstehung Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Glykane als Biomarker für Krebs?
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Selbstfaltendes Origami
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der Krümmung einen Schritt voraus

27.06.2017 | Informationstechnologie

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Überschwemmungen genau in den Blick nehmen

27.06.2017 | Informationstechnologie