Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uni Bonn gründet NRW-weit erstes universitäres Pharmazentrum

07.01.2008
Als erste Hochschule in Nordrhein-Westfalen hat die Universität Bonn ein interdisziplinäres Pharmazentrum gegründet. Ziel der Forscher ist es, die Entwicklung neuer Medikamente vom Labor bis zur Klinik voranzutreiben. Mehr als 20 Arbeitsgruppen aus Medizin und Pharmazie haben sich dieser Aufgabe verschrieben.

Der Weg von der Laborbank bis zur Apotheke ist lang: Zehn Jahre dauert es im Durchschnitt von der Entdeckung eines neuen Wirkstoffs bis zur Markteinführung. Wenn alles gut läuft. Denn allzu viele Erfolg versprechende Entdeckungen verstauben schließlich ungenutzt in irgendeiner Schublade. "Die Entwicklung neuer Arzneistoffe ist nichts für Einzelkämpfer", betont die Bonner Pharmazeutin Professor Dr. Christa Müller. "Ohne Kooperationen geht es nicht."

Wenn beispielsweise Genetiker auf eine Erbanlage stoßen, die bei der Entstehung einer Krankheit eine Rolle spielt, ist das zwar schön. Wenn es aber niemanden gibt, der diese Erkenntnis tatsächlich in einen Wirkstoff umsetzt, ist damit keinem Patienten geholfen. Eine halbe Milliarde Euro und mehr kann die Entwicklung eines Medikaments verschlingen. Nur ein entsprechend finanzkräftiges Unternehmen kann sich diese Investition leisten - vielleicht ein Grund, warum heute nur noch wenige Pharmaka das Siegel "made in Germany" tragen: Laut einer Studie der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2005 wurden nur sechs der weltweit 140 zugelassenen Wirkstoffe in deutschen Labors entwickelt - seinen Ruf als "Apotheke der Welt" hat Deutschland längst eingebüßt.

Ein weiterer Grund für diese magere Bilanz ist sicher auch die schlechte Vernetzung von Industrie und Grundlagenforschung hierzulande. Das neu gegründete Pharmazentrum der Universität Bonn will hier gegensteuern. Mehr als 20 Arbeitsgruppen aus Medizin und Naturwissenschaften werden künftig Hand in Hand an der Entwicklung neuer Medikamente arbeiten. "Uns geht es aber nicht nur um eine bessere hochschulinterne Vernetzung", erklärt Müllers Kollege Professor Dr. Alexander Pfeifer. "Wir möchten auch dafür sorgen, dass neue Wirkstoffe den Sprung in die klinische Anwendung schaffen. Heute finden die Universitäten oft schlicht keinen Partner aus der Industrie, der ein Patent zur Marktreife treiben kann und will."

... mehr zu:
»Medikament »Pharmazie »Wirkstoff

Dabei sei die Ausgangslage dazu glänzend: "Zwischen Aachen, Düsseldorf und Bonn gibt zahlreiche Biotech-Unternehmen, die von der universitären Grundlagenforschung profitieren könnten", meint Pfeifer. Diese Kontakte wollen die Bonner Forscher ausbauen, aber auch verstärkt mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel- und Medizinprodukte (BfArM) kooperieren. Das BfArM ist unter anderem für Zulassung und Qualitätskontrolle neuer Medikamente zuständig.

Noch ist das Bonner Zentrum NRW-weit einzigartig. Das Beispiel könnte aber Schule machen. "Dank der Entschlüsselung des menschlichen Genoms rücken heute fast täglich neue Zielmoleküle in das Blickfeld der Pharmaforschung", betont Christa Müller. "Zusätzlich wächst die Erkenntnis, dass man viele Therapien individueller auf den jeweiligen Patienten zuschneiden muss. Für die pharmazeutische Forschung sind das ganz neue Herausforderungen, die sich nur durch Bündelung von Ressourcen und Know-how stemmen lassen."

Informationen zum neuen Pharmazentrum im Internet:
http://www.pharmazentrum.uni-bonn.de
Kontakt:
Professor Dr. Christa Müller
Pharmazeutisches Institut der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-2301
E-Mail: christa.mueller@uni-bonn.de
Professor Dr. Alexander Pfeifer
Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Universität Bonn
Telefon: 0228/73-5411
E-Mail: alexander.pfeifer@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.pharmazentrum.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Medikament Pharmazie Wirkstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen
27.06.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Glykane als Biomarker für Krebs?
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie