Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Holzpilzen Produktionsprozesse umweltfreundlicher machen

03.01.2008
Mikrobiologen und Biochemiker der Universitäten Mecklenburg-Vorpommerns entwickeln schonende Technologien

Mit Hilfe von Enzymen (Eiweißmoleküle, Laccasen) aus Holz besiedelnden Pilzen und seltenen Bakterien soll in einem innovativen Verfahren an der Universität Greifswald die generelle Umweltbelastung bei der Synthese von Feinchemikalien deutlich herabgesetzt werden.

Dieser chemische Vorgang ist oft mit dem Einsatz von umweltgefährdenden Schwermetallen, Lösungsmitteln, chlororganischen Verbindungen und entsprechenden gefährlichen Abfall- und Nebenprodukten verbunden. Ziel ist es, bereits im Vorfeld und auf Produktionsebene aktiv zu werden, um die Entstehung und Freisetzung von Schadstoffen zu reduzieren.

Der so genannte "produktionsintegrierte Umweltschutz" ist Bestandteil eines gemeinsamen auf zwei Jahre angelegten Kooperationsvorhabens der Universitäten Greifswald und Rostock sowie der BRAIN AG (Zwingenberg) und der internationalen Firmengruppe Sigma-Aldrich (Buchs/Fluka, Zürich). Finanziell gefördert wird das bis zum Jahr 2009 laufende Projekt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die Gesamtkosten des Vorhabens belaufen sich auf über eine Millionen Euro.

Enzymatische Prozesse gewinnen in der modernen Feinchemie ständig an Bedeutung, da diese Reaktionen unter relativ milden Bedingungen bezüglich der Verwendung von organischen Lösungsmitteln und Prozessparametern wie Temperatur, Druck und pH-Wert durchgeführt werden. Obwohl Laccasen ein großes industrielles Potenzial bieten, gibt es jedoch bislang nur wenige großtechnische Anwendungen. Im interdisziplinären Projektverbund wird der Einsatz von Laccasen nun für praktische Anwendungen in der Feinchemie - beispielsweise für die Herstellung von Arzneimitteln - untersucht.

Die aus den Holz besiedelnden Pilzen gewonnenen Enzyme, die für die Herstellung von Feinchemikalien eingesetzt werden, besitzen mehrere herausragende Eigenschaften im Vergleich zu anderen Enzymen. Mit ihnen können weitgehend unabhängig von der chemischen Struktur tausende organische Verbindungen einer Stoffumwandlung unterzogen werden. Zudem weisen sie eine hohe Stabilität gegen Umwelteinflüsse auf und sind über Monate bei Zimmertemperatur stabil und sehr gut technisch nutzbar. Derartige vorteilhafte Eigenschaften besitzen nur sehr wenige Enzyme, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass sie von den Pilzen oft zur Nährstoffzersetzung nach außen abgegeben werden (extrazellulär) und daher generell nicht des Schutzes der Zelle bedürfen.

Am Institut für Mikrobiologie der Universität Greifswald existiert eine der größten Stammsammlungen von Pilzen in Deutschland. Insgesamt werden mehr als 4.500 verschiedene Stämme unter dem Aspekt einer potenziellen technischen Nutzung (Schadstoffabbau, Enzymgewinnung, Isolierung von medizinisch anwendbaren Wirkstoffen) kultiviert. Daneben werden auch etwa 1.500 technisch nutzbare Bakterienstämme gehalten.

Universität Greifswald
Institut für Mikrobiologie
Prof. Dr. Frieder Schauer
Friedrich-Jahn-Straße 15, 17487 Greifswald
T +49 3834 86-42 01 (Sekretariat)
T +49 3834 86-42 04
F +49 3834 86-42 02
E schauer@uni-greifswald.de

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://microbio1.biologie.uni-greifswald.de:8080/institute/26
http://www.umweltwissenschaften.uni-greifswald.de
http://www.uni-greifswald.de

Weitere Berichte zu: Enzym Feinchemikalie Holzpilze Laccasen Lösungsmittel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Evolutionsvorteil der Strandschnecke
28.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Mobile Goldfinger
28.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit