Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spektroskopische Spitzentechnologie für die Pharmaindustrie

20.12.2007
Infrarot-Spektroskopie im mittleren Infrarot-Bereich ist ein sensitives und spezifisches spektroskopisches Verfahren zur Messung wässriger oder organischer Proben.

Die micro-biolytics GmbH hat diese Methode weiterentwickelt und sie erstmals für die Industrie einsetzbar gemacht. Seit September 2007 im Esslinger Life Science Center ansässig, bietet das Unternehmen auf Basis seiner patentierten AquaSpec-Technologie vollautomatisierte Analyzer und Auswertungssysteme für den Einsatz in der pharmazeutischen Wirkstoffentwicklung, in der Prozesskontrolle und der medizinischen Diagnostik an.

Mit Hilfe von Netzwerken, allen voran der BioRegio STERN Management GmbH, will micro-biolytics am neuen Standort seine Aktivitäten erheblich ausweiten und dabei neue Arbeitsplätze schaffen. Auch die Rekrutierung studentischer Mitarbeiter der Hochschule Esslingen ist geplant.

Das pharmazeutische Wirkstoff-Screening ist bei der Suche nach besseren Wirkstoffen für Medikamente von großer Bedeutung. Hierfür werden viele Verbindungen auf ihre biologischen Wirkungen getestet. Vor allem therapeutischen Proteinen wird in Zukunft als Medikament eine immer größere Bedeutung zukommen, mit neuen Anforderungen an die analytischen Charakterisierungsmethoden. Eine wichtige Methode ist die Fourier-Transformations-Infrarot-Spektroskopie im mittleren Infrarot-Bereich, kurz MID-FTIR-Spektroskopie, auf die sich die micro-biolytics GmbH spezialisiert hat.

Ihre Gründer Andreas Wolf, Ralf Masuch und Dr. Robert Seidel haben auf Basis der Mikrosystemtechnik eine hoch präzise biokompatible spektroskopische Zelle entwickelt, mit der erstmals das automatisierte und reproduzierbare Messen flüssiger Bioproben wie Blutserum oder proteinhaltiger Flüssigkeiten im nativen Zustand möglich wird. "Wir können bis zu 60 Proben pro Stunde ohne großen Präparationsaufwand bei vergleichbaren Ergebnissen analysieren", erklärt Andreas Wolf. "Damit ist die AquaSpec-Technologie in industriellem Maßstab einsetzbar."

Die zuvor in Freiburg im Breisgau ansässige micro-biolytics GmbH hat sich auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten für das Life Science Center in Esslingen entschieden - nicht zuletzt auch aufgrund des engagierten Einsatzes des dortigen Geschäftsführers Gottwald Schäfter. Der neue Standort habe für micro-biolytics genau das passende Umfeld geboten, so dass es sinnvoll gewesen sei, den Sitz des Unternehmens in die BioRegion STERN zu verlegen, sagt Dr. Robert Seidel. Im Life Science Center Esslingen fand man perfekte Bedingungen hinsichtlich Laborausstattung, wissenschaftlichem Umfeld und Finanzierungsmöglichkeiten vor. Kontakte in die Region, wie beispielsweise zum Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, zum Institut für Biochemie der Universität Stuttgart oder zum Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus bestanden schon vor dem Umzug. Finanzielle Unterstützung erhalten die "Umsiedler" über eine stille Beteiligung des Life Science Fonds Esslingen in Höhe von 250.000 Euro.

Seit der Gründung im Jahr 2001 hat die micro-biolytics GmbH die patentierte AquaSpec-Technologie, die sie inzwischen über den Vertriebspartner Bruker Optics GmbH weltweit vertreibt, weiterentwickelt sowie den Geschäftsschwerpunkt auf Dienstleistungen für die Pharmaindustrie verlagert. Das Spektrum reicht gegenwärtig von der Entwicklung individueller Applikationen über Service-Messungen in Kombination mit statistisch-mathematischen Datenauswertungen bis hin zur Integration der AquaSpec-Technik in den pharmaindustriellen Produktionsprozess. Die Untersuchung von Medikamenten steht dabei im Mittelpunkt. "Wir liefern der Pharmaindustrie wichtige Daten über die Eigenschaften von Medikamentenzusammensetzungen wie zum Beispiel ihre Stabilität, also Informationen, die die Medikamentenentwicklung beschleunigen und letztlich auch dazu beitragen Medikamente sicherer zu machen", sagt Ralf Masuch.

Am neuen Standort geht es jetzt vor allem darum, das bisherige Dienstleistungsportfolio sowie ein weiteres Geschäftsfeld, die medizinische Diagnostik, zu etablieren. Verschiedene kleinere Studien zu Alzheimer oder zur Traberkrankheit - einer tödlich verlaufenden Erkrankung des Gehirns beim Schaf - sowie die Beteiligung an einem BMBF-Projekt im Pharmabereich sind laut Andreas Wolf bereits angelaufen. Mit Hilfe von Netzwerken, allen voran der BioRegio STERN Management GmbH, will micro-biolytics die Unternehmensexpansion forcieren. "Wir haben die BioRegio STERN als ebenso aktive wie innovative Anlauf- und Beratungsstelle kennen gelernt, sodass wir uns mit unseren Ideen hier gut aufgehoben fühlen", sagt Dr. Robert Seidel.

Infokasten "Infrarot-Spektroskopie"
Infrarotspektroskopie, kurz IR-Spektroskopie, ist ein physikalisches Analyseverfahren, das mit infrarotem Licht im Wellenlängenbereich von 800 bis 500.000 nm arbeitet. Es wird zur quantitativen Bestimmung von bekannten Substanzen, deren Identifikation anhand eines Referenzspektrums oder zur Strukturaufklärung unbekannter Substanzen genutzt. Aus spektroskopischer Sicht wird zwischen dem nahen, dem mittleren und dem fernen Infrarot unterschieden, da unterschiedliche Phänomene die Absorption im jeweiligen Bereich verursachen. Die IR-Spektroskopie im mittleren Infrarot (MIR: 2500-50.000 nm), kurz MID-Infrarot-Spektroskopie, ist eine der leistungsfähigsten analytischen Techniken in der chemischen Analytik organischer Substanzen. Das Messprinzip beruht auf der Bestrahlung eines Stoffes mit elektromagnetischen Wellen, wobei bestimmte Frequenzbereiche absorbiert werden. Da Infrarotstrahlung energetisch im Bereich der Schwingungsniveaus von Molekülbindungen liegt, führt die Absorption zu einer Schwingungsanregung der Bindungen. Diese wird in Form von Ausschlägen im gemessenen Spektrum (Diagramm) sichtbar. Da die dazu notwendigen Energien bzw. Frequenzen charakteristisch für die jeweiligen Bindungen sind, können so auch Materialien identifiziert werden. Die IR-Spektroskopie ist somit strukturklärend.

Die FTIR-Differenzspektroskopie (Fourier-Transformations-Infrarot- Spektroskopie) ist eine besondere Variante der IR-Spektroskopie. Sie bietet sich vor allem an, wenn man strukturelle reaktionsinduzierte Veränderungen in einem biologischen Makromolekül untersuchen möchte. Mit ihr lassen sich biologische Systeme nicht-invasiv untersuchen, die Probe wird dabei also weder verändert noch zerstört. Insbesondere kann so in wässrigen Lösungen und somit unter den nativen Bedingungen des Biomoleküls gearbeitet werden. Da alle molekularen Bestandteile des Proteins Absorptionsbanden im infraroten Spektralbereich besitzen, besteht ein weiterer Vorteil darin, nahezu alle Bereiche eines Proteins beobachten zu können. Dadurch erhält man detaillierte Informationen über die Struktur des Proteins.

Über BioRegio STERN:
In der baden-württembergischen Region Stuttgart, Tübingen, Esslingen, Reutlingen und Neckar-Alb ist die BioRegio STERN Management GmbH gemeinsames Kompetenznetzwerk, Anlauf- und Beratungsstelle für Existenzgründer, Unternehmer und Forscher im Bereich Biotechnologie. BioRegio STERN fördert die Zusammenarbeit unterschiedlichster Disziplinen wie Medizin, Bioverfahrenstechnik, Sensorik, Ernährungswissenschaft, biochemische Analytik und Bioinformatik. Bedeutende Schwerpunkte bilden die Regenerationsbiologie und die Medizintechnik.
BioRegio STERN vertritt die Interessen der Existenzgründer, Unternehmer und Forscher gegenüber Politik, Medien und Verbänden, bündelt Wirtschaftsförderung und Marketing, berät bei Förderanträgen und Unternehmensfinanzierungen und stützt diese Arbeit durch eine engagierte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

BioRegio STERN wird unterstützt von den Regionen Stuttgart und Neckar-Alb sowie den Städten Stuttgart, Tübingen, Esslingen und Reutlingen. Geschäftsführer ist der Molekular- und Zellbiologe und Investmentanalyst Dr. Klaus Eichenberg.

Über das Life Science Center Esslingen:
Das Life Science Center Esslingen am Neckar, LSC, ist auf die Zukunftsmärkte Gesundheit, Ernährung, Landwirtschaft, Umwelt und Nachhaltigkeit ausgerichtet. Ein Schwerpunkt, der künftig durch weitere Zukunftstechnolgien ergänzt werden soll, ist die Biotechnologie. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Esslingen betreut die LSC-Firmen in allen unternehmerischen Fragen, organisiert deren Beratung und Finanzierung - einschließlich der Bereitstellung von Wagniskapital über eine eigene Gesellschaft. Hierfür hat die Stadt Esslingen gemeinsam mit der Wirtschaft, der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, der Volksbank Esslingen sowie privaten Investoren einen eigenen Venture Capital Fonds gegründet, der unter dem Namen Life Science Fonds Esslingen GmbH & Co. KG firmiert.
Über micro-biolytics GmbH:
Die micro-biolytics GmbH hat sich auf innovative Dienstleistungen für bioanalytische und diagnostische Fragestellen spezialisiert. Das Kern-Know-how des Unternehmens liegt auf dem Gebiet der Infrarot-Spektroskopie. Das erste Produkt von micro-biolytics war eine biokompatible und druckresistente Durchflusszelle, die das automatisierte und reproduzierbare Messen nativer Proben mittels Infrarotspektroskopie ermöglichte. Die so genannte AquaSpec-Technologie bildet die Grundlage für ein neues innovatives Analyseverfahren mit Einsatzmöglichkeiten in der klinischen wie veterinärmedizinischen Diagnostik, der Prozesskontrolle und im pharmazeutischen Wirkstoff-Screening. Die micro-biolytics GmbH wurde 2001 in Freiburg i. Br. gegründet. Das Unternehmen hat seither die neue AquaSpec-Technologie sowie darauf basierende Analyzer und unterschiedliche Applikationen weiterentwickelt. Seit September 2007 hat die micro-biolytics GmbH ihren Sitz im Esslinger Life Science Center. Gegenwärtig liegt der Schwerpunkt auf Dienstleistungen für die Pharmaindustrie - mittelfristig will sich das Unternehmen im Bereich der medizinischen Diagnostik etablieren. Gründer sind Dipl.-Chem. Andreas Wolf, Dr.-Ing. Robert Seidel und Dipl.-Chem. Ralf Masuch.
Herausgeber:
BioRegio STERN Management GmbH, Friedrichstraße 10, 70174 Stuttgart, 0711-8703540, info@bioregio-stern.de
Redaktion: Zeeb Kommunikation, Hohenheimer Straße 58a, 70184 Stuttgart, 0711-6070719, info@zeeb.info

micro-biolytics GmbH: Dipl.-Chem. Andreas Wolf, Geschäftsführer, Schelztorstraße 54, 73728 Esslingen am Neckar, 0711-901211-230, wolf@micro-biolytics.com

Dr. Klaus Eichenberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.bioregio-stern.de
http://www.micro-biolytics.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Verbesserte Kohlendioxid-Fixierung dank Mikrokompartiment
25.09.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Regenbogenfarben enthüllen Werdegang von Zellen
25.09.2017 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops