Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grazer ForscherInnen-Team entwickelt "umweltfreundliches" Vanille-Aroma

19.12.2007
Bislang gab es zwei Möglichkeiten, Weihnachtskipferl nach Vanille schmecken zu lassen: Entweder man nahm teure Vanilleschoten oder man behalf sich mit künstlichem Vanille-Aroma, für dessen Herstellung Erdöl verwendet wird.

Ein ForscherInnen-Team der Karl-Franzens-Universität Graz ist jetzt auf eine dritte Möglichkeit gestoßen: Die ChemikerInnen fanden heraus, wie sich Vanillin umweltfreundlich, biologisch und vor allem einfach herstellen lässt - und zudem auch noch vollkommen gleich wie ursprüngliche Vanille schmeckt.

"Wir sind durch Zufall auf unsere Erfindung gestoßen", sagt Ao.Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Kroutil vom Institut für Chemie der Uni Graz bescheiden. Gemeinsam mit drei jungen ForscherInnen - zwei Dissertanten aus Spanien und Italien sowie einer Post-Doc-Stipendiatin aus Österreich - gelang es ihm, die Produktion von Vanillin komplett "umzumodeln": "Wir fanden eine Alternative für ein gängiges chemischen Verfahren, das nur unter extrem gefährlichen Bedingungen - Ozon, explosiver Wasserstoff, organische Lösungsmittel und eine Temperatur von minus 78 Grad Celsius - in Spezialapparaturen abgelaufen ist", sagt Kroutil.

Die neu entdeckte Methode macht dies einfach: "Wir brauchen lediglich ein wässriges Milieu, einen Biokatalysator, Luftsauerstoff und Raumtemperatur. Und der Vorgang kann in jedem Gefäß und in jeder Umgebung vollzogen werden", sagt der 35-Jährige. Dieses Verfahren wurde jetzt auch für die Herstellung von Vanillin angewendet - theoretisch ließe sich daher der Aromastoff somit auch in der eigenen Küche herstellen.

... mehr zu:
»Erfindung »Vanille-Aroma »Vanillin

Das Interessante dabei: Das dabei entstehende Vanillin ist ein natürlicher Aromastoff, dessen Molekül völlig gleich aussieht wie jenes in der Vanilleschote. Hergestellt wird es aus einer so genannten natürlichen Aroma-Vorstufe, der Ferulasäure, die man beispielsweise in Weizenkleie oder Maispflanzen findet. "Die Säure wird dann nach einer Vorbehandlung mit einem Biokatalysator versetzt, der in ganz gewöhnlichem Meerrettich, dem Kren, zu finden ist. Das Ergebnis daraus ist 'natürliches' Vanillin."

Vorteilhaft an der neuen Methode ist vor allem die Umweltverträglichkeit: "Weniger Energie für Kühlung, kaum Lösungsmittel, kein Ozon", zählt Kroutil auf. "Damit gehen wir weg von der so genannten ,Schlotchemie' und beschreiten umweltfreundliche Wege zu einer grünen Chemie." Auch auf den Preis wirkt sich dies aus: "Das Vanillekipferl wird davon vermutlich nicht billiger - aber im Großhandel sollte die günstigere Methode schon spürbar sein." Die aws (die Förderbank der Republik Österreich) unterstützt die Universität als Eigentümerin bei der Suche nach wirtschaftlichen Verwertungsmöglichkeiten der "grünen Ozonisierung" und begleitet die ErfinderInnen und die Universität in Lizenzverhandlungen. Interesse seitens der Industrie ist auf jeden Fall vorhanden: "Wir haben ein Patent für unsere Erfindung hinterlegt - und sämtliche großen Aromaproduzenten haben bereits Interesse daran bekundet", freuen sich die ForscherInnen.

Rückfragen:

UNI GRAZ:
Ao.Univ.-Prof. DI. Dr. Wolfgang Kroutil
Tel.: 0043 (0)316/380-5350
Mail: wolfgang.kroutil@uni-graz.at
AWS:
Dr. Daniel E.Herzog
Tel.: 0043 (0)1/50175-238
Mail: d.herzog@awsg.at

Gudrun Pichler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-graz.at

Weitere Berichte zu: Erfindung Vanille-Aroma Vanillin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie
22.02.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Erster Atemzug prägt Immunsystem nachhaltig
22.02.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften