Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Einfluss des Publikums auf die Partnerwahl

18.12.2007
Verhaltensbiologen der Universität Potsdam untersuchen Paarungsverhalten bei Süßwasserfischen

In der Natur findet die Partnerwahl selten statt, ohne dass andere Individuen derselben Art zuschauen. Hat solch ein "Publikum" Einfluss auf Partnerwahlentscheidungen? Dieser Frage gehen Wissenschaftler der Universität Potsdam nach. Dr. Martin Plath und Prof. Dr. Ralph Tiedemann aus den Arbeitsgruppen Tierökologie beziehungsweise Evolutionsbiologie untersuchen das Partnerwahlverhalten von Männchen der Fischart Poecilia mexicana, einem mexikanischen Süßwasserfisch.

Seit geraumer Zeit erforschen Wissenschaftler Paarungspräferenzen unter verhaltensökologisch-evolutionsbiologischen Gesichtspunkten. Aus evolutionsbiologischer Sicht sind Paarungspräferenzen besonders interessant, weil sie zu nicht-zufälligen Verpaarungen führen und damit die Evolution von "sexuell selektierten" Merkmalen ermöglichen. Bekannte Beispiele dafür sind die aufwändigen Gesänge und die bunten Federkleider vieler Vogelarten. Paarungspräferenzen sind bislang vor allem in Laborversuchen untersucht worden, in denen dem Tier die Wahl zwischen zwei oder mehreren potenziellen Paarungspartnern gegeben wird. In Abwesenheit eines Konkurrenten zeigten die Männchen der untersuchten Fischart klare Paarungspräferenzen für große Weibchen, welche fruchtbarer sind als kleine. Wurde jedoch ein männlicher Konkurrent visuell präsentiert, so änderten sich die Präferenzen, und die Männchen teilten ihre Aufmerksamkeit gleichmäßiger zwischen den Weibchen. In Kontrollversuchen ohne Publikum blieben die Präferenzen konstant, und Männchen einer anderen Fischart riefen diesen Effekt nicht hervor. Aktuelle Daten zeigen, dass die Männchen zu Beginn der Präsentation des Konkurrenten sogar signifikant das zuvor nicht bevorzugte Weibchen wählen. Warum ändern die Männchen ihre Paarungspräferenzen in Gegenwart eines Konkurrenten? Die plausibelste Erklärung für die Potsdamer Biologen ist, dass Männchen versuchen, ihre Fitness zu erhöhen, indem sie "Spermienkonkurrenz" vermeiden, zumal männliche Konkurrenten ähnliche Paarungspräferenzen haben und sich folglich mit demselben (anfänglich) bevorzugten Weibchen verpaaren würden.

Die Untersuchungen tragen zum Verständnis von Kommunikationsnetzwerken bei der Partnerwahl bei, in denen mehrere Individuen beider Geschlechter miteinander kommunizieren und dabei ihre Partnerwahlentscheidungen gegenseitig beeinflussen. Zukünftig wollen sich die Wissenschaftler dem Verständnis solcher Kommunikationsnetzwerke nähern. Die gegenwärtigen Untersuchungsergebnisse zeigen bereits eindeutig, welch dramatischen Effekt das soziale Umfeld eines Tieres auf seine Partnerwahlentscheidungen haben kann: Bereits ein einzelner Konkurrent kann zu einer Änderung führen.

Ihre neuesten Forschungsergebnisse veröffentlichen die Potsdamer Biologen im Januar-Heft der Zeitschrift "Animal Behaviour".

Hinweis an die Redaktionen:
Für weitere Informationen steht Ihnen Dr. Martin Plath von der Universität Potsdam telefonisch unter 0331/977-5586, E-Mail: mplath@uni-potsdam.de zur Verfügung.

Plath M., Blum D., Schlupp I., Tiedemann R. (2008): Audience effect alters mating preferences in Atlantic molly (Poecilia mexicana) males, In: Animal Behaviour 75(1)

Andrea Benthien | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-potsdam.de

Weitere Berichte zu: Paarungspräferenzen Partnerwahl Weibchen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Entzündung weckt Schläfer
29.03.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern“
29.03.2017 | Universität Rostock

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten