Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Beobachtungen von kleinen Tieren aus dem All werden bald Realität

02.12.2014

Das ambitionierte und weltweit einmalige Projekt ICARUS erhält Unterstützung von ROSKOSMOS

Milliarden von Singvögeln ziehen jedes Jahr von Kontinent zu Kontinent. Auch viele Fledermaus- und unzählige Insektenarten bewältigen große Streckenabschnitte – und wechseln dabei möglicherweise ebenfalls von einem zum anderen Kontinent.


Mit Hilfe der internationalen Raumstation ISS wollen Wissenschaftler in wenigen Jahren die Wanderungsbewegungen von Tieren aufzeichnen. Nasa


Wenige Gramm schwere Minisender verraten den Forschern, wo sich ein Tier gerade aufhält.

Christian Ziegler

Wir wissen es leider nicht genau. Denn bis heute sind Wissenschaftler nicht in der Lage, kleinen und kleinsten Tieren während ihrer langen Reise zu folgen. Dabei spielen solche Kenntnisse eine wichtige Rolle, beispielsweise um die Verbreitung von Krankheitserregern durch ihre Wirte zu verstehen.

Um diesen weltweiten Mangel an Kenntnissen über die Verbreitung und das individuelle Zugverhalten kleiner und kleinster Tiere zu beheben, wurde das Projekt ICARUS (International Cooperation for Animal Research Using Space) 2012 durch ein internationales Konsortium von Wissenschaftlern auf den Weg gebracht.

Mit der Ratifizierung einer bilateralen Vereinbarung zwischen der russischen Raumfahrtagentur ROSKOSMOS und dem DLR-Raumfahrtmanagement wurde jetzt ein entscheidender Schritt hin zur satellitengestützten Fernerkundung von Tierwanderungen aus dem All gemacht.

„Die Vereinbarung mit ROSKOSMOS stellt unter anderem sicher, dass die durch Russland beigestellten Leistungsanteile, insbesondere der Mitflug auf dem russischen Teil der Internationalen Raumstation, den deutschen Beiträgen für ICARUS ebenbürtig sind“, erklärt Martin Wikelski.

Der Direktor am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und Lehrstuhlinhaber an der Universität Konstanz ist maßgeblicher Treiber dieses weltweit einzigartigen Forschungsprojektes, das 2009 von der European Science Foundation im ELIPS Programm der European Space Agency (ESA) als wissenschaftlich exzellent bewertet wurde und ab März 2012 vom DLR-Raumfahrtmanagement als deutsches nationales Vorhaben gefördert wird.

„Die Förderung durch öffentliche Mittel ist ein bedeutender Schritt zu einer eigenständigen ICARUS-Satelliten­konstellation im niedrigen Erdorbit, welche uns eine weltweite, flächendeckende und langfristige Beobachtung kleiner und kleinster Tiere aus dem Weltall ermöglichen wird“, so Wikelski.

Das Großprojekt startete im März 2012 mit einer Machbarkeitsstudie und befindet sich seit August 2013 in der Implementierungsphase. Das Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) fördert ICARUS im Rahmen des „Nationalen Weltraumprogrammes Raumstation und bemannte Raumfahrt“.

Parallel zu den Fördermaßnahmen des DLR fördert die Max-Planck-Gesellschaft in Eigenleistung seit Dezember 2013 die Miniaturisierung des ICARUS Funkchips in Höhe von ca. 1,7 Millionen Euro. Für die Entwicklung der für das Projekt notwendigen Technologien stehen für die kommenden Jahre Förder­mittel in Höhe von ca. 19 Millionen Euro zur Verfügung. Hauptauftragnehmer des Max-Planck-Instituts für Ornithologie und technischer Projektleiter ist die SpaceTech GmbH, Immenstaad, Bodensee, die eine hohe Kompetenz auf dem Gebiet der Raumfahrttechnologie besitzt.

Das ICARUS-Experimentalsystem wird voraussichtlich im Frühjahr 2016 auf dem russischen Service-Modul der Internationalen Raumstation ISS installiert. Die Wissenschaftler versprechen sich durch die aus ICARUS generierten Daten revolutionäre Erkenntnisse über Leben, Verhalten, vitale Funktionen und das Sterben der Tiere auf unserem Planeten.

Die wissenschaftliche Zusammenarbeit wird auf russischer Seite von Grigori Tertitski geleitet, der als Biologe am Institut für Geographie der Russischen Akademie der Wissenschaften 16 Großprojekte von russischen Ökologen koordiniert, die ab 2016 die ICARUS Technologie einsetzen.

Die global gesammel­ten Daten erlauben u.a. Rückschlüsse auf Krankheitsverbreitungen (Zoonosen), Erkenntnisse zum Klimawandel und zur Katastrophenvorhersage. „Die zu erwartenden Forschungsergebnisse sind zweifelsfrei von unschätzbarer Bedeutung für die Menschheit und letztendlich für unser Leben auf der Erde“, betont Martin Wikelski.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Martin Wikelski
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Teilinstitut Radolfzell, Radolfzell
Telefon:+49 7732 1501-62Fax:+49 7732 1501-69
E-Mail:martin@orn.mpg.de

Dr Harald Rösch | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff

20.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ein neuer Index zur Diagnose einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankung

20.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das Cockpit für Kühlgeräte

20.01.2017 | Energie und Elektrotechnik