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Belastungen über die Haut durch chemische Stoffe messen

18.01.2013
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat gemeinsam mit dem Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ein Verfahren entwickelt, mit dem man die potenzielle Belastung durch chemische Stoffe ermitteln kann, die über die Haut aufgenommen werden.
Diese Messmethode wurde in vier verschiedenen holzimprägnierenden Betrieben bei der Imprägnierung mit Teeröl (Kreosot) angewandt. Die Ergebnisse hat die BAuA jetzt im Bericht „Messung von Hautbelastungen durch chemische Stoffe bei der Imprägnierung mit Holzschutzmitteln“ veröffentlicht.

Die Datenlage zur dermalen Exposition von Arbeitern bei der Teerölimprägnierung von Hölzern ist bislang unzureichend. In der vorhandenen Fachliteratur gibt es jedoch Hinweise darauf, dass die Hauptaufnahme von Kreosot in den Körper über die Haut erfolgt. Kreosot ist ein Imprägnieröl, das bis zu 50 Prozent aus polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) bestehen kann. PAK reichern sich im Körper an und haben Folgen für den gesamten Organismus. Sie sind giftig und können unter anderem Krebs oder andere Genmutationen auslösen. Das Fehlen von Daten und die Wirkung von Kreosot auf den Körper nahm die BAuA zum Anlass, um entsprechende Untersuchungen und umfangreiche Arbeitsplatzmessungen durchzuführen.

Nach intensiver Literaturrecherche entschied sich das Forschungsteam der BAuA für den Einsatz von Ganzkörperoveralls aus Polyethylen und Schutzhandschuhen aus Spaltleder als Probensammler. Sie nehmen die chemischen Stoffe wie eine „zweite Haut“ auf, geben die Stoffe zur Analyse wieder verlustfrei ab und führen deshalb zu reproduzierbaren Ergebnissen. Außerdem sorgen sie für eine reproduzierbare Auswahl der Körperpartien zur Probenahme.

Die Beschäftigten von vier holzimprägnierenden Betrieben haben die Ganzkörperoveralls und Schutzhandschuhe während ihrer Arbeit getragen. Dabei wurden die einzelnen Tätigkeiten innerhalb der Betriebe in drei Schwerpunkte unterteilt. Für die Analyse im Labor wurden die Overalls und Handschuhe anschließend in mehrere Segmente zerschnitten. So konnten durchschnittliche Belastungswerte für einzelne Körperpartien messtechnisch ermittelt werden. Die so gewonnenen Werte ließen sich auf die potenzielle dermale PAK-Belastung pro Minute umrechnen, um die Ergebnisse für einzelne Tätigkeiten und Arbeitsphasen vergleichbar zu machen.

Bei der Auswertung der Probensammler ergaben sich für die potenzielle PAK-Belastung der Haut signifikante Unterschiede sowohl zwischen den einzelnen Tätigkeiten als auch zwischen einzelnen Körperpartien. Dabei ließ sich bei allen Tätigkeiten der größte Anteil der potenziellen Hautbelastung an den Händen feststellen. Daneben waren auch die Unterarme sowie die Vorderseiten des Oberkörpers und der Beine belastet. Außerdem steigt die potenzielle dermale Belastung durch PAK, je wärmer das frisch imprägnierte Holz weiterverarbeitet wird.

Mithilfe der Ergebnisse lassen sich für die einzelnen Arbeitsschritte die besonders belasteten Körperbereiche feststellen. Dadurch können konkrete Vorschläge für technische und organisatorische Maßnahmen sowie zu tätigkeitsbezogener Schutzausrüstung formuliert werden.

Messung von Hautbelastungen durch chemische Stoffe bei der Imprägnierung mit Holzschutzmitteln; Anja Schäferhenrich, Ralph Hebisch, Dagmar Holthenrich, Kristina Krutz, Thomas Göen; 1. Auflage; Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2012; ISBN: 978-3-88261-723-8; 197 Seiten. Eine Version im PDF-Format gibt es zum Herunterladen unter der Adresse http://www.baua.de/publikationen auf der BAuA-Homepage.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben – im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Über 600 Beschäftigte arbeiten an den Standorten in Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.

Jörg Feldmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.baua.de
http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/F2053.html

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