Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Beginnt die Adipositas im Kopf? Sechs neu entdeckte Gene zur Gewichtsregulation wirken neuronal

08.01.2009
Gemeinsame Presseerklärung von Helmholtz Zentrum München und Nationalem Genomforschungsnetz

Erhebliches Übergewicht, im wissenschaftlichen Sprachgebrauch Adipositas, erhöht das Risiko für Begleiterkrankungen, wie beispielsweise die Zuckerkrankheit (Typ 2 Diabetes). Ein internationales Wissenschaftlerteam mit deutscher Beteiligung durch das Helmholtz Zentrum München konnte sechs neue Adipositasgene identifizieren. Genexpressionsanalysen zeigten, dass alle sechs Gene in Gehirnzellen angeschaltet sind.

Das internationale GIANT (Genetic Investigation of Anthropometric Parameters) Konsortium ist der Entdeckung von Adipositasgenen auf der Spur. Dazu werteten die Wissenschaftler bislang zwei Millionen DNA-Varianten in mittlerweile 15 genomweiten Assoziationsstudien mit insgesamt über 32 000 Teilnehmern aus. Die daraus resultierenden Kandidatengene wurden in weiteren 14 Studien mit 59 000 Teilnehmern validiert. Neben den bereits bekannten Genen FTO und MC4R konnten nun sechs zusätzliche Gene identifiziert werden: TMEM18, KCTD15, GNPDA2, SH2B1, MTCH2 und NEGR1.

Genexpressionsanalysen zeigten, dass alle sechs Gene in Gehirnzellen aktiv sind. Auch die beiden vorher schon bekannten Adipositasgene, FTO und MC4R, zeigen ein ähnliches Expressionsmuster; für das MC4R Gen konnte bereits ein genotypabhängiger Einfluss auf das Appetitverhalten beschrieben werden. Wissenschaftler des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN), Prof. H.-Erich Wichmann und Dr. Iris Heid vom Institut für Epidemiologie des Helmholtz Zentrums München, leiten die deutsche Beteiligung an dem Konsortium und betonen: "Die beiden Hauptursachen für das Dickwerden sind natürlich falsche Ernährung und mangelnde Bewegung. Aber die Biologie dieser Gene deutet darauf hin, dass genetische Faktoren dahinterstehen, wenn Menschen auf Lebensstil- und Umweltbedingungen unterschiedlich reagieren."

Mit Ausnahme des SH2B1-Gens, welches in der Leptin-Signalkette und damit bei der Appetitregulation eine Rolle spielt, war keines der anderen fünf Gene zuvor als Adipositasgen diskutiert worden. Iris Heid und ihre Kollegin Claudia Lamina von der Universität München sind begeistert: "Der rein statistische Ansatz der genomweiten Assoziationsanalyse kann neue Aspekte der Biologie der Gewichtsregulation aufzeigen, mit welchen wir vorher nie gerechnet hätten".

In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler nun weitere anthropometrische Größen auswerten, um noch andere Aspekte der Adipositas zu beleuchten. Ferner werden sie noch weitere Studien in ihre Untersuchungen einbeziehen, da klar wurde: Die einzelnen Studien sind alle zu klein angelegt, und nur durch Zusammenarbeit kann man hier weitere Erfolge erzielen.

Dieses Projekt wurde vom Nationalen Genomforschungsnetz (NGFN, Leiter Adipositasnetz: Prof. Johannes Hebebrand, Universität Duisburg-Essen; Projektleiter Helmholtz Zentrum München: PD Dr. Thomas Illig), den National Institutes of Health, USA, und dem Munich Center of Health Sciences der Ludwig- Maximilians-Universität München finanziert. Die Genotypisierung wurde im Institut für Humangenetik des Helmholtz Zentrums München unter Leitung von Prof. Thomas Meitinger durchgeführt.

Originalpublikation:

Willer et al.: Six New Loci Associated with Body Mass Index Highlight a Neuronal Influence on Body Weight Regulation. Nature Genetics 2008 (DOI 10.1038/ng.287) http://www.nature.com/ng/journal/v41/n1/abs/ng.287.html

Weitere Informationen:

Dr. Iris Heid
E-Mail: heid@helmholtz-muenchen.de
Prof. Dr. Dr. H.-Erich Wichmann
E-Mail: wichmann@helmholtz-muenchen.de
Tel. 089-3187-4066
Institut für Epidemiologie
Helmholtz Zentrum München
Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt Ingolstädter Landstraße 1
85764 Neuherberg
NGFN Geschäftsstelle
c/o Deutsches Krebsforschungszentrum, V025 Im Neuenheimer Feld 580, D-69120 Heidelberg Dr. Silke Argo
Tel.: 06221-424743
E-Mail: s.argo@dkfz-heidelberg.de
Internet: http://www.ngfn.de
Pressekontakt:
Ulrike Koller
Kommunikation
Helmholtz Zentrum München
Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt Ingolstädter Landstraße 1
85764 Neuherberg
Tel.: 089 3187 2526
E-Mail: koller@helmholtz-muenchen.de

Michael van den Heuvel | idw
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-muenchen.de
http://www.nature.com/ng/journal/v41/n1/abs/ng.287.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterieller Untermieter macht Blattnahrung für Käfer verdaulich
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht Neues Werkzeug für gezielten Proteinabbau
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte