Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bakteriengift soll Krebszellen zerstören

16.07.2014

Lebensmittelkeim im Kampf gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs

Ein Darmkeim, der eigentlich Lebensmittelvergiftungen auslöst, könnte zukünftig in der Krebstherapie eingesetzt werden: Das Bakterium Clostridium perfringens sondert einen Giftstoff ab, die Hülle von Tumorzellen durchlöchert und diese so zerstört. Berliner Wissenschaftler untersuchen derzeit die Wirksamkeit des Bakteriengiftes gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsprojekt mit 240.000 Euro.

Ob Rind, Fisch oder Geflügel – verdorbene Fleischwaren sind der bevorzugte Aufenthaltsort des Lebensmittelkeims Clostridium perfringens. Gelangt das stäbchenförmige Bakterium durch den Verzehr der schlecht gewordenen Lebensmittel in den Magen und weiter in den Darm, drohen Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen. Ursache für die Symptome ist ein spezieller Giftstoff, den der Keim absondert – das sogenannte Clostridium perfringens Enterotoxin.

Im Darm freigesetzt, erkennt das Enterotoxin zwei Moleküle auf der Oberfläche von Zellen der Darmschleimhaut, die als Claudin-3 und Claudin-4 bezeichnet werden. An diese Moleküle heftet sich der Giftstoff und beginnt damit, die Zellhülle zu durchlöchern. Mit verheerenden Folgen: Die schwer beschädigte Zelle stirbt ab.

Diesen Effekt wollen sich die Wissenschaftler des Experimental and Clinical Research Center der Berliner Charité und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin Berlin-Buch im Kampf gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs zunutze machen.

Ebenso wie Darmzellen besitzen auch Tumorzellen der Bauchspeicheldrüse große Mengen von Claudin-3 und Claudin-4 auf ihrer Oberfläche. „Somit sind diese Krebszellen ein perfektes Ziel für das Enterotoxin. Es erkennt die Claudine auf den Tumorzellen und greift an“, erläutert der Studienleiter Professor Dr. Wolfgang Walther. „Genau wie Darmschleimhautzellen bei einer Lebensmittelvergiftung werden die Tumorzellen perforiert und zerstört.“

Per nadelloser Hochdruckinjektion wollen die Forscher eine Art Genfähre direkt in das Tumorgewebe schießen. Diese enthält den genetischen Bauplan für das Enterotoxin und ermöglicht so die Produktion des Giftstoffes. „Das Clostridium perfringens Enterotoxin wird so direkt vor Ort hergestellt“, so Walther weiter. „Für gesunde Zellen der Bauchspeicheldrüse ist das ungefährlich, da diese kein Claudin-3 oder Claudin-4 auf ihrer Oberfläche ausbilden.“

Derzeit überprüfen die Wissenschaftler ihre Theorie im Labor. „Erweist sich unser Therapieansatz als erfolgreich, haben wir eine schlagkräftige Waffe gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs an der Hand“, hofft Walther. Rund 17.400 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Bauchspeicheldrüsenkrebs, einem äußerst aggressiven Tumor. Meistens wird die Erkrankung erst spät bemerkt und nur wenige Patienten überleben die Diagnose länger als ein Jahr. Der Tumor breitet sich schnell aus, verstreut Kolonien in anderen Organen und ist gegenüber gängigen Therapien weitgehend unempfindlich.

Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, betont: „Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den problematischsten Tumorerkrankungen. Die Entwicklung besserer Diagnose- und Therapiemöglichkeiten ist daher wichtig, um die Überlebenschancen der Betroffenen zu verbessern.“

Hintergrundinformation: Krebsforschung

Fortschritte in der Krebsforschung haben dazu beigetragen, neue und immer wirkungsvollere Therapien gegen Krebs zu entwickeln und bestehende Behandlungsansätze weiter zu optimieren. Diese Erfolge sind auch der Deutschen Krebshilfe zu verdanken – die gemeinnützige Organisation ist der bedeutendste private Förderer der Krebsforschung in Deutschland. In den letzten Jahren investierte die Deutsche Krebshilfe jährlich rund 35 bis 40 Millionen Euro in die onkologische Forschung. Ziel der Forschungsförderung der Deutschen Krebshilfe ist es, im Sinne einer optimalen Patientenversorgung vielversprechende Ergebnisse aus der Forschung schnell und effizient in die klinische Prüfung und Anwendung zu bringen, sowie die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen stetig zu verbessern.

Das MDC und ECRC, Berlin

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und die Charité – Universitätsmedizin Berlin haben 2007 auf dem Campus Berlin-Buch ein Zentrum für die klinische Forschung gegründet, das Experimental and Clinical Research Center (ECRC). Es fördert die Zusammenarbeit zwischen Grundlagenforschern und klinischen Forschern. Ziel dieser engen Zusammenarbeit ist es, die Erkenntnisse aus den Forschungslaboren beschleunigt in die medizinische Praxis zu bringen. Das MDC, eine außeruniversitäre Einrichtung, die zur Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren gehört, und die Charité – Universitätsmedizin betreiben das ECRC gemeinsam. Sie finanzieren es jährlich mit jeweils mit rund sechs Millionen Euro. Direktor des ECRC ist der Nieren- und Bluthochdruckspezialist Professor Friedrich C. Luft.

Projektnr.: 110838

Dr. med. Svenja Ludwig | Deutsche Krebshilfe e. V.
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa
27.02.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht Neurobiologie - Vorausschauend teilen
27.02.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik