Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

B-Zellen verstärken Autoimmunerkrankungen

04.03.2014

Antikörperlieferanten steuern über neu entdeckten Mechanismus die Immunantwort

Freiburger Wissenschaftler haben möglicherweise einen wichtigen Verstärker für Autoimmunerkrankungen entdeckt. Fehlt das Protein PTP1B in B-Immunzellen, verstärken die Zellen eintreffende Entzündungssignale übermäßig und können so einen Angriff gegen den eigenen Körper fördern.


Mäuse ohne das Protein PTP1B in den B-Zellen bilden einen Immun-komplex (rot) in der Niere. Die gleiche Entwicklung läuft auch bei Patienten mit rheumatoider Arthritis ab. Blau: Zellkerne

D. Medgyesi/MPI-IE

Die Studie bietet damit eine wichtige Erklärung, wie B-Zellen an der Steuerung einer Immunantwort beteiligt sind. Ihre Ergebnisse präsentieren die Forscher jetzt im Journal of Experimental Medicine.

Etwa 800.000 Menschen leiden in Deutschland an rheumatoider Arthritis. Bei der Erkrankung kommt es zu einer schubweisen Zerstörung von Gelenkgewebe durch das eigene Immunsystem. Noch immer ist unbekannt, welche Faktoren für die Krankheit ausschlaggebend sind. Nun haben Wissenschaftler um Michael Reth und David Medgyesi vom Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik einen Faktor identifiziert, der daran wesentlich beteiligt sein dürfte.

Mit Hilfe eines gentechnischen Verfahrens schalteten sie in B-Zellen des Immunsystems von Mäusen das Protein PTP1B aus. Daraufhin reagierten die B-Zellen deutlich stärker auf aktivierende Signale anderer Immun-Zellen und aktivierten diese ihrerseits wieder.

PTP1B könnte also so etwas wie eine Wächterfunktion bei B-Zell-vermittelten Immunantwort haben. Bislang waren B-Zellen vor allem dafür bekannt, dass sie nach Kontakt mit Erregern Antikörper produzieren. Eine regulatorische Funktion der B Zellen im Immunsystem rückt immer mehr in den Fokus der aktuellen Forschung. Die Studie der Freiburger Forscher liefert hierzu einen neuen Mechanismus.

Bei einer klinischen Untersuchung zeigte sich, dass auch B-Zellen von Patienten mit rheumatoider Arthritis ungewöhnlich wenig von dem untersuchten Protein herstellen. In anderen Zelltypen der Patienten und in Gesunden war das nicht der Fall.

„Das legt nahe, dass das Protein bei der Ausprägung oder Verstärkung von rheumatoider Arthritis entscheidend beteiligt ist“, sagt Studienleiter Michael Reth, Leiter der Abteilung Molekulare Immunologie am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik und Direktor des Exzellenzclusters BIOSS Centre for Biological Signalling Studies der Universität Freiburg.

Patienten mit rheumatoider Arthritis, bei denen herkömmliche Therapien nicht wirken, können mit dem Medikament Rituximab behandelt werden. Dadurch werden alle B-Zellen im Körper zerstört und die Krankheit zumindest aufgehalten. „Die B-Zellen, die nach Rituximab-Therapie entstehen, besitzen das PTP1B-Protein in gleicher Menge wie die Zellen von Gesunden. Das dürfte zur verringerten Autoimmunreaktion führen“, erklärt Erstautor David Medgyesi. Ob die neu gebildeten Zellen im Laufe der Zeit das Protein wieder verlieren, müssen Langzeitstudien ergeben.

Das Labor um Michael Reth hatte bereits Ende der 90er Jahre Mäuse entwickelt, in deren B-Zellen beliebige Gene mit dem Cre/Lox-Verfahren ausgeschaltet werden können. Mittlerweile wird der Mausstamm sehr erfolgreich in über 200 Laboren auf der ganzen Welt eingesetzt, um die Funktion des Immunsystems zu erforschen.

Originalveröffentlichung:
Medgyesi D, Hobeika E, Biesen R, Kollert F, Taddeo A, Voll RE, Hiepe F, and Reth M. (2014). The protein tyrosine phosphatase PTP1B is a negative regulator of CD40 and BAFF-R signaling and controls B cell autoimmunity.
Journal of Experimental Medicine, doi: 10.1084/jem.20131196

Kontakt:
Prof. Dr. Michael Reth
Institut für Biologie III (Mol. Immunologie) Universität Freiburg
und Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik, Freiburg
Stübeweg 51
79108 Freiburg
reth@ie-freiburg.mpg.de
Tel: +49 761 5108 421

Johannes Faber
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik, Freiburg
Stübeweg 51
79108 Freiburg
faber@ie-freiburg.mpg.de
Tel: +49 761 5108 368

Dr Harald Rösch | Max-Planck-Gesellschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Raben: "Junggesellen" leben in dynamischen sozialen Gruppen
23.03.2017 | Universität Wien

nachricht Die Evolutionsgeschichte der Wespen, Bienen und Ameisen erstmals entschlüsselt
23.03.2017 | Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die Evolutionsgeschichte der Wespen, Bienen und Ameisen erstmals entschlüsselt

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neurone am Rande der Katastrophe: Wie das Gehirn durch kritische Zustände effizient arbeitet

23.03.2017 | Seminare Workshops

Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen

23.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz