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Autoimmunerkrankungen auf der Spur

15.07.2014

Unser Immunsystem hat die Aufgabe, uns vor Schaden zu bewahren - aber manchmal schießt es in seinem Bemühen über das Ziel hinaus und erkennt nicht mehr, was zu uns gehört und was fremd ist.

Dann richtet es sich gegen unseren eigenen Körper und es entstehen so genannte Autoimmunerkrankungen. Einige bekannte Beispiele sind Diabetes mellitus I, Multiple Sklerose oder Rheumatoide Arthritis.


Peyman Ghorbani und Christian T. Mayer

Die Medizin kann bislang nur die Symptome dieser Krankheiten behandeln, denn ihre Ursachen sind nicht bekannt. Wissenschaftler am TWINCORE haben nun ein Modell entwickelt, mit dem sie den Zusammenhängen bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen auf die Spur kommen wollen.

Als Auslöser von Autoimmunerkrankungen gelten eine bisher nicht verstandene Kombination aus Veranlagung des Patienten und Umweltfaktoren. Solche Umweltfaktoren sind beispielsweise Infektionskrankheiten. "Im Prinzip gerät das Zusammenspiel der unterschiedlichen Immunzellen aus dem Gleichgewicht", sagt Christian T. Mayer vom TWINCORE.

Peyman Ghorbani und Christian T. Mayer, beide Wissenschaftler am Institut für Infektionsimmunologie, haben besonders die Rolle der Tregs - der Regulatorischen T-Zellen im Blick. "Ein genetisch bedingter Totalausfall aller Tregs führt zu lebensbedrohlichen Angriffen von Körpergewebe. Aber Tregs sind bei Autoimmunkrankheiten normalerweise nicht vollständig ausgeschaltet", ergänzt Peyman Ghorbani.

In speziell gezüchteten Mäusen, können die Wissenschaftler einen Großteil der Regulatorischen T-Zellen gezielt ausschalten. Allerdings erholen sich die restlichen Regulatorischen T-Zellen sehr schnell, das Immunsystem stellt neue zur Verfügung und die Mäuse bleiben gesund.

"Wir haben beobachtet, dass sich unterschiedliche Autoimmunerkrankungen nur ausbilden, wenn der Organismus schon eine bestimmte Veranlagung mitbringt", sagt Christian T. Mayer. Nur wenn die Funktion der Regulatorischen T-Zellen durch einen genetischen Fehler anfällig für Störungen ist, regenerieren sich die Immunzellen nicht mehr und je nach Stärke der Störung bilden sich unterschiedliche Autoimmunerkrankungen aus.

"Damit steht uns erstmals ein Modell zur Verfügung, mit dem wir die Vorgänge und Umweltfaktoren bei der Entstehung einer Autoimmunerkrankung nachbilden - und damit erforschen - können", sagt Tim Sparwasser, Leiter des Instituts für Infektionsimmunologie. "Und Verstehen ist der erste Schritt zu einer echten Therapie solcher Erkrankungen, die nicht nur die Symptome mildert."

Publikation:
Christian T. Mayer*, Peyman Ghorbani*, Anja A. Kühl, Philipp Stüve, Maike Hegemann, Luciana Berod, M. Eric Gershwin and Tim Sparwasser. Few Foxp3+ regulatory T cells are sufficient to protect adult mice from lethal autoimmunity. Eur J Immunol 2014 (in press)


Kontakt:
Peyman Ghorbani, peyman.ghorbani(at)twincore.de
Tel: +49 (0)511-220027-206
Prof. Dr. Tim Sparwasser, tim.sparwasser(at)twincore.de
Tel: +49 (0)511-220027-201

Weitere Informationen:

http://www.twincore.de/infothek/mitteilungen/newsdetails/artikel/731/

Dr. Jo Schilling | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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