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Australische Studie zeigt genetische Gemeinsamkeiten bei Schizophrenie und Depressionen

14.08.2013
Wissenschaftler der University of Queensland stehen an Spitze eines internationalen Forschungsteams, dessen wegweisende Studie zeigt, dass Menschen, die für psychische Erkrankungen wie Depressionen, Schizophrenie und bipolare Störungen anfällig sind, genetische Gemeinsamkeiten aufweisen.

Die von einer weltweiten Arbeitsgemeinschaft aus mehr als 300 Wissenschaftlern in der Medizinforschung an über 250 Institutionen unternommene Studie ist die erste, die diese Verbindung darstellt. Sie stand unter der Leitung von Dr. Sang Hong Lee und Professor Naomi Wray vom University of Queensland Brain Institute (QBI) sowie Professor Kenneth Kendler von der Virginia Commonwealth University in den USA.

„Wir haben die genetische Information von mehr als 75.000 Personen untersucht und dabei eine Art der Genvariation benutzt, die als einzelner Nukleotidpolymorphismus (SNP „single nucleotide polymorphism“, Anm. d. Redaktion) bekannt ist,“ sagte Professor Wray.

„Ein SNP ist eine der am häufigsten verbreiteten genetischen Veränderungen und umfasst den Austausch eines einzelnen Bestandteils innerhalb der DNS mit einem anderen.“

„Indem wir rund eine Million SNPs pro Person gemessen hatten, fanden wir Beweise von erhöhten genetischen Gemeinsamkeiten.“

„Zudem fanden wir signifikante Parallelitäten bei Personen, die unter Depressionen, Schizophrenie und bipolaren Störungen leiden.“

Laut Professor Wray unterstütze die Studie die Hypothese, dass psychische Erkrankungen entlang eines Spektrums liegen könnten, die möglicherweise von gemeinsamen Risikofaktoren stammen.

Die Studie wurde in der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins Nature Genetics veröffentlicht.

„Psychische Erkrankungen machen rund ein Drittel aller Behinderungen weltweit aus, und sie verursachen enorme persönliche und soziale Belastungen, die nahezu jeden beeinflussen, entweder direkt oder durch Freunde und Familie,“ erklärte Professor Wray.

„Trotz des Einflusses dieser Störungen sind die zugrunde liegenden Ursachen weitgehend unbekannt."

„Starke Depressionen sind eine besonders komplexe Herausforderung, zum Teil, weil sie so verbreitet auftreten. Aber unsere jetzigen Ergebnisse zeigen uns auf, was wir als nächstes tun müssen, um diese Störung zu enträtseln."

„Wir arbeiten jetzt an einer großen Sammlung von Informationen, welche die Untersuchung von Probanten mit und ohne Depressionen mit einschließt, um weitere Risikofaktoren und unterschiedliche Reaktionen auf Behandlungen zu bestimmen.“

„Diese Unterschiede zu verstehen, kann langfristig dazu beitragen, individuelle Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln.“

Professor Wray wird mit Forschern des Queensland Institute of Medical Research, dem University of Sydney Brain and Mind Institute und dem South Australian Medical and Health Research Institute zusammenarbeiten, um die Genetik von Depressionen zu entschlüsseln.

Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
Pressestelle
Friedrichstr. 95
10117 Berlin
Email: berlin(at)ranke-heinemann.de
Tel.: 030-20 96 29 593
oder
Associate Professor Naomi Wray
University of Queensland
Statistical and psychiatric genetics
Email: naomi.wray@uq.edu.au
Tel: +61 7 334 66374
Queensland Brain Institute
Das Queensland Brain Institute (QBI) der University of Queensland ist eine weltweit führende Forschungseinsrichtung, die auf die Erforschung wesentlicher Mechanismen zur Regulierung von Gehirnfunktionen spezialisiert ist. Im Gegensatz zu anderen Forschungsinstitutionen, die sich auf eine bestimmte Erkrankung oder Kondition konzentrieren, erforscht das QBI fundamentale molekulare und physiologische Mechanismen des Gehirns. Forscher der QBI arbeiten daran, die Rätsel hinter neurodegenerativen Erkrankungen und psychische Störungen zu lösen, welche heutzutage verblüffende 45 Prozent der Krankheitsbilder in Australien ausmachen.

Literaturhinweise

In einer Studie, die 2009 im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurde, zeigte das International Schizophrenia Consortium, dass Schizophrenie höchst polygen ist und dass Gemeinsamkeiten zwischen Schizophrenie und bipolaren Störungen bestehen. Die aktuelle Studie beziffert diese Verbindung. „Common polygenic variation contributes to risk of schizophrenia and bipolar disorder“ Nature 460: 748-52. PMID: 19571811.

Die Untersuchungsmethoden dieser Studie wurden erstmals bei Schizophrenie angewendet: “Estimating the proportion of variation in susceptibility to schizophrenia captured by common SNPs.” Nature Genetics 2012 44:247-50. PMID: 22344220

Die aktuelle Studie benutzt dieselben Informationen einer Studie, die von demselben Konsortium Anfang des Jahres im Fachmagazin Lancet veröffentlicht wurde. Ziel der Lancet-Studie ist die Bestimmung individueller Risikofaktoren, die bei vielfachen psychischen Störungen identifiziert werden können. Vier verschiedene Risikofaktoren übertrafen den strikten Grenzwert der Aussagefähigkeit. “Identification of risk loci with shared effects on five major psychiatric disorders: a genome-wide analysis”. Lancet 381:1371-9. PMID: 23453885

Das Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund ist das gemeinnützige Studierendensekretariat aller australischen und neuseeländischen Universitäten in Europa, zuständig für Wissens- und Forschungstransfer, Forschungsförderung sowie Studenten- und Wissenschaftleraustausch und für die Betreuung von Studierenden und Schülern, die ein Studium Down Under vorbereiten.

Sabine Ranke-Heinemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.qbi.uq.edu.au
http://www.ranke-heinemann.de

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