Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auftragsmord in der Ameisenkolonie - Forscher zeigen: Ältere Männchen lassen junge Rivalen töten

20.06.2012
Bei den meisten Ameisenarten werben die Männchen friedlich um die Königinnen. Sie versuchen während des „Hochzeitsflugs“, als Erster das geflügelte Weibchen zu erreichen und sich mit diesem zu paaren.
Ein ganz anderes Bild zeigt sich bei der tropischen Ameisenart Cardiocondyla obscurior: Forscher der Universität Regensburg und des Institute of Science and Technology (IST) in Klosterneuburg (Österreich) fanden heraus, dass hier tödliche Kämpfe zwischen den männlichen Ameisen stattfinden. Die Jungen haben dabei immer die schlechteren Karten, wobei sich ihre älteren Artgenossen nicht einmal die Finger schmutzig machen. Sie „beauftragen“ die Arbeiterinnen, die jungen Konkurrenten zu beseitigen.

Bei der Ameisenart Cardiocondyla obscurior gibt es zwei Arten von Männchen, friedfertige Exemplare mit Flügeln und aggressive flügellose Männchen. Die flügellosen Männchen wandern durch die Kolonie und sind dabei ständig auf der auf der Suche nach schlüpfenden Jungköniginnen, mit denen sie sich paaren können, aber auch nach jungen Rivalen, die sie sofort attackieren. Ihre Mundwerkzeuge eignen sich allerdings sehr gut zum Greifen, aber nicht zum Beißen. Daher halten sie ihre jungen Gegner lediglich fest und beschmieren sie mit einer chemischen Substanz. Dieser Duft bringt die Arbeiterinnen dazu, die markierten Jungmännchen zu töten. Bis zu einem Alter von zwei Tagen sind die jungen Männchen dabei den Angriffen der älteren Ameisenmännchen schutzlos ausgeliefert. Erst dann greifen sie auf dieselbe Praxis zurück, was zu wilden Kämpfen führen kann, die nicht selten für beide Seiten tödlich enden.

Die friedfertigen Männchen mit Flügeln schützen sich vor ihren älteren Rivalen, indem sie einen Duft absondern, der dem Geruch junger Königinnen ähnelt. Dies führt zwar zu Annäherungsversuchen älterer Männchen, aber die getarnten Männchen erreichen trotzdem ähnlich hohe Paarungsraten wie ihre aggressiven Geschlechtsgenossen.
Die jungen, flügellosen Männchen haben diese Möglichkeit der chemischen Friedenssicherung nicht. Sie verraten ihre Identität schon im Puppenstadium. Dennoch warten die aggressiven älteren Männchen bis zum Schlüpfen, ehe sie die Tötung der Jungtiere in Auftrag geben. Die Forscher gehen davon aus, dass sie es nicht riskieren wollen, versehentlich eine Paarungspartnerin anstelle eines Konkurrenten zu beseitigen. Denn die chemischen Erkennungsmerkmale von Puppen sind schwieriger zuzuordnen als die Signale geschlüpfter Tiere.

Nach Ansicht der Forscher erfüllt das brutale Treiben in der Ameisenkolonie durchaus einen wichtigen Zweck. Durch die fortlaufende Produktion von flügellosen Männchen ist sichergestellt, dass beim Tod des dominanten Männchens jederzeit ein Nachfolger vorhanden ist. Da die getöteten Männchen zudem als Futter für die Larven dienen, sind die Kosten dieser artspezifischen Verhaltensstrategie für die Gesamtkolonie überschaubar.

Die Ergebnisse der Untersuchungen des Forscherteams um Prof. Dr. Jürgen Heinze vom Institut für Zoologie der Universität Regensburg und Prof. Dr. Sylvia Cremer vom IST sind in der renommierten Online-Fachzeitschrift „BMC Ecology“ veröffentlicht worden (DOI: 10.1186/1472-6785-12-7).

Der Original-Aufsatz unter:
http://www.biomedcentral.com/content/pdf/1472-6785-12-7.pdf

Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Jürgen Heinze
Universität Regensburg
Institut für Zoologie
Tel.: 0941 943-2475
Juergen.Heinze@biologie.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de
http://www.biomedcentral.com/content/pdf/1472-6785-12-7.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie