Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aufgedeckt: Molekularer Timer in der Krebstherapie und Verbesserungspotenzial durch Kombination bewährter Krebsmedikamente

29.04.2015

Die Kombination bereits angewandter Krebstherapeutika wie Paclitaxel/Taxol und neu entwickelten Hemmern der BCL2 Familie (BH3-Mimetika) verspricht eine bessere Wirksamkeit in der Behandlung bestimmter Krebsformen.

Das belegen Innsbrucker Forscher der Sektion für Entwicklungsimmunologie am Biozentrum in ihrer neuen Forschungsarbeit, in der sie auch einen neuen Sensor in der Krebstherapie entlarven. Das Wissenschaftsjournal Nature Communications berichtet darüber in seiner jüngsten Ausgabe.


v.l.: Mag.Dr. Luca Fava, Univ.-Prof. Mag.Dr. Andreas Villunger und Manuel Haschka M.Sc. forschen an der Sektion für Entwicklungsimmunologie zum programmierten Zelltod.

Der programmierte Zelltod (Apoptose) – ein genetisches Programm, das jeder Zelle innewohnt und dazu dient, entartete, schlecht funktionierende oder überalterte Zellen gezielt zu entfernen – ist das zentrale Forschungsgebiet des Teams um Univ.-Prof. Dr. Andreas Villunger, der am Innsbrucker Biozentrum die Sektion für Entwicklungsimmunologie leitet.

Im Fokus stehen dabei vor allem die zelltodfördernden Proteine der BCL2-Familie. Diese haben einen relevanten Einfluss auf die Regulation der Apoptose und liefern damit eine bedeutende Angriffsfläche für die Entwicklung gezielter Therapien von Tumoren und Autoimmunerkrankungen.

Neuer Prognoseparameter für maßgeschneiderte Therapie?

Mittels Zellkultur und Live-Cell-Imaging Analysen gelang es Andreas Villunger, Luca Fava und Manuel Haschka mit weiteren KollegInnen am Biozentrum nun erstmals, das proapoptotische Protein NOXA als Hauptakteur in der Auslösung des Zelltods durch das Zytostatikum Paclitaxel (ein aus der Eibe gewonnener Wirkstoff) und verwandter, ebenfalls in die Zellteilung eingreifender Substanzen, zu identifizieren.

Diese „Mitosehemmer“, die in die Zellteilung eingreifen, werden vor allem zur chemotherapeutischen Behandlung von verschiedenen soliden Tumoren eingesetzt. Die Zellteilung wird dabei in jener Phase gehemmt, in der der verdoppelte Chromosomensatz auf die Tochterzellen aufgeteilt werden soll. Die Intervention durch Taxol bedingt nun, dass die Zelle in der Mitose festsitzt (mitotic arrest).

Hier kommt nun ein weiterer, von den Innsbrucker Forschern beleuchteter Player ins Spiel: Das zelltodhemmende Protein MCL1. Es fungiert als molekularer Zeitschalter, der den Zelltod von im Zellzyklus arretierten Tumorzellen verzögert, aber von NOXA blockiert werden kann.

„Genau dieses Zusammenspiel könnte für zukünftige Therapien relevant sein“, erklärt Andreas Villunger, der die Stabilität dieser beiden Proteine weiter untersuchen will. Unter Umständen kann anhand deren Expressionsniveaus in der Tumorzelle eine Prognose für das Ansprechen auf diese Form der Therapie, z.B. bei Brustkrebs, gemacht werden. Villunger:

„PatientInnen mit hohem MCL1-Level könnten eine schlechte, PatientInnen mit hoher NOXA-Expression eine gute Prognose haben. Mit diesem Wissen wäre ein großer Schritt Richtung maßgeschneiderter Therapie möglich“.

Erhöhtes Therapiepotenzial durch neue Wirkstoffkombination

Nachdem Mitosehemmer vorwiegend in der Therapie von Brust- und Lungenkrebs zum Einsatz kommen und neue onkologische Medikamente der Klasse der BH3-Mimetika vor allem bei Leukämien wirkungsvolle Ergebnisse zeigen, interessierte sich das Team um Villunger auch für deren additiven Effekt und stellte fest, dass die Kombination beider Therapeutika in Zellkultur eine noch effektivere Wirkung zeigt.

„Kombinationspräparate sind derzeit noch nicht zugelassen, werden aber bereits in klinischen Studien auf ihre Wirksamkeit überprüft“, bestätigt Villunger.

Für Rückfragen:
Univ.Prof. Mag.Dr. Andreas Villunger
Sektion für Entwicklungsimmunologie
Tel.: +43 512 9003 70380
E-Mail: Andreas.Villunger@i-med.ac.at

Medienkontakt:
Mag.a Doris Heidegger
Medizinische Universität Innsbruck
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
Innrain 52, 6020 Innsbruck, Austria
Telefon: +43 512 9003 70083, Mobil: +43 676 8716 72083
public-relations@i-med.ac.at, www.i-med.ac.at

Details zur Medizinischen Universität Innsbruck
Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 1.400* MitarbeiterInnen und ca. 3.000 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich und versteht sich als Landesuniversität für Tirol, Vorarlberg, Südtirol und Liechtenstein. An der Medizinischen Universität Innsbruck werden folgende Studienrichtungen angeboten: Humanmedizin und Zahnmedizin als Grundlage einer akademischen medizinischen Ausbildung und das PhD-Studium (Doktorat) als postgraduale Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens. An das Studium der Human- oder Zahnmedizin kann außerdem der berufsbegleitende Clinical PhD angeschlossen werden.
Seit Herbst 2011 bietet die Medizinische Universität Innsbruck exklusiv in Österreich das Bachelorstudium „Molekulare Medizin“ an. Ab dem Wintersemester 2014/15 kann als weiterführende Ausbildung das Masterstudium „Molekulare Medizin“ absolviert werden.

Die Medizinische Universität Innsbruck ist in zahlreiche internationale Bildungs- und Forschungsprogramme sowie Netzwerke eingebunden. Schwerpunkte der Forschung liegen in den Bereichen Onkologie, Neurowissenschaften, Genetik, Epigenetik und Genomik sowie Infektiologie, Immunologie & Organ- und Gewebeersatz. Die wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck ist im hochkompetitiven Bereich der Forschungsförderung sowohl national auch international sehr erfolgreich.
*vollzeitäquivalent

Doris Heidegger | Medizinische Universität Innsbruck

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Reize auf dem Weg ins Bewusstsein versickern
22.09.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lebendiges Gewebe aus dem Drucker
22.09.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie