Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf Safari im Erbgut – Gene liefern neue Einblicke in die Verbreitung von Giraffen

12.11.2014

Giraffe ist nicht gleich Giraffe – aktuell wird die Art in neun Unterarten unterschieden.

Nun hat ein Team des LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) in Zusammenarbeit mit der Giraffe Conservation Foundation die räumliche Verbreitung der Tiere in Südafrika anhand ihres genetischen Profils genauer analysiert.


Drei junge, männliche Angola-Giraffen.

© Julian Fennessy, GCF

Dabei stellte sich überraschenderweise heraus, dass die Kap-Giraffe auch in Nordost-Namibia und Nord-Botswana und die Angola-Giraffe auch in Nordwest-Namibia und Süd-Botswana vorkommt. Die Ergebnisse sollen zum besseren Schutz der einzigartigen Tiere beitragen und sind kürzlich im Fachmagazin „BMC Evolutionary Biology“ erschienen.

Giraffen (Giraffa camelopardalis), ein Symbol der afrikanischen Savanne und fester Programmpunkt jeder Safari, faszinieren. Im Gegensatz zu anderen Wildtieren des Kontinents sind die langhalsigen Riesen bislang jedoch wenig erforscht. Je nach Fellmuster, Verbreitung und Erbgut lassen sich neun Unterarten unterscheiden – die Angola-Giraffe (Giraffa c. angolensis) und Kap-Giraffe (Giraffa c. giraffa) sind zwei davon.

Kap-Giraffen leben weiter nördlich als bisher angenommen
Wie die meisten Giraffen leben sie heute vor allem in Naturschutzgebieten. Bislang war man hier von einer klaren Abgrenzung ausgegangen: Angola-Giraffen kommen in Namibia und Nord-Botswana vor, Kap-Giraffen leben in Süd- Botswana und in Südafrika. „Die Verbreitungsgebiete sind unseren Untersuchungen zufolge aber viel komplexer.

Kap-Giraffen gibt es auch in Nordost-Namibia und in Nord-Botswana; Angola-Giraffen leben auch in Nordwest-Namibia und Süd-Botswana“, erklärt die Erstautorin der Studie Friederike Bock, Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F). Ein Blick auf die neue Verbreitungskarte zeigt, dass damit eine Population von Angola-Giraffen in der Central Kalahari Game Reserve, dem zweitgrößte Nationalpark der Welt, quasi zwischen zwei Populationen der Kap-Giraffe „steckt“‘ und die beiden Unterarten in direkter Nachbarschaft leben.

Unterarten entstanden durch frühere geografische Trennung
Dass in einer Region zwei genetisch unterschiedliche Unterarten entstehen konnten, erklärt das Team mit den dortigen geographischen Gegebenheiten vor circa 500.000 bis zwei Millionen Jahren. Damals senkte sich das Gebirge entlang des Ostafrikanischen Grabens ab, und großräumige Feuchtgebiete und Seen entstanden, beispielsweise der Paläo-See Makgadikgadi.

Prof. Dr. Axel Janke, BiK-F, meint dazu: „Diese Gewässer könnten die verschiedenen Populationen über lange Zeiträume voneinander getrennt haben. Vermutlich wandern weibliche Giraffen zudem nicht über große Strecken und tragen damit zur klaren Trennung der mütterlichen Linien bei.“ Heute bestehen zwar keine Barrieren mehr, die eine potentielle Vermischung der Giraffen verhindern. Zur Analyse dieser Prozesse wären jedoch weitere genetische Untersuchungen notwendig.

Angola- und Kap-Giraffe über mütterliches Genprofil eindeutig identifizierbar
Für die Studie erstellten die Forscher mit Gewebeproben von circa 160 Giraffen verschiedener Populationen aus ganz Afrika ein Profil der mitochondrialen DNA der Unterarten. Anhand dieses mütterlich vererbten Erbguts lassen sich die oft ähnlich gezeichneten Giraffenunterarten genetisch eindeutig unterscheiden und die Verwandtschaftsbeziehungen untereinander klar darstellen. „Unser Schwerpunkt lag auf Giraffen in Südafrika, speziell Botswana und Südafrika. Dort haben wir Populationen beprobt, die bisher nicht genetisch analysiert wurden“, so Bock.

Neue Erkenntnisse ermöglichen bessere Maßnahmen zum Schutz der Giraffen
Schätzungen der Weltnaturschutzorganisation IUCN gehen von etwa 100.000 Giraffen weltweit aus – mit abnehmender Tendenz. Allein in Botswana ist der Bestand innerhalb der letzten Jahre um mehr als die Hälfte geschrumpft. Für effektive Schutzmaßnahmen, die möglichst viele der Giraffen-Unterarten erhalten, sind deren zuverlässige Identifikation und genaue Informationen über ihre Verbreitung unerlässlich. Das überraschende Ergebnis zur Verbreitung der beiden Unterarten in Namibia und Botswana unterstreicht, wie wichtig die taxonomische Erforschung aller Giraffenunterarten ist.

Publikation:

Bock, F. et al. (2014): Mitochondrial sequences reveal a clear separation
between Angolan and South African giraffe along a cryptic rift valley - BMC Evolutionary Biology, DOI: 10.1186/s12862-014-0219-7, http://tinyurl.com/kj2zgey

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

Prof. Dr. Axel Janke
Goethe Universität &
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
+49 (0)69 7542 1842
Axel.jahnke@senckenberg.de

oder

Friederike Bock
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
+49 (0)69 7542 1830
friederike.bock@senckenberg.de

oder

Sabine Wendler
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F),
Pressereferentin
+49 (0)69 7542 1838
sabine.wendler@senckenberg.de


LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Frankfurt am Main
Mit dem Ziel, anhand eines breit angelegten Methodenspektrums die komplexen Wech-selwirkungen von Biodiversität und Klima zu entschlüsseln, wird das Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK‐F) seit 2008 im Rahmen der hessischen Landes‐Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und die Goethe Universität Frankfurt sowie weitere direkt eingebundene Partner kooperieren eng mit regionalen, nationalen und internationalen Akteuren aus Wissenschaft, Ressourcen‐ und Umweltmanagement, um Projektionen für die Zukunft zu entwickeln und wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen für ein nachhaltiges Handeln zu geben.

Mehr unter www.bik-f.de

Sabine Wendler | Senckenberg
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wegbereiter für Vitamin A in Reis
21.07.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Pharmakologie - Im Strom der Bläschen
21.07.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten