Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie asiatische Elefanten Hitze ertragen: Sie lassen sich einfach aufheizen

30.09.2011
Wissenschafter vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben den Mechanismus entdeckt, der es asiatischen Elefanten ermöglicht, hohe Tagestemperaturen zu ertragen. Ihre Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe des Journal of Comparative Physiology B veröffentlicht.

Elefanten sind Hitze gewöhnt. Die Temperaturen im natürlichen Lebensraum asiatischer Elefanten (Elephas maximus) liegen im Durchschnitt zwischen 30 und 35 Grad Celsius. Elefanten können weder schwitzen noch hecheln, um sich abzukühlen, und ihr enormes Körpervolumen - relativ zur Oberfläche - begrenzt die Möglichkeit, Körperwärme abzugeben.

Seit langem vermuten Experten, dass Elefanten einen Mechanismus der Wärmespeicherspeicherung ähnlich dem von Kamelen und anderen Säugetieren in der Wüste besitzen könnten. Physiologen am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben nun überzeugend gezeigt, dass asiatische Elefanten auf hohe Tagestemperaturen reagieren, indem sie ihre Körpertemperatur während der kühleren Nachtstunden deutlich absenken. Damit bauen sie eine Art thermische Reserve auf, die ihnen erlaubt, tagsüber Wärme zu speichern und dabei Hitzestress zu vermeiden. Dieses Ergebnis ist besonders interessant, weil es vermuten lässt, dass Wärmespeicherung unter Säugetieren möglicherweise sehr viel weiter verbreitet ist als bisher angenommen.

Große Temperaturschwankungen

Adaptive Heterothermie erlaubt es den Tieren, tägliche Schwankungen der Körpertemperatur je nach Außentemperatur zu verändern. Überschüssige, tagsüber gespeicherte Körperwärme wird in kühleren Nachtstunden abgegeben. Die FIWI-Forscher haben untersucht, ob Elefanten tatsächlich Heterothermie zur Thermoregulation einsetzen. Dazu fütterten sie eine Gruppe von Elefanten in Thailand und eine Kontrollgruppe im Münchner Tierpark Hellabrunn mit kleinen Fernmessgeräten, um die Temperaturen im Gastrointestinaltrakt der Tiere zu ermitteln. Dieses am FIWI entwickelte Telemetrie-System ermöglicht eine kontinuierliche Temperaturmessung und Aufzeichnung. Die statistische Datenanalyse bestätigte die Erwartungen der Wissenschafter: Die durchschnittliche Körpertemperatur war bei beiden Elefantengruppen ähnlich, aber bei den thailändischen Tieren war die tägliche Schwankung der Körpertemperatur durchschnittlich doppelt so groß wie bei den Elefanten im kühleren Deutschland. Die thailändischen Elefanten erreichten sowohl eine höhere Maximaltemperatur als auch eine niedrigere Minimaltemperatur. Tatsächlich sank die Körpertemperatur der thailändischen Elefanten nachts weit unter den normalen Durchschnitt. Dadurch können sie den Tag mit einer viel größeren thermischen Reserve beginnen als ihre deutschen Kollegen.

Für Thomas Ruf, einen Tierphysiologen und Mitautor der Studie, sind die neuen Resultate sehr spannend. „Wir kannten das Phänomen der Heterothermie als thermoregulatorischen Mechanismus bereits von Wüstensäugetieren wie Kamelen, Antilopen und kleinen Nagetieren, aber es war überraschend, diese Strategie auch bei Säugetieren zu finden, die nicht in der Wüste leben. Unsere Ergebnisse werfen die faszinierende Möglichkeit auf, dass Heterothermie viel weiter verbreitet sein könnte als bisher angenommen.“ Dieses interessante Thema sollte sicherlich weiter erforscht werden, wofür die im FIWI entwickelten Temperatur-Sensoren natürlich ideal sind.

Der Artikel “Taking the heat: thermoregulation in Asian elephants under different climatic conditions” von Nicole M. Weissenböck, Walter Arnold und Thomas Ruf wurde in der Zeitschrift “Journal of Comparative Physiology B" online veröffentlicht (DOI: 10.1007/s00360-011-0609-8).

Der wissenschaftliche Artikel im Volltext online:
http://www.springerlink.com/content/a16165gpp4r33741/
Rückfragehinweis
Ao.Univ.Prof. Dr. Thomas Ruf
Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie
Veterinärmedizinische Universität Wien
T +43 1 4890915-150
E Thomas.Ruf@vetmeduni.ac.at
Aussender
Mag. Klaus Wassermann
T +43 1 25077-1153
E klaus.wassermann@vetmeduni.ac.at

Beate Zöchmeister | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Stachellose Bienen lassen Nester von Soldatinnen verteidigen
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Neuer Mechanismus der Gen-Inaktivierung könnte vor Altern und Krebs schützen
23.02.2017 | Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sechs Bundesländer erproben Online-Schultests der Uni Jena

24.02.2017 | Bildung Wissenschaft

Stachellose Bienen lassen Nester von Soldatinnen verteidigen

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ifremer entwickelt autonomes Unterwasserfahrzeug zur Untersuchung der Tiefsee

24.02.2017 | Maschinenbau