Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Arsentrioxid kann Menschenleben retten

14.10.2015

Eine seltene Erkrankung erfordert besondere Maßnahmen: Nur etwa 20.000 Menschen erhalten weltweit jährlich die Diagnose Akute Promyelozytäre Leukämie (APL), davon nur etwa 300 in Deutschland.

Entsprechend schwierig ist die Forschung an dieser seltenen Unterform der Leukämie (Blutkrebs), die zu einer Störung der Blutgerinnung und lebensbedrohlichen Blutungen führt.


Typisch für die akute Promyelozyten-Leukämie ist die Vermehrung von bestimmten unreifen Zellen im Knochenmark. Bei der Diagnostik wird dieses aus dem Beckenkamm entnommen und mikroskopisch untersucht.

Dr. med. Katja Sockel / Uniklinikum Dresden

Eine neue klinische Studie soll nun unter der Leitung von Forschern der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden, Experten aus ganz Europa zusammenbringen, um gemeinsam eine neue Behandlungsmethode für diesen Blutkrebs zu erproben.

Eine besondere Rolle spielt dabei das gemeinhin als Gift bekannte Arsenik oder Arsentrioxid. Neben 50 Kliniken aus Deutschland nehmen zahlreiche Krankenhäuser aus verschiedenen europäischen Ländern an der Studie teil.

Bisher wurde die APL hauptsächlich mit einer Kombination aus Chemotherapeutika und dem Vitamin-A-Abkömmling All-trans-Retinsäure (ATRA) behandelt. Damit lässt sie sich zwar anfänglich gut therapieren, die Reaktion ist aber oft nicht nachhaltig und mit Schädigung anderer Organe verbunden. In der APOLLO-Studie wird nun eine zusätzliche Behandlung mit Arsentrioxid erprobt. Obgleich die Substanz seit dem Altertum einen zwielichtigen Ruf als Mordgift inne hat, kann sie in der richtigen Dosis auch Menschenleben retten.

„In einer Vorläufer-Studie konnten wir Arsentrioxid bereits sehr erfolgreich einsetzen. Gemeinsam mit italienischen Kollegen haben wir eine Therapie entwickelt, bei der Arsentrioxid zusammen mit ATRA und einer Chemotherapie angewendet wird und so fast alle behandelten Patienten geheilt werden konnten“, erklärt Prof. Uwe Platzbecker (TU Dresden), der die Studie leitet.

„Allerdings wurde die neue Therapie bisher nur an Patienten getestet, die nicht zur Hochrisiko-Gruppe gehören. Die Hochrisiko-Gruppe umfasst immerhin 30 Prozent der APL-Patienten und somit einen nicht zu vernachlässigenden Anteil.“

Die APOLLO-Studie wurde daher zur Untersuchung der neuen Behandlungsmethode bei Hochrisiko-APL-Patienten konzipiert. Als Direktoren der zuständigen Klinik sind Prof. Gerhard Ehninger und Prof. Martin Bornhäuser zuversichtlich: „Die Triple-Therapie hat das Potenzial, sich als neuer Standard zur Behandlung von Hochrisiko-APL zu etablieren - mit kürzeren Behandlungszeiten und einer besseren Verträglichkeit als die derzeit eingesetzten Therapien.“

Die akademisch initiierte Studie wird über eine Laufzeit von 6,5 Jahren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 2 Millionen Euro gefördert. Die Studie wurde von Prof. Platzbecker in Zusammenarbeit mit weiteren europäischen Kollegen entworfen. Der erste Patient soll Anfang 2016 mit der neuen Medikamentenkombination behandelt werden.

Kurz & knapp

Titel der Studie

„A randomized Phase III study to compare arsenic trioxide (ATO) combined to ATRA and idarubicin versus standard ATRA and anthracycLine-based chemotherapy (AIDA regimen) for patients with newLy diagnosed, high-risk acute prOmyelocytic leukemia - APOLLO-TRIAL“

Teilnehmende Länder
Deutschland, Italien, Niederlande, Spanien, Frankreich (+ ggf. später weitere europäische Länder)

Studienleitung
Technischen Universität Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
Medizinischen Klinik und Poliklinik 1 (MK1),
Direktoren der Klinik: Prof. Gerhard Ehninger und Prof. Martin Bornhäuser

Leitung der Studie:
Prof. Uwe Platzbecker

Fachveröffentlichung
Lo-Coco et al., 2013 Retinoic acid and arsenic trioxide for acute promyelocytic leukemia. New England Journal of Medicine. 369(2):111-21.

Förderung
2,0 Mio. € vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Laufzeit
6,5 Jahre

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Uwe Platzbecker
Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
Medizinische Klinik 1
Telefon: +49 351 458 2583
Fax: +49 351 458 4373
Email: uwe.platzbecker@uniklinikum-dresden.de

Weitere Informationen:

http://www.uniklinikum-dresden.de/mk1
https://www.youtube.com/watch?v=ejlfQ8G1mk0&feature=youtu.be

Konrad Kästner | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: ATRA Arsentrioxid BMBF Bildung und Forschung Blutkrebs Carus Menschenleben leukemia

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Virus mit Eierschale
22.08.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Ein Quantenlineal für Biomoleküle
22.08.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Körperenergie als Stromquelle

22.08.2017 | Energie und Elektrotechnik

Ein Quantenlineal für Biomoleküle

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Prostatakrebs: Bluttest sagt Tumorresistenz vorher

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie