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Archaische Bakterienriffe in pinkfarbener Salzlake

11.01.2018

Göttinger Geo- und Mikrobiologen auf Expedition im Indischen Ozean

Fünf Geo- und Mikrobiologen der Universität Göttingen sind mit Proben von kalkigen Lagunenschlämmen und Kalkriffen von einer vierwöchigen Expedition auf das Aldabra Atoll im Indischen Ozean zurückgekehrt.


Kleine mikrobielle Kalkriffe (Stromatolithen) mit blumenkohlartigen Oberflächen in einem Salzwassertümpel auf Aldabra.

Universität Göttingen


Salzwassertümpel auf Aldabra mit durch Purpurbakterien rosa gefärbtem Bodenwasser.

Universität Göttingen

Die Analyse der Proben soll erstmals ein umfassendes Bild zu den mikrobiellen Gemeinschaften auf diesem Atoll liefern. Vor Ort sah das Team unter der Leitung von Prof. Dr. Gernot Arp, Abteilung Geobiologie, auch die Auswirkungen des Klimawandels.

Aldabra liegt rund 420 Kilometer nördlich von Madagaskar und ist das zweitgrößte Atoll der Erde. Seit 1982 steht es als UNESCO-Weltnaturerbe unter Schutz, insbesondere wegen seiner 150.000 Riesenschildkröten. Es ist bis auf eine Forschungsstation der „Seychelles Islands Foundation (SIF)“ unbewohnt.

Ziel der Expedition waren kalkige Lagunenschlämme und mikrobielle Kalkriffe, sogenannte Stromatolithen, die heute in versteinerter Form als isotopengeochemisches Klima-Archiv genutzt werden. „Die Schlammproben sollen Aufschluss darüber geben, inwieweit mikrobielle Gemeinschaften bereits im oberflächennahen Sediment Umweltsignale verändern, welche die Rekonstruktion vergangener Klimaveränderungen erschweren“, so Arp.

Die Göttinger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten an Tümpeln und in Lagunen Sedimentkerne entnehmen. Die Verbreitung der Kalkschlämme war jedoch weit geringer, als es das Forscherteam auf Basis bisheriger Publikationen und Fernerkundungsdaten vermutet hatte.

Zudem sind viele Stromatolithen, die vor mehr als 40 Jahren von britischen Kollegen aus mehreren Tümpeln des Atolls beschrieben wurden, offenbar dem Klimawandel zum Opfer gefallen. Die zunehmende Trockenheit auf dem Atoll ließ zahlreiche Tümpel bis auf Restpfützen austrocknen, in denen sich die Riesenschildkröten tummeln und so die Wasserchemie verändern. Erst am Ende der Expedition fand das Göttinger Team einen geschichteten Salzwassertümpel mit rosafarbenem Bodenwasser und noch aktiv wachsenden Stromatolithen.

„Jede Probe und jeder Messwert von diesem entlegenen Atoll ist äußerst wertvoll“, so Arp. „Die zahlreichen mikrobiologischen Proben sollen erstmals ein umfassendes Bild zu den mikrobiellen Gemeinschaften auf diesem Atoll liefern. Die umfangreichen chemischen Wasser-Analysen werden eine wichtige Basis für das Verständnis der sedimentologischen und ökologischen Veränderungen bilden.“

Die Arbeiten in dem zum Teil schwierig zugänglichen Gelände wurden von der SIF unterstützt. Das Projekt ist Teil der DFG-Forschergruppe „Charon“, die sich mit dem Überlieferungspotenzial und Verfälschungsmöglichkeiten von Paläoumweltsignalen in fossilen Karbonatgesteinen befasst.

Kontakt:
Prof. Dr. Gernot Arp
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Geowissenschaften und Geographie
Geowissenschaftliches Zentrum Göttingen – Abteilung Geobiologie
Goldschmidtstraße 3, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-7986
E-Mail: garp@gwdg.de
Internet: www.geobiologie.uni-goettingen.de/people/garp/index.shtml 

Prof. Dr. Rolf Daniel und Dr. Dominik Schneider
Georg-August-Universität Göttingen
Biologische Fakultät – Institut für Mikrobiologie und Genetik
Grisebachstraße 8, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-33827
E-Mail: rdaniel@gwdg.de
Internet: www.appmibio.uni-goettingen.de/index.php

Weitere Informationen:

http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=6031

Romas Bielke | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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