Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

»Anwendungsorientierte Arzneimittelforschung« - Gründung Fraunhofer-Projektgruppe in Frankfurt

19.10.2011
Die hessische Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz LOEWE hat die Förderung des Schwerpunkts »Anwendungsorientierte Arzneimittelforschung« an der Goethe-Universität Frankfurt entschieden. Damit verbunden ist die Gründung einer Fraunhofer-Projektgruppe zum Thema »Translationale Medizin und Pharmakologie« unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Gerd Geisslinger.

Der neue LOEWE-Schwerpunkt hat zum Ziel, die an der Goethe-Universität Frankfurt am Main auf den Gebieten Wirkstoffforschung, präklinische und klinische Modellentwicklung und klinische Forschung vorhandene Expertise zusammenführen und weiter zu entwickeln. Die Fraunhofer-Projektgruppe, die in Kooperation zwischen dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME in Aachen und der Goethe-Universität aufgebaut wird, soll die gemeinsamen Bemühungen von Wirtschaft und Wissenschaft zur Steigerung der Leistungsfähigkeit der Arzneimittelforschung in Deutschland koordinieren, um die Entwicklungskosten von Arzneimitteln unter marktwirtschaftlichen Kriterien zu senken. Es ist geplant, dass der LOEWE-Schwerpunkt nach drei Jahren zunächst zu einem LOEWE-Zentrum ausgebaut wird und später in ein eigenständiges Fraunhofer-Institut aufgeht.

Die Arzneimittelforschung besitzt eine enorme gesundheits- und wirtschaftspolitische Bedeutung. Aufgrund der demographischen Entwicklung werden langfristig sowohl die Krankheitshäufigkeit in der Bevölkerung als auch der Bedarf an bezahlbaren innovativen Arzneimitteln steigen. Die Fraunhofer-Projektgruppe wird auf den Themenschwerpunkten translationale Arzneimittelforschung, Entwicklung pharmakologischer Modelle zur Vorhersagbarkeit von Sicherheit und Wirksamkeit, Epigenetik, Biomarker und klinische Forschung zum direkten Nutzen für Unternehmen und zum Vorteil der Gesellschaft arbeiten. »Die Umsetzung relevanter Forschungsergebnisse in die klinische Anwendung funktioniert bisher in Deutschland nicht zufriedenstellend«, beurteilt Geisslinger, Leiter des Instituts für Klinische Pharmakologie an der Goethe-Universität Frankfurt, die gegenwärtige Situation. Im Gegensatz zu amerikanischen Universitäten hätten deutsche Hochschulen in den vergangenen zehn Jahren de facto keine Rolle bei der Entdeckung innovativer Arzneimittel gespielt. Um die im europäischen Vergleich strukturbedingt niedrige Wertschöpfung der deutschen Pharmaforschung nachhaltig zu steigern, bedarf es neuer, institutioneller Modelle für anwendungsorientierte Arzneimittelforschung. Zur Deckung des Innovationsbedarfs setzt die pharmazeutische Industrie zunehmend auf Kooperationen mit Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Der LOEWE-Schwerpunkt bündelt die am Pharmastandort Frankfurt am Main vorhandene Forschungsexpertise in der Medizin und den Biowissenschaften. Die neue Fraunhofer-Projektgruppe bietet zusammen mit dem IME in Aachen und der Fraunhofer-Projektgruppe »Bio-Ressourcen« in Giessen der pharmazeutischen Industrie Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen und die Wirkstoff-Evaluierung in der präklinischen und klinischen Forschung an. Der Verbund ermöglicht erhebliche Synergieeffekte entlang der Wertschöpfungskette bis zur Durchführung klinischer Studien der Phase II. Dies wird maßgeblich dazu beitragen, dem Wissens- und Wirtschaftsstandort Deutschland bei der Translation der Forschungsergebnisse in die Anwendung eine Vorreiterrolle in Europa zu sichern. »Das Potenzial hierzu gründet sich auf unsere international sichtbare akademisch-wissenschaftliche und klinische Expertise sowie die hohe Dichte an pharmazeutischen Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet«, erklärt Gerd Geisslinger.

Das übergeordnete Ziel des LOEWE-Schwerpunkts »Anwendungsorientierte Arzneimittelforschung« ist es, in Kooperation mit der Industrie vorhersagende präklinische und klinische Modelle zu entwickeln, um möglichst früh Aussagen über die Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneistoffen treffen zu können und damit die Erfolgsraten der klinischen Entwicklung drastisch zu steigern. Künftige Fortschritte sind abhängig von einem umfassenden Verständnis der komplexen molekularen Signalwege von bisher nicht oder nur unzureichend behandelbaren Erkrankungen. Innovative Arzneimittelforschung orientiert sich deshalb zunehmend an der Aufklärung molekularer Signalnetzwerke (»Signaling«). Die systematische Erforschung pathophysiologisch relevanter Signalwege kann Wesentliches zum Verständnis von bisher unzureichend therapierbaren Erkrankungen beitragen. Das wissenschaftliche Konzept der Fraunhofer-Projektgruppe in Frankfurt orientiert sich deshalb an den langjährigen, Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die führende Organisation für angewandte Forschung in Europa. Unter ihrem Dach arbeiten 60 Institute an über 40 Standorten in ganz Deutschland. Rund 18 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erzielen das jährliche Forschungsvolumen von 1,65 Milliarden Euro. Davon erwirtschaftet die Fraunhofer-Gesellschaft rund zwei Drittel aus Aufträgen der Industrie und öffentlich finanzierten Forschungsprojekten. Die internationale Zusammenarbeit wird durch Niederlassungen in Europa, in den USA und in Asien gefördert.

Exzellenten Vorarbeiten von Wissenschaftlern des Zentrums für Arzneimittelforschung, -entwicklung und -sicherheit (ZAFES) auf diesem Gebiet. Geplant sind fünf Forschungsprojekte, in denen es unter anderem darum geht, ein nebenwirkungsarmes schmerz- und entzündungshemmendes Medikament zu entwickeln. Eine weitere Substanz soll auf ihre Wirksamkeit zur Behandlung der Multiplen Sklerose geprüft werden. Voruntersuchungen haben gezeigt, dass der Wirkstoff gut verträglich ist und sich auch in hoher Dosierung für eine Dauerbehandlung eignen könnte. Die Studien beginnen mit einem Mausmodell und sollen – gemeinsam mit den Projektpartnern – bis zur klinischen Prüfung fortgeführt werden.

Prof. Dr. Rainer Fischer | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010-2011/22/loewe-schwerpunkt-anwendungsorientierte-arzneimittelforschung.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Mechanismus der Gen-Inaktivierung könnte vor Altern und Krebs schützen
23.02.2017 | Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI)

nachricht Alge im Eismeer - Genom einer antarktischen Meeresalge entschlüsselt
23.02.2017 | Universität Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie