Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Antikörpern die Alzheimer-Krankheit erforschen

07.06.2010
Mit neuen gentechnologischen Methoden wollen Forscher der Technischen Universität Braunschweig und der École Polytechnique Fédérale de Lausanne, Schweiz, die Alzheimer-Erkrankung erforschen.

Ihr Ziel ist es, die molekulare Struktur derjenigen Eiweiße, die an der Erkrankung beteiligt sind, genauer als bisher zu untersuchen. Prof. Stefan Dübel, Leiter der Abteilung Biotechnologie des Braunschweiger Instituts für Biochemie und Biotechnologie und sein Team entwickeln dazu spezielle Antikörper. Sie kommen als molekulare Designer-Sonden zum Einsatz. In Lausanne werden sie im Laborversuch getestet. Das Projekt wird von der renommierten Alzheimer's Association gefördert.

Jeder menschliche oder tierische Körper verfügt über eine sehr hohe Zahl von unterschiedlichen Antikörpern. Von Natur aus für die Abwehr unbekannter Infektionen erschaffen, können sie beinahe jedes Molekül, das von außen in den Körper eindringt, binden und dadurch unschädlich machen. Wissenschaftler nutzen dieses natürliche Potenzial seit langem. Die Braunschweiger Forscher stellen Antikörper so her, dass diese ein einzelnes menschliches Eiweiß im Organismus aufspüren können, damit dessen Rolle im Organismus im Labor genau studiert werden kann. Dazu haben ein Verfahren perfektioniert, mit dem man Antikörper komplett ohne Versuchstiere im Reagenzglas entwickeln kann.

„Die Antikörper ermöglichen in diesem Projekt, bestimmte Proteine besser zu verstehen, die bei der Entstehung von Alzheimer eine Rolle spielen“, erläutert Prof. Dübel. „Sie funktionieren als Sonden, die es uns erlauben, kleinste Unterschiede in der molekularen Struktur dieser Eiweiße aufzuspüren und damit mehr über deren Rolle bei der Krankheitsentstehung zu erfahren.“

Eine Frage des „Faltenwurfs“

Proteine können eine sehr komplexe Struktur haben. Eiweiße gleicher chemischer Zusammensetzung können unterschiedliche räumliche Strukturen bilden, sich also unterschiedlich falten. Ein Protein, das im gesunden Organismus unschädlich ist, kann sich gleichsam wie ein Pullover „auf links“ umdrehen und dann die Erkrankung auslösen. Es ist also wichtig, die Faltung genau nachvollziehen zu können. Bisher war dies schwer, da in konventionellen Verfahren Antikörper zum Einsatz kamen, die in Versuchstieren erzeugt wurden. Dabei ließ sich nicht steuern, welche Faltung erkannt wurde. „Unsere Ansatz ist es, dass wir Antikörper-Sonden ausschließlich im Reagensglas aus Bakterien herstellen. Dabei lässt sich genau vorbestimmen, welche Version der Faltung des Eiweißes unsere Antikörper erkennen – und damit besser beobachten, wann und wie sich die Faltung verändert, wenn die Krankheit ausgelöst wird“, erläutert Prof. Dübel. Die Projektgruppe hofft, auf diese Weise mehr über die Entstehung und den Verlauf der Erkrankung zu erfahren. Damit würden neue Schritte in Richtung Diagnose und Therapie ermöglicht.

Im Rahmen des Projekts findet auch ein Austausch von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern mit dem jeweiligen Partnerinstitut statt.

Weitere Informationen:
Technische Universität Braunschweig
Institut für Biochemie und Biotechnologie
Prof. Dr. Stefan Dübel
Spielmannstr. 7
38106 Braunschweig
Tel.: +49 531 531 391 5731
E-Mail: biotech@tu-braunschweig.de

Dr. Elisabeth Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-braunschweig.de/bbt
http://rzv054.rz.tu-bs.de/Biotech/index.html

Weitere Berichte zu: Antikörper Biochemie Biotechnologie Dübel Eiweiß Faltung Organismus Protein Versuchstier

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie