Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auch Antikörper lieben Raumtemperatur

22.06.2012
BAM-Pressemitteilung Nr. 6/2012

Bei Schnelltests, wie sie oft in Krankenhäusern durchgeführt werden, aber auch bei Schwangerschafts- und Drogentests, ist auf die exakte Einhaltung der vorgeschriebenen Temperatur zu achten.

Darauf weisen Wissenschaftler der BAM Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung hin. Ein Test unter Kühlschranktemperaturen führt zu einem anderen Ergebnis als bei Raumtemperatur. Analytische Chemiker der BAM haben den Einfluss der Temperatur auf Präzision und Richtigkeit der Ergebnisse aus Immunoassays untersucht und empfehlen Untersuchungen bei Raumtemperatur[1].

Bei Immunoassays wird die aus der Immunologie bekannte hohe Bindung zwischen Antigenen und Antikörpern ausgenutzt. Das Verfahren wird bei vielen Schnelltests im Bereich der Medizin, aber auch in der Lebensmittel- und Umweltanalytik eingesetzt. Die Verfahren werden immer kostengünstiger und haben deshalb eine große Verbreitung gefunden.

Untersucht haben die Wissenschaftler spezielle Testverfahren, so genannte HaptenImmunoassays. Diese werden in mehreren Arbeitsschritten durchgeführt, bei denen Dauer und Temperatur prinzipiell variabel sind und manchmal vom Durchführenden gar nicht beeinflusst werden können, wie zum Beispiel die Labortemperatur. Bislang war wenig darüber bekannt, welcher der vielen Schritte bei der Durchführung von Immunoassays wirklich temperaturkritisch ist.
Die BAM-Wissenschaftler empfehlen nach umfangreichen Untersuchungen bei verschiedenen Temperaturen die Durchführung der Tests bei Raumtemperatur. „Zwar geht dies zu Lasten der Empfindlichkeit des Tests, aber der Nachteil wird durch die bei 21 Grad Celsius gesteigerte Präzision mehr als ausgeglichen“, sagt der BAM-Bioanalytiker Rudolf J. Schneider.

Der Einfluss der Temperatur wurde dabei für zwei pharmazeutische Wirkstoffe, Koffein und Carbamazepin, überprüft. Carbamazepin, ein Mittel gegen Krampfanfälle, und Koffein werden in der Umweltanalytik bei Gewässeruntersuchungen als Leitparameter eingesetzt. Neben diesen beiden Wirkstoffen kamen zudem zwei unterschiedliche Substrate zum Einsatz, wie auch mit der Photometrie und der Fluorimetrie zwei unterschiedliche Nachweisverfahren. Jeweils mit identischen Ergebnissen: Es zeigte sich, dass lediglich die Temperatur bei einem speziellen Schritt, dem so genannten Kompetitionsschritt, einen Einfluss auf die untersuchten Parameter hat. Die Temperatur beeinflusst sowohl die Unsicherheit des Ergebnisses, als auch die Nachweisgrenze und den Messbereich.

Die Ergebnisse sind eindeutig: die besten Resultate werden erzielt, wenn Reagenzien, verwendete Lösungen und die in der Diagnostik oft eingesetzten Mikrotiterplatten bei Raumtemperatur um die 21 Grad Celsius gehalten und bei dieser Temperatur alle Testschritte durchgeführt werden.

[1] Anal. Meth., 2012, 4 ,901-905, DOI: 10.1039/C2AY05918E

Kontakt:
Priv.-Doz. Dr. Rudolf J. Schneider
Abteilung 1 Analytische Chemie; Referenzmaterialien
E-Mail: rudolf.schneider@bam.de

Dr. Ulrike Rockland | idw
Weitere Informationen:
http://www.bam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kontinentalrand mit Leckage
27.03.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht Neuen molekularen Botenstoff bei Lebererkrankungen entdeckt
27.03.2017 | Universitätsmedizin Mannheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE