Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit einem Antikörper gegen Krankenhauskeime

09.11.2010
Wissenschaftler entwickeln neue Waffe gegen Staphylokokken-Infektionen

Jährlich erkranken in Deutschland bei Krankenhausaufenthalten etwa eine halbe Million Menschen an einer Infektion. Einer der häufigsten Erreger unter den sogenannten Krankenhauskeimen ist Staphylococcus aureus.

Er wird schnell resistent gegen Antibiotika und ist dadurch eine große Gefahr besonders für kranke und geschwächte Menschen. Wissenschaftler vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) konnten zusammen mit Wissenschaftlern von der Universität Würzburg einen Antikörper entwickeln, der gezielt gegen Staphylococcus aureus wirkt – jedenfalls im Körper von Mäusen.

Die Ergebnisse veröffentlichte kürzlich das Journal „Antimicrobial Agents and Chemotherapy“.

Sind Bakterienstämme erst einmal resistent gegen die gängig eingesetzten Antibiotika, können sie sich besonders leicht in Krankenhäusern ausbreiten und schwere Infektionen bei den Patienten hervorrufen. Die hohe Dichte an immunschwachen Menschen bietet den Erregern einen idealen Nährboden für eine rasante Vermehrung. Um die dadurch hervorgerufenen Erkrankungen erfolgreich bekämpfen zu können, brauchen Mediziner vor allem Behandlungsmethoden, die ohne die üblichen Antibiotika auskommen. Eine Möglichkeit dazu bietet die Therapie mit Antikörpern. „Auch wenn multiresistente Bakterienstämme durch Antibiotika nicht mehr abgetötet werden können, haben Antikörper gegen sie noch eine gute Chance“, sagt Dr. Christian Erck, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe „Zellbiologie“ am HZI.

Antikörper sind wichtige Waffen des Immunsystems: Die Eiweiße heften sich an fremde Moleküle und markieren sie so zum Beispiel für die Beseitigung durch Fresszellen. Unter der Leitung des kürzlich verstorbenen Professors Jürgen Wehland ist es den Forschern um Christian Erck am HZI gelungen, Mäuse zur Bildung eines Antikörpers gegen Staphylococcus aureus-Bakterien zu veranlassen. Kollegen der Universität Würzburg haben den neuen Antikörper anschließend an Mäusen getestet und festgestellt, dass er das Potenzial für einen therapeutischen Antikörper besitzt. „Es ist uns gelungen, bei Mäusen mit der Hilfe von Antikörpern einen Abwehrmechanismus gegen Staphylococcus-Erreger zu aktivieren“, sagt Dr. Udo Lorenz von der Chirurgischen Klinik I der Universität Würzburg. Mithilfe des Antikörpers kann das Immunsystem der Mäuse dreißig Prozent mehr Erreger abtöten als ohne. Dies sei ein „ganz dramatischer Vorteil, der den Unterschied zwischen Sterben und Überleben ausmachen kann“, sagt Lorenz.

Da der Antikörper bisher jedoch nur in Mäusen eingesetzt wurde, sollen nun klinische Versuche seine Eignung für die Behandlung von menschlichen Patienten zeigen. Damit das menschliche Immunsystem den Antikörper nicht abstößt, müssen ihn die Forscher allerdings zuerst umbauen. Wenn diese „Humanisierung“ des Antikörpers wie erwartet verläuft, rechnet Udo Lorenz für Ende 2012 mit dem Beginn der ersten Studien im Menschen.

Originalartikel: Lorenz U, Lorenz B, Schmitter T, Streker K, Erck C, Wehland J, Nickel J, Zimmermann B and Ohlsen K. Functional antibodies targeting Isa A of Staphylococcus aureus augment host immune response and open new perspectives for antibacterial therapy. Antimicrobial Agents and Chemotherapy 2010 October 18, doi:10.1128/AAC.01144-10

Dr. Andreas Fischer | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-hzi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise