Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Antibiotika aus dem Erdboden

12.11.2008
Forscher entschlüsseln genetischen Code für zwei potenzielle Wirkstoffe

Der Erdboden enthält eine Vielzahl von Bakterien, die zukünftig für die Herstellung von Antibiotika genutzt werden könnten. Forscher der Rockefeller University haben es geschafft, aus einer Bodenprobe den genetischen Code für zwei neue potentielle Antibiotika zu entschlüsseln.

Ihre Wirkung soll den derzeit stärksten Antibiotika gleichkommen. Rolf Hömke vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller bestätigt im Gespräch mit pressetext, dass Bodenentnahmen immer wieder als Quelle medizinisch wertvoller Bakterien genutzt werden. "In ähnlicher Weise wurde in der Vergangenheit aus einer norwegischen Bodenprobe der Wirkstoff Cyclosporin, ein Medikament für Organtransplantationen, gewonnen", so der Berliner Arzneimittelexperte.

Ein Teelöffel Gartenerde enthält etwa 10.000 Bakterien. Nur ein Prozent davon sind derzeit für Antibiotika und andere Medikamente einsetzbar, bei den restlichen 99 Prozent ist die Entzifferung des Genmaterials bisher noch nicht gelungen. "Erfolgreiche Trennung der verschiedenen Bakterien oder ihrer DNA von Proben aus der Natur ist oft das Hauptproblem", erklärt Hömke. "Erst wenn sichergestellt ist, dass die DNA nur von einer einzigen Art stammt, kann sie im Labor sinnvoll vermehrt werden." Dies stelle eine sehr anspruchsvolle Aufgabe dar.

Bei den eingeholten Bodenproben ist das den New Yorker Forschern scheinbar gelungen. Nach Erwärmung der Proben isolierten sie deren DNA und untersuchten sie nach einer Sequenz namens OxyC, die bei Antibiotika wie Vancomycin oder Teicoplanin häufig vorkommt. Die Bodenproben verschiedener Länder wiesen im Test jeweils zumindest eine zuvor unbekannte Variante der OxyC-Sequenz auf. Die Forscher verwendeten Enzyme der geklonten Gene mit den neuen OxyC-Sequenzen zur Erzeugung antibiotischer Derivate. Diese sollen nicht nur Bakterien mit der Wirkung der bisher stärksten Medikamente bekämpfen, sondern auch andere einzigartige Strukturelemente aufweisen, die bisher noch unbestimmte medizinische Vorteile liefern könnten.

Die Nachfrage nach neuen Wirkstoffen für Antibiotika ist groß. "Zunehmend gibt es Fälle, in denen die meisten Antibiotika nichts ausrichten können", sagt Hömke. Die Zuverlässigkeit der Antibiotika sei in den vergangenen Jahren aufgrund resistenter Erreger gesunken, zudem suche man in den Labors auch nach Antibiotika für bisher nur langwierig behandelbare Krankheiten wie Tuberkulose oder Borreliose.

Die US-Forscher hoffen, hier eine positive Entwicklung durch ihre Forschungsmethode auszulösen: "Es gibt eine Unzahl weiterer ungenutzter Strukturen, zu denen man durch kulturunabhängige Sortierungsmethoden Zugang erhält", so der New Yorker Forschungsleiter Sean Brady. Die Natur bietet somit einen Vorrat bislang noch unbekannter Gesundheitswirkstoffe.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.rockefeller.edu
http://www.vfa.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Viruses support photosynthesis in bacteria – an evolutionary advantage?
23.02.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Sonnenschutz von der Natur inspiriert
23.02.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Luftfahrt der Zukunft

23.02.2017 | Veranstaltungen

Problem Plastikmüll: Was können wir gegen die Verschmutzung der Meere tun?

23.02.2017 | Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Alternativer Therapieansatz für die Fettspeicherkrankheit Morbus Gaucher

23.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Luftfahrt der Zukunft

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Kühler Zwerg und die sieben Planeten

23.02.2017 | Physik Astronomie