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Angst im Dunkeln - TiHo-Forscher beschreibt nächtliches Verhalten von Rebhühnern

22.07.2009
Dr. Jörg E. Tillmann aus dem Institut für Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) hat als erster Wissenschaftler das nächtliche Verhalten von Rebhühnern dokumentiert und Unterschiede im Vergleich zu ihrem Verhalten am Tage aufgedeckt.
Die Studie ist eine der ersten Arbeiten zur "Nachtökologie" einer Vogelart überhaupt und schließt damit eine bedeutende Wissenslücke. Seine Forschungsergebnisse stellt Tillmann in der Juli-Ausgabe des Fachmagazins "Behaviour" und im "Journal of Ethology" vor.

Online sind die Veröffentlichungen einsehbar unter:
und unter http://www.springerlink.com/content/f3186j60323831m3/?p=36a080c6daf64d52b13cdcb6f50bfa33&pi=15

Mit Hilfe moderner Wärmebildtechnik konnte Tillmann die Tiere nachts aufspüren und ihr Verhalten beschreiben und interpretieren. Er erklärt: "Das Rebhuhn ist mit seinen Ansprüchen ein Musterbeispiel für viele andere Arten, deren Überleben von einer nachhaltigen Landwirtschaft abhängt. In verschiedenen Naturschutzprogrammen in der Agrarlandschaft wird das Rebhuhn daher als sensibler Bioindikator eingesetzt." Wie alle anderen typischen Feldvögel hat auch das Rebhuhn in den letzten 30 Jahren einen massiven Bestandseinbruch erlitten. In weiten Bereichen gingen die Tierzahlen um mehr als 90 Prozent zurück. Die Dramatik des Rückgangs hat dazu geführt, dass viele Untersuchungen zur Aufklärung der Ursachen durchgeführt wurden und die Erkenntnisse in naturschutzfachliche Konzepte zur Wiederansiedlung oder zur Lebensraumaufwertung eingeflossen sind. In diesen Projekten wurde die Ökologie des Rebhuhns am Tage ausführlich beschrieben, das Geschehen bei Nacht - und damit fast die Hälfte des Rebhuhnlebens - blieb aber im Dunkeln.

Tillmann konnte zeigen, dass das nächtliche Raumverhalten des Rebhuhns ein deutliches Abbild der ständigen Gefahr erbeutet zu werden ist. Tagsüber werden Rebhühner vor allem durch Greifvögel bedroht, vor denen es im Gebüsch oder am Feldrand in höherer Vegetation Schutz sucht. Nachts dagegen lauert die Gefahr am Boden, wie beispielsweise durch den Rotfuchs. Die nächtlichen Fressfeinde sind besonders dort aktiv, wo das Rebhuhn tagsüber Schutz sucht - an den Randbereichen der Felder. Nachts werden diese Orte vom Rebhuhn daher gemieden. In dunkleren Nächten, wenn die Sicht schlechter ist, entfernen sie sich sogar besonders weit von diesen Stellen und suchen sich einen Platz auf dem offenen Feld, um einen möglichst großen Abstand zu den bevorzugten Jagdbereichen ihrer Feinde herzustellen und die Nacht weitgehend in Sicherheit zu verbringen.

In kalten Nächten rücken die Rebhühner eines Familienverbandes eng zusammen, um so das Auskühlen zu reduzieren. Bevorzugt ruhen sie allerdings in Kleingruppen von zwei bis drei Tieren, vermutlich um Feinde schneller erkennen zu können. Bei anderen Arten wurde bereits beobachtet, dass Gruppen potentielle Fressfeinde früher erkennen als Einzeltiere. Die Flucht der Rebhühner eines Verbandes findet nachts in der Regel synchron statt. In den meisten Fällen fliegen dabei alle Rebhühner direkt aus der Ruheposition auf. Am Tag entziehen sich Rebhühner potentiellen Fressfeinden eher laufend am Boden.

Außerdem konnte Tillmann erstmalig beobachten, dass Rebhühner auf den ersten Metern ihres Fluchtfluges in den meisten Fällen mehrmals Kot absetzen. Da die Rebhühner ihren Kot schon absetzen, wenn sich ihre Fressfeinde noch in einer relativ großen Entfernung befinden, geht Tillmann davon aus, dass dies kein Angstverhalten ist. Die meisten Wirbeltiere zeigen ein solches Angstverhalten nur in direkt lebensbedrohlichen Situationen, wie beim direkten Körperkontakt mit dem Fressfeind. Tillmann vermutet, dass das Absetzen von Kot wie bei anderen Arten bereits gezeigt werden konnten, auch beim fliehenden Rebhuhn eine abschreckende Wirkung auf die Fressfeinde hat. Zusätzlich wird vermutet, dass es zu einer Reduktion des Gewichtes und so zu einer Energieeinsparung führt. Tillmann konnte im Rahmen seiner Studie zeigen, dass die Rebhühner ihr Fluggewicht durchschnittlich um 1,1 Prozent reduzieren konnten. Es wird angenommen, dass der selektive Vorteil zwar marginal ist, sich dieses Verhalten im Laufe der Evolution aber durchaus positiv ausgewirkt hat.

Fotos und die Veröffentlichungen senden wir Ihnen gern zu (presse@tiho-hannover.de).

Für weitere Informationen steht Ihnen zur Verfügung:
Dr. Jörg E. Tillmann
Institut für Wildtierforschung, TiHo
Tel: (05 11) 9 53-75 69
E-Mail: joerg.tillmann@tiho-hannover.de

Sonja von Brethorst | idw
Weitere Informationen:
http://www.tiho-hannover.de

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