Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ameisen orientieren sich am Duft der Heimat

27.02.2009
Wüstenameisen orientieren sich nicht - wie bisher angenommen - rein visuell

Menschen, die sich in der Wüste verirrt haben, bewegen sich im Kreis, sobald ihnen die Orientierung verloren gegangen ist. Doch gilt das auch für Tiere, wenn keine Landmarken als Orientierungshilfe mehr in Sicht sind? Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena konnten zeigen, dass Wüstenameisen nicht nur visuell wahrnehmbare Landmarken, sondern zusätzlich auch lokale Gerüche für ihr Navigationssystem nutzen, um den Weg nach Hause zu finden. (BioMed Central: Frontiers in Zoology, 27. Februar 2009)


Die Wüstenameise bei der Nahrungssuche. In ihrem Hirn läuft ein Navigationssystem ab, das es dem Insekt ermöglicht, sowohl mit Hilfe sichtbarer als auch riechbarer Landmarken wieder nach Hause zu finden. Bild: MPI für chemische Ökologie

Cataglyphis fortis, die Wüstenameise, ist in den unwirtlichen Salzwüsten Tunesiens heimisch. Um nach ausgedehnter Beutesuche den Weg zurück zum Nesteingang zu finden, bei dem es sich um ein etwa zwei Zentimeter kleines Loch im Wüstenboden handelt, nutzt Cataglyphis ein ausgeklügeltes Navigationssystem. Dank umfangreicher Forschungen sind die Komponenten dieses Navigationssystems soweit bekannt. So nutzt das "GPS" der Ameise einen Sonnenkompass, einen Wegstreckenintegrator (d.h. die Ameise zählt quasi ihre Schritte) und die visuelle Erkennung von Landmarken. Dass darüber hinaus aber auch lokale Düfte eine Rolle bei der Orientierung dieses kleinen Insekts spielen, war bislang nicht bekannt.

Kathrin Steck, Bill Hansson und Markus Knaden haben mit Hilfe der Gaschromatographie einige Duftstoffe identifiziert, die für den Lebensraum einer Wüstenameise eine ganz spezifische Kennung darstellen. In ihren Feldexperimenten trainierten sie die Ameisen dann, Düfte zu erkennen, die einen versteckten Nesteingang markierten. Die Ameisen lernten, ihren Nesteingang mit einem einzigen Duft zu assoziieren, und unterschieden diesen "Trainingsduft" von anderen Düften. Sie konnten diesen Duft sogar aus einer Mischung von insgesamt vier Düften heraus erkennen. Allerdings verhielten sie sich dann weniger zielorientiert. Ihre Orientierungsleistungen waren aber auch bei einer Duftmischung immer noch deutlich besser als in Kontrollversuchen ohne jeden Duft.

Die Nutzung von Gerüchen aus der Umgebung konnte bereits bei der Navigation von Tauben nachgewiesen werden; die meisten Ameisenarten verlassen sich dagegen eher auf selbst produzierte Pheromonspuren. Für Cataglyphis ist das vermutlich keine wirkliche Alternative, da selbst gelegte Pheromonspuren im heißen Wüstensand nur sehr kurzlebig wären. Das könnte zumindest der Grund dafür sein, warum sich diese Ameisen in der Regel lieber auf stabile, bereits vorhandene Landmarken verlassen. Trotzdem: "Wir waren wirklich erstaunt, dass die Ameisen nicht nur visuelle Landmarken verinnerlichen, sondern auch Informationen über ihre olfaktorische Welt sammeln, um den Weg zurück zum Nest zu finden", sagt Markus Knaden. In weiteren Experimenten will der junge Forscher nun bislang noch unbekannte Wechselwirkungen zwischen visueller und olfaktorischer Information untersuchen.

Originalveröffentlichung:

Kathrin Steck, Bill S Hansson and Markus Knaden
Smells like home: Desert ants, Cataglyphis fortis, use olfactory landmarks to pinpoint the nest.

BMC: Frontiers in Zoology, 27. Februar 2009, http://www.frontiersinzoology.com/

Dr. Felicitas von Aretin | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de
http://www.frontiersinzoology.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Adenoviren binden gezielt an Strukturen auf Tumorzellen
23.04.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Software mit Grips
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Moleküle brillant beleuchtet

23.04.2018 | Physik Astronomie

Sauber und effizient - Fraunhofer ISE präsentiert Wasserstofftechnologien auf Hannover Messe

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen

23.04.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics